Stefan Wotzlaw
Lessingstrasse 2
06844 Dessau
Russische Raumfahrt 2005
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Juli (40) August (41) September (42) Oktober (43) November (44) Dezember (45)


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Russische Raumfahrt-45 (Dezember 2005)

Nach einem Monat ohne Raketenstarts weltweit gab es am 21.Dezember ein wahres Feuerwerk: vier Raketen (drei Weltraummissionen, eine suborbital) starteten in Kasachstan, Nordrussland, Südamerika und im Weißen Meer. Bis Jahresende folgten drei weitere erfolgreiche Starts in Baikonur innerhalb von nur fünf Tagen - ein Jahresendfeuerwerk, wie es in der Sowjetunion und in Russland gerne veranstaltet wird.

Russische Raumfahrtbilanz 2005

2005 beförderte Russland mit 26 Raketen 36 Raumflugkörper in den Weltraum. Hinzu kommt eine technologische suborbitale Mission. Mit diesen Zahlen steht Russland an der Weltspitze hinsichtlich der Zahl der Raketenstarts. Es befindet sich im Durchschnitt der letzten Jahre und übertrifft die Zahlen von 2004 ein wenig. Allerdings gab es 2005 drei Fehlstarts- eine ungewöhnliche hohe Zahl. Zu den 26 Raketen gehörten 12 Sojus/Molnija, 7 Proton, drei Kosmos, zwei Rockot und je eine Dnepr und Wolna (plus eine suborbitale Wolna). Die Firma Samara Space Center stand mit sechs Sojus-U, fünf Sojus-FG und einer Molnija-M an der Spitze. Es folgt Chrunitschew mit 4 Proton-M und drei Proton-K. Poljot setzte drei Kosmos-3M und die russische Marine eine Wolna aus ihren Beständen ein. Das russisch-ukrainische Unternehmen Kosmotras startete eine Dnepr aus den Lagerbeständen der russischen Strategischen Raketentruppen.

Elf der 26 Raketenstarts erfolgten auf Bestellung ausländischer Kunden. 4 Missionen wurden für die russisch-amerikanische Firma International Launch Services, drei für das europäisch-russische Unternehmem Starsem, zwei Starts unter Beteiligung der ESA und je ein Start für die japanische Raumfahrtbehörde JAXA und die Planetary Society durchgeführt. Auch der technologische Suborbitalflug wurde von der ESA finanziert.

Hinzukommen kommen noch vier Starts des in dieser Statistik nicht berücksichtigten internationalen Konsorziums Sea Launch. 19 Raketenstarts erfolgten in Baikonur, sechs in Plessezk. 17mal wurden zivile Bedienungen der Firmen KBOM und KBTM eingesetzt, acht Missionen wickelten militärische Einheiten in Plessezk und Baikonur ab. Die Besatzung des U-Boots K-496 der Nordflotte startete zwei Raketen in der Barentsee, davon eine suborbital.

Als spezialisierte Oberstufe kam 7mal der Block-DM der Firma Energija und 6mal die Chrunitschew-Manövrierstufe Bris zum Einsatz. Das Lenksystem der Bris-M gab in einem Fall durch einen Softwarefehler falsche Befehle und erfüllte daher seine Mission nicht. Dreimal wurde die Oberstufe Fregat von Lawotschkin eingesetzt, davon einmal für eine interplanetare Mission.

Von den 36 in den Orbit beförderten Raumflugkörpern stammen 20 aus Russland und 16 aus anderen Ländern, darunter der erste iranische Satellit. Sechs Satelliten wurden im Auftrag des russischen Verteidigungsministeriums gestartet, was im Vergleich zu den Vorjahren eine ungewöhnlich niedrige Zahl ist. Wie angekündigt, flogen wieder sechs Raumschiffe zur Internationalen Raumstation, wodurch Russland auch 2005 seine Verpflichtungen für die ISS vollständig erfüllte. Nach drei Jahren flog erstmals wieder ein Tourist in einem Sojus-Schiff mit.

Fortgesetzt wurde die Rekonstruktion des Kommunikations- und Navigationssystems. Erstmals seit sechs Jahren wurde wieder ein ziviler Erdbeobachtungssatellit gestartet, wobei gleichzeitig die neue Satellitenplattform Jachta von Chrunitschew eingeführt wurde. Es fehlen allerdings weiterhin Wetter- und militärische Beobachtungssatelliten. Auf diesen Gebieten gibt es seit Jahren ein erhebliches Defizit. 2005 wurde kein einziger russischer Forschungssatellit gestartet.

Das technologische Rückführexperiment IRDT schlug zum dritten Mal in Folge fehl. Der Satellit Moshajez-5 löste sich nicht von der Trägerrakete und konnte somit nicht in Betrieb genommen werden. Monitor-E wurde nur mit großen Schwierigkeiten aktiviert.

Sehr schwer wogen die drei Fehlstarts russischer Raketen. Eine Molnija-M ging durch eine Produktionsfehler, eine Rockot durch einen Programmierfehler verloren. In beiden Fällen reichten die Tests im Vorfeld der Mission nicht aus, um den Fehler rechtzeitig zu erkennen.

Die U-Boot-Rakete Wolna erwies sich erneut als unzuverlässig. Inzwischen lehnt sogar die Raumfahrtbehörde Roskosmos den Einsatz für kommerzielle Flüge ab. Schuld an dieser Situation trägt die russische Marine, die ihren potentiellen Kunden ältere Exemplare mit bekannten Problemen anbietet und bewusst das Risiko eines Fehlstarts einkalkuliert. Sie dürfte damit endgültig aus dem Reigen der kommerziellen Raketenanbieter aussteigen. Gut stehen dagegen die Perspektiven bei Starsem, ILS und Kosmotras. Auch Poljot konnte seine Kosmos-3M für Einzel- und Clustermissionen empfehlen, so dass sogar über die Wiederaufnahme der Produktion der 40 Jahre alten Rakete nachgedacht wird. Es wurde eine neue, großvolumige Nutzlastverkleidung für diese Rakete erfolgreich erprobt.

2005 gab es auch wieder Startverzögerungen. Der kasachische Nachrichtensatellit KazSat, der Erdbeobachtungssatellit Resurs-DK und der weißrussische Satellit BelKA wurden auf 2006 verschoben. Astra-1KR wurde von Proton auf Atlas umgebucht. Kompsat-2 mit einer Rockot wurde von Dezember 2005 auf das 2.Quartal 2006 verschoben. Der erste Testflug der Rakete Sojus 2-1B wanderte von Herbst 2005 auf Mitte 2006. Das Kosmodrom Swobodnij wird möglicherweise geschlossen. Dafür wird die Raketenbasis Jasnij bei Orenburg zum Kosmodrom ausgebaut.

Das Raumschiff Kliper wurde in das nationale Raumfahrtprogramm 2006-2015 aufgenommen. Zur Enttäuschung der Russen lehnte Europa eine Beteiligung vorläufig ab. Nachdem sich die Beziehungen zur Ukraine stark abgekühlt haben, soll nun eine neue Rakete namens Sojus-3 anstelle der Zenit-2 Kliper ins All tragen.

Fazit: Aufregendes gab es in russischen Raumfahrt 2005 nicht, dafür viel Kontinuität und damit eine solide Basis für das Raumfahrtprogramm nach den krisenhaften 90er Jahren des 20.Jahrhunderts. Neben Raketen konnten auch Triebwerke erfolgreich exportiert werden: in den USA starteten erfolgreich drei Atlas-Raketen mit dem RD-180-Haupttriebwerk von Energomasch aus Chimki bei Moskau. In allen drei Fällen funktionierte das RD-180 tadellos und unterstrich seinen Ruf als eines der besten Raketentriebwerke der Welt.

Progress M-55 gestartet

Am 21.12.2005 startete um 23.28 Uhr Ortszeit von der Rampe PU-5 auf Platz 1 (Gagarin-Startkomplex) des kasachischen Kosmodroms Baikonur eine Trägerrakete des Typs Sojus-U mit dem Versorgungsraumschiff Progress M-55 (Prod.Nr.355) für die Internationale Raumstation. Die Rakete war planmäßig am 19.12. auf die Rampe gebracht worden und wurde pünktlich zum angekündigten Zeitpunkt gestartet. Wie üblich, gingen die Raketenreste in den Aufschlagzonen Nr.16,69,306 und 309 in Kasachstan und Russland nieder. Auch der weitere Flugablauf erfolgte bemerkenswert einwandfrei. Am 23.12. koppelte Progress M-55 automatisch an das Modul Pirs der ISS. Das Vorgängerschiff Progress M-54 verbleibt bis zum Frühjahr 2006 am Heckstutzen des Moduls Swesda, während Sojus TMA-7 an Sarja hängt.

Progress M-55 wog beim Start 7290 kg, wovon 2491 kg auf die Nutzlast entfallen. 1378 kg Fracht befinden sich in der für die Kosmonauten zugänglichen Frachtsektion. Das sind 168 kg Lebensmittel, 191 kg für die NASA, aber auch das Experiment "Plasma-Kristall Nr.3". In den Tanks der nichthermetischen Frachtsektion dahinter sind 210 kg Wasser im System Rodnik, 62 kg Sauerstoff, 21 kg Luft und 570 kg Treibstoff für das Orientierungssystem der ISS. Weitere 250 kg Treibstoff in den Tanks des Progress-Antriebssystem sind für Bahnmanöver reserviert.

Doppelstart in Plessezk

Am 21.12.2005 startete um 22.34 Uhr Ortszeit auf dem Kosmodrom Plessezk im Gebiet Archangelsk von Platz 132-1 eine Trägerrakete des Typs Kosmos-3M (Nr. 232) mit den Satelliten Gonez-M Nr.1 und Kosmos 2416 an Bord. Der Start erfolgte nur eine Stunde nach dem Start eines Progress-Schiffes in Baikonur (22.34 Uhr Plessezk-Zeit = 0.34 Uhr, 22.12. Baikonur-Zeit).

Beide Satelliten wurden erfolgreich in einer Bahn 1440 - 1450 km bei 82,5° Neigung ausgesetzt. Gonez-M ist ein kleiner Nachrichtensatellit für mobile Kommunikationsdienstleistungen (eMail, SMS usw.). Betreibergesellschaft ist die Staatsfirma GONEZ, die bereits seit einigen Jahren einige Satelliten des Typs Gonez D1 betreibt. GONEZ stellt seinen Service vorwiegend Regierungsbehörden, aber auch der Nachrichtenagentur ITAR-TASS, zur Verfügung. Das Programm wird von der Raumfahrtbehörde Roskosmos finanziert, die auch die Gonez-Satelliten bei NPO PM bauen lässt. Die Ausrüstung liefert die Firma Totschpribor aus Moskau. Mit Gonez-M wird eine neue Satellitengeneration mit 7 Jahren Funktionsdauer eingeführt.

Insgesamt sollen 12 Satelliten gestartet werden. Bislang sind sechs Gonez D1 in Betrieb. Der Satellit Kosmos 2416 ist vermutlich das militärische Gegenstück zu Gonez-M. Spaceflightnow bezeichnet ihn als "Rodnik". Vermutlich handelt es sich um ein verbessertes Modell des Typs Strela-3. Der Satellit wurde bei NPO PM oder Poljot gebaut.

Auf der Rakete Kosmos 3M Nr.232 flogen auch Briefe russischer Kinder mit Wünschen an Väterchen Frost zum Neuen Jahr mit. Der Start war ursprünglich am 20.12. geplant, musste aber um 24 Stunden verschoben werden, nachdem man eine defekte Batterie an der Oberstufe der Rakete gefunden hatte. Die Batterie wurde ausgetauscht und die Rakete zum Start freigegeben.

GLONASS-Troika

Wie immer zum Jahresende, haben die russischen Streitkräfte ein weiteres Triplet mit Glonass-Navigationssatelliten gestartet, um die Konstellation weiter zu vervollständigen.

Am 25.12.2005 startete um 10.07 Uhr Ortszeit von der Rampe PU-23 (Platz 81) des kasachischen Kosmodroms Baikonur die Trägerrakete Proton-K Nr. 41012 mit der Oberstufe Block DM-2 Nr.106L und den Navigationssatelliten Kosmos 2417, 2418 und 2419 an Bord. Dabei handelt es sich um einen Satelliten des Typs Uragan (Nr.798) und zwei neue Satelliten des Typs Glonass-M (Nr.713,714). Mit dem erfolgreichen Start des 34.Glonass-Trios sind 17 aktive Satelliten des Navigationssystems im Orbit. Offiziell soll bis 2008 die minimale Konstellation von 18 Satelliten aufgebaut werden. Präsident Putin hat inzwischen gefordert, die Aufstellung zu beschleunigen und bereits 2007 Vollzug zu melden. Der Hintergrund: die russische Regierung fürchtet, dass das amerikanische GPS im zivilen Bereich sich auch in Russland durchsetzt. Um die hohen Investitionen zu rechtfertigen, sollen aber auf kommerziellem Weg ein Teil der Gelder wieder eingespielt werden. Das funktioniert aber nur, wenn genügend Glonass-Geräte auf dem russischen Markt verkauft werden.

Die Startvorbereitungen für die Missionen verliefen weitgehend störungsfrei. Am 22.12.2005 wurde die Rakete auf der Rampe PU-23 aufgerichtet.

Giove-A mit Sojus gestartet

Am 28.12.2005 startete um 10.19 Uhr Ortszeit von der Rampe PU-6 auf Platz 31 (Wostok-Komplex) des kasachischen Kosmodroms Baikonur die Trägerrakete Sojus-FG Nr.015 mit der Oberstufe Fregat Nr.1009 und dem europäischen Teststatelliten Giove-A (GSTB-V2/A) an Bord.

Die Rakete wurde im MIK-40 zum Start vorbereitet und am 25.12. auf die Rampe gebracht. Der Start war ursprünglich am 26.12. geplant und wurde auf Bitten von Starsem auf den 28.12. verschoben. Das Bodensegment von Giove-A benötigte vor dem Start weitere Erprobungen.

Für den Aufstieg kamen Aufschlagzone 67 anstelle Zone Nr.16 und Zone 307 anstelle Nr.306 zum Einsatz. Die Zonen 69 und 309 werden bei Sojus-Starts von PU-5 und PU-6 gemeinsam benutzt. Die Oberstufe Fregat Nr.1009 wurde dreimal gezündet und setzte Giove-A nach 3 Stunden 42 min in der geplanten Zielbahn 23.011-23.258 km bei 56,05° Neigung ab. Giove-A (602 kg) wird dann mit dem eigenen Butan-Antriebssystem die Endbahn in 23.616 km Höhe ansteuern.

Giove ist die Abkürzung für Galileo In Orbit Validation Element. Es handelt sich um den ersten Prototypen eines Galileo-Navigationssatelliten. Vor dem Start hieß das Gerät noch Galileo System Test Bed Version 2 oder GSTB-V2. Giove-A wurde bei SSTL in Surrey, England auf Basis der Plattform GMP gebaut. Es handelt sich um einen 1,2 x 1,1 m großen Kasten. An Bord sind zwei Rubidium-Atomuhren und eine Navigationsausrüstung im L-Band. Mit Giove-A werden die bei der International Telecommunications Union (ITU) in Genf angemeldeten Frequenzen für das Galileo-System gesichert, weswegen der Start unbedingt noch 2005 erfolgen musste. Es werden die Bordausrüstungen unter den harten Strahlungsbedingungen eines mittelhohen Orbits und die entsprechenden Steuer- und Empfangsanlagen am Boden getestet.

Galileo ist nach GPS und GLONASS das dritte globale Satellitennavigationssystem. Den Auftrag zum Start von Giove-A erteilten ESA und Europäische Kommission an Arianespace, die ihn an ihre Tochter Starsem weitgab. Die Entwicklung von Giove-A begann im Juli 2003.

Bereits im Frühjahr 2006 soll eine weitere Sojus mit Giove-B starten.

AMC-23 gestartet

Am 29.12.2005 startete um 7.28 Uhr Ortszeit von der Rampe PU-39 (Platz 200) des kasachischen Kosmodroms Baikonur die Trägerrakete Proton-M Nr. 53513 mit der Oberstufe Bris-M Nr.88514 und dem amerikanischen Nachrichtensatelliten AMC-23 (Americom-23, Worldsat-3, GE-3i) an Bord.

Nach 9 Stunden 19 min und fünf Brennsequenzen der Oberstufe Bris-M Nr.88514 wurde AMC-23 wie geplant in einer Transferbahn 6193-35.615 km bei 18,5° Neigung ausgesetzt, aus der mit Hilfe des bordeigenen Flüssigkeitstriebwerkes S400 eine geostationäre Umlaufbahn bei 172° Ost erreichen wird. AMC-23 (5035 kg) ist ein Nachrichtensatellit des SES Americom aus Princeton, New Jersey, USA , und leuchtet mit seinen Antennen vorwiegend den pazifischen Raum aus. Die 20 Ku-Band-Transponder werden vorwiegend von Boeing für mobile Multimediadienstleistungen in Boeing-Flugzeugen auf pazifischen Flugrouten verwendet. Ein Teil der 18 C-Band-Transponder wurde von JSAT (Japan) gemietet. Sie dienen konventionellen Kommunikationsleistungen wie Telefon, TV usw.

Die Betreiberfirma SES Americom hieß früher GE Americom (davor RCA) und wurde 2001 von SES aus Luxemburg gekauft. AMC-23 ist ein Satellit der Baureihe Spacebus 4000C3 und wurde bei Alcatel Alenia Space in Toulouse und Cannes gebaut. Alcatel Alenia Space ist ein Zusammenschluß aus Alcatel Space (Frankreich) und Alenia Spazio (Italien). Die Grundkörper von Spacebus 4000 ist ein Kasten in den Abmessungen 6 x 3 m. Die geplante Funktionsdauer beträgt 16 Jahre.

Die Arbeiten mit AMC-23 in Baikonur begannen am 27.10.2005. Die Rakete war nur zwei Tage zuvor angekommen.

Der Start von AMC-23 war eigentlich für den 6.12. geplant. Kurz vor dem geplanten Abschuß wurde ein Defekt an der Oberstufe Bris-M Nr.88514 festgestellt. Da der Defekt auf der Rampe nicht reparabel war, wurde die Rakete am 7.12. in die Montagehalle MIK 92A-50 zurückgebracht und demontiert. Das defekte Kreiselgerät des Lenksystems der Bris-M wurde ausgebaut und am 10.12.2005 ein Ersatzgerät aus einer in der Produktion befindlichen anderen Bris-M eingeflogen. Für das Gerät zeichnet die Firma NII Kommandnych Priborow aus Sankt Petersburg verantwortlich.

Am 26.12. kehrte die Proton zur Rampe PU-39 zurück. Da bereits am Tag zuvor eine Sojus auf dem 80 km entfernten PU-6 aufgestellt worden war, standen wieder einmal zwei Raketen gleichzeitig auf Rampen in Baikonur. Für die Raketenreste wurden beim Aufstieg die Aufschlagzonen Nr.25 und 310 reserviert.

Koronas-F verglüht

Der letzte aktive russische Forschungssatellit, Koronas-F, ist am 7.12.2005 über dem Indischen Ozean verglüht. Koronas-F wurde in Dnepropetrowsk, Ukraine, gebaut und wurde mit russischen Instrumenten bestückt. Er arbeitete seit seinem Start 2001 bis zum Schluß, obwohl die Funktionsdauer nur auf ein Jahr berechnet worden war. Der 2260 kg schwere Satellit verglühte weitgehend, über Schäden durch Trümmer ist nichts bekannt.

Das neue russische Raumfahrtprogramm bis 2015 sieht mehrere wissenschaftliche Missionen vor.

Zweiter Testflug der Bulawa

Die neue U-Boot-Rakete Bulawa hat erneut einen erfolgreichen Testflug absolviert. Am 21.Dezember 2005 startete um 8.19 Uhr Ortszeit aus einem Silo des im Weißen Meer getauchten Atom-U-Boots "Dimitri Donskoi" erfolgreich das zweite Exemplar. Es erreichte nach 30 Minuten das Zielgebiet Kura auf Kamtschatka. Die Bulawa ist eine neue Feststoffrakete und die zukünftige Hauptbewaffnung der russischen U-Boot-Flotte.

Gleichzeitig hat der Chef der Strategischen Raketentruppen, General Nikolai Solowzow angekündigt, dass seine Teilstreitkraft künftig ausschließlich mit der Topol-M-Rakete ausgerüstet wird. Alle älteren Raketen, die noch aus der Sowjetunion stammen, werden allmählich außer Dienst gestellt. Die umfassende Modernisierung der russischen Nuklearstreitkräfte wird nachhaltig von Präsident Putin gefördert.

Baikonur wird zivil

Das russische Kosmodrom Baikonur auf dem Territorium der Republik Kasachstan wird heute gemeinsam von der Raumfahrtbehörde Roskosmos und den russischen Weltraumtruppen verwaltet. Zug um Zug wird aber die Übergabe aller Anlagen des Kosmodroms an zivile Organisationen und Industriebetriebe vorangetrieben.

Zum 2.12.2005 wurde das sogenannte "Erste Zentrum", die Militäreinheit Nr. 44275, aufgelöst. Das Erste Zentrum war für die Betreuung der Plätze 1 und 31 ,also die Sojus-Startkomplexe in Baikonur, verantwortlich. Die Soldaten und Offiziere des 1.Zentrums führten mehr als 600 Raketenstarts mit Raketen der Semjorka-Familie durch. Nun werden beide Plätze vollständig vom Barmin-Büro aus Moskau (auch bekannt als KBOM) betreut.

Bis Ende 2007 sollen sämtliche Militärs aus Baikonur abziehen. Das betrifft auch die Silos für Interkontinentalraketen, die derzeit noch von der Achten Verwaltung betreut werden.

Abschlußbericht für Cryosat-Fehlstart

Eurockot hat den unabhängigen Abschlußbericht für den Fehlstart einer Rockot-Rakete mit dem europäischen Satelliten Cryosat an Bord am 8.10.2005 vorgelegt. Eurockot stimmt in allen Punkten mit der russischen staatlichen Untersuchungskommission überein, die bereits am 3.11.2005 ihren Bericht in Moskau vorgestellt hat.

Ursache für den Fehlschuß war ein Programmierfehler im Lenksystem der Rakete.

Bekanntlich war das Triebwerk der 2.Stufe nicht zum geplanten Zeitpunkt abgeschaltet worden. Die Telemetrieaufzeichnungen beweisen, dass zwar der Befehl durch den Bordcomputer korrekt gegeben wurde. Allerdings muß zur Ausführung des Abschaltkommandos eine weitere Bedingung erfüllt werden. Die Treibstofftanks der dritten Stufe (Bris-KM) müssen unter Druck gesetzt sein, bevor der Befehl ausgeführt wird. Durch einen menschlichen Fehler wurde die Druckbeaufschlagungssequenz der Bris-KM bei der Cryosat-Mission falsch eingestellt. Sie wurde erst nach Ausgabe des Abschaltbefehls der zweiten Stufen aktiviert. Ohne Unter-Druck-Setzen der Tanks der dritten Stufe kann das Triebwerk der 2.Stufe aber nicht abgeschaltet werden. Dieser Fehler wurde bei den Test vor dem Start nicht erkannt.

Ohne Abschaltung brannte die 2.Stufe bis zum völligen Verbrauch aller Treibstoffvorräte. Die Rakete verlies dabei den geplanten Aufstiegspfad, wodurch der Bordcomputer den Befehl zum Havarieabbruch der Mission 308 Sekunden nach dem Start gab. Das Gespann aus 2.Stufe, Bris-KM und Cryosat stürzte in der Aufschlagzone der 2.Stufe ab.

Eurockot folgt den Empfehlungen der russischen Kommission zur Wiederaufnahme der Flüge der Rockot. Die Druckbeaufschlagung der Tanks der 3.Stufe wird künftig in einem festen Zeitrahmen innerhalb der Aufstiegssequenz erfolgen. Die Testprozeduren bei Chrunitschew (Hersteller der Rakete) und Chartron (Hersteller des Lenksystems, Ukraine) werden verbessert.

Der nächste Start einer Rockot ist im zweiten Quartal 2006 mit dem koreanischen Kompsat-2 geplant. Für 2007 sind die Starts der Satelliten GOCE, SMOS und Proba-2 für die ESA und eines Erdbeobachtungssatelliten für einen weiteren Kunden geplant.

Quelle: Pressemitteilung Eurockot, Bremen, 21.12.2005

Neue kommerzielle und wissenschaftliche Missionen

Globalstar, Betreiber eines satellitengestützten globalen Handynetzes, hat angekündigt, acht neue Satelliten ab 2007 mit den Raketen Sojus und Rockot in Baikonur und Plessezk starten zu lassen. Bereits 1999 hatte Globalstar 24 Satelliten mit Sojus in den Orbit transportieren lassen.

Gleichzeitig hat das Moskauer Institut für Kosmosforschung mitgeteilt, dass 2011 der russische-europäische Astronomiesatellit Spektr-RG mit einer Sojus-ST in Kourou gestartet wird. Spektr-RG soll fünf Jahre lang nach Röntgenstrahlungsquellen im All fahnden.

Anatoli Kartaschow gestorben

Anatoli Kartaschow, ein Kosmonautenkandidat und Mitglied der "Gagarin-Garde", ist am 11. Dezember 2005 in Kiew nach langer Krankheit verstorben. Er wurde am 25.8.1932 geboren und diente bis 1985 in den sowjetischen Luftstreitkräften. Der Jagdflieger schied 1961 aus der Kosmonautengruppe aus, nachdem er in einem Zentrifugentraining Verletzungen erlitten hatte. Nach dem Ausscheiden aus der Luftwaffe arbeitete er bei Antonow in Kiew als Testpilot.

Letztes Bahnverfolgungsschiff verkauft

Die "Georgi Dobrowolskij", das letzte Schiff der sowjetischer Flotte schwimmender Bodenstationen auf den Weltmeeren, wurde am 6.12.2005 auf einer Auktion für 24,6 Millionen Rubel verkauft. Das Schiff wurde von der Firma Natalia Shiping Ltd., die auf den Antillen-Inseln Saint Kitts und Nevis registriert ist, gekauft. Das Eröffnungsgebot lag bei 24 Millionen Rubel. Das Schiff wurde von Roskosmos verkauft, das eingenommene Geld kommt der russischen Staatskasse zugute.

Die sowjetische Bahnverfolgungsflotte wurde bereits kurz nach dem Ende der Sowjetunion aus Kostengründen stillgelegt. Derzeit gibt es nur Bodenstationen auf dem Territorium Russlands, wodurch die Kommunikation mit der Satellitenflotte eingeschränkt. Das neue russische Raumfahrtprogramm sieht den Start eines oder zwei Relaissatelliten des Typs Lutsch-5 vor.

Quelle:eMail James Oberg, FPSpace, 6.12.2005

Kasachische Raumfahrtpläne

Der Start des ersten kasachischen Satelliten, KazSat ist von Dezember 2005 auf 2006 verschoben worden, weil Rakete und Satellit bis heute nicht in Baikonur eingetroffen sind. Hersteller Chrunitschew muß weitere Tests mit KazSat durchführen, nachdem mit dem bauähnlichen Monitor-E (beide nutzen die gleiche Plattform Jachta) technische Schwierigkeiten aufgetreten sind.

Unterdessen hat der kasachische Ministerpräsident Danial Achmetow bei einem Besuch in der russischen Raumfahrtfirma Energija weitere kasachische Satellitenstarts angekündigt.

Demnach sollen bis 2010 insgesamt vier Nachrichtensatelliten in Auftrag gegeben werden. Der zweite Satellit wird bereits 2007 starten und wird wahrscheinlich von Energija, dem Hauptkonkurrenten von Chrunitschew, gebaut. Neben diesen Kommunikationssatelliten sollen russische Firmen auch vier Satelliten zur Erdfernerkundung und "globalen Informationsgewinnung", was man auch mit militärischer Aufklärung übersetzen könnte, liefern, so dass bis 2012 insgesamt 8 kasachische Satelliten um die Erde kreisen sollen.

Gemeinsam mit dem Moskauer Institut für Wärmetechnik, Russlands Denkfabrik für feststoffgetriebene Interkontinentalraketen, arbeitet Kasachstan an einem luftgestützten Raketenkomplex namens "Ishim". Mit Hilfe einer Mig-31 wird eine Feststoffrakete in große Höhe gebracht und ausgeklinkt. Sie kann 160 kg in den erdnahen Weltraum befördern. Die kasachischen Regierungsorganisationen KazCosmos und KazMunaiGas planen mit Ishim Satelliten zur Geofernerkundung und Überwachung von Piplines zu starten.

Kasachstan lässt derzeit vier Kosmonauten in Moskau ausbilden, plant, sich an dem Modul MPM der ISS und an dem neuen Raumschiff Kliper zu beteiligen. Raumfahrtspezialisten werden in Baikonur ausgebildet und Kasachstan und Russland bauen gemeinsam den Startkomplex Baiterek in Baikonur.

Quelle: FPSpace, eMail PeterRBond, 7.12.2005

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Russische Raumfahrt-44 (November 2005)

Topol-Testflüge in Kapustin Jar und Plessezk

Am 1.11.2005 startete auf dem Versuchsgelände Kapustin Jar bei Wolgograd in Südrussland von einer mobilen Startplattform eine Interkontinentalrakete des Typs Topol (nach anderen Angaben eine Topol-M). Der Gefechtskopf schlug auf dem Zielgebiet Sary-Schagan am See Balchasch in Kasachstan ein.

Der Start war in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Bislang wurden alle Topol-Raketen in Plessezk gestartet. Die Flugtrasse Kapustin Jar- Sary Schagan wurde gewählt, weil auf diese Weise die Beobachtung des Fluges durch die Amerikaner erschwert wurde. Es wurde ein spezieller manövrierfähiger Gefechtskopf eingesetzt, der es erlaubt, die amerikanische Raketenabwehr zu überwinden. Diese hochgeheime Technologie soll nach Möglichkeit vor den Amerikanern verborgen bleiben. Sary-Schagan verfügt über bessere und umfangreichere Beobachtungstechnik als das übliche Zielgebiet Kura auf Kamtschatka.

Nach offiziellen Angaben verlief der Flug erfolgreich.

Bereits am 29.11.2005 startete eine weitere Feststoffrakete des Typs Topol, diesmal wie üblich in Plessezk. Die um 10.44 Uhr Ortszeit abgeschossene Rakete erreichte nach 30 Minuten das Zielgebiet Kura auf Kamtschatka. Es wurde ein 20 Jahre altes Exemplar aus der ersten Serie verschossen.

Nach diesem erfolgreichen Test gaben die Strategischen Raketentruppen eine Garantieverlängerung der Topol auf 23 Jahre bekannt. Bisher waren es 19 Jahre.

Die Topol soll nach und nach durch die modernere Topol-M ersetzt werden, allerdings dauert die Indienststellung der neuen Rakete aus finanziellen Gründen länger als geplant.

Venus Express gestartet

Die Europäer nutzen zunehmend russische Raketen und am 9.November 2005 war es wieder einmal soweit: um 9.33 Uhr Ortszeit startete von der Rampe PU-6 (Platz 31) des Kosmodroms Baikonur, Kasachstan, die Rakete Sojus FG Nr.010 mit der Oberstufe Fregat Nr.1010 und der europäischen Venussonde Venus Express (1240 kg) an Bord. Die erste Zündung der Fregat führte die Kombination in eine erdnahe Parkbahn. Nach 1h 22 min brannte die Fregat erneut und beschleunigte auf Fluchtgeschwindigkeit. Nach 2 Stunden konnte das erste Signal von Venus Express in New Norcia (Australien) empfangen werden. Die ESA bestätigte den erfolgreichen Start ihrer ersten Venussonde.

Ursprünglich sollte Venus Express am 26.10.2005 abfliegen. Aber unmittelbar vor dem Rollout zur Rampe verweigerte die Staatliche Kommission die Fortsetzung der Startvorbereitungen, nachdem man Isoliermaterial der Fregat Nr.1010 frei in der Nutzlastverkleidung gefunden hatte. Die Rakete wurde demontiert, der Kopfblock in das MIK-112 zurückgebracht, dort zerlegt und gereinigt. Schon kurz darauf wurde das neue Zieldatum festgelegt und auch eingehalten.

Mit dem erfolgreichen Start von Venus Express unterstreicht die Marketingfirma Starsem die Reputation der Sojus-Rakete für kommerzielle Einsätze. Alle 14 Starsem-Einsätze seit 1999 verliefen erfolgreich. Schon in den nächsten Monaten werden drei weitere Raketen im Auftrag der ESA in Baikonur starten. Ab 2008 soll die Sojus-ST in Kourou fliegen.

Venus Express wurde ab 2002 durch 25 Firmen aus 14 Ländern bei EADS Astrium gebaut. Wie das Vorgängerschiff Mars Express verwendet Venus Express die Plattform Astrobus, die für den Einsatz an der heißen Venus adaptiert wurde. Die Solarzellenflächen sind kleiner und gegen Überhitzung geschützt. Sie wurden in Ottobrunn gebaut und liefern 1468 Watt elektrische Leistung.

Die Sonde verfügt über 7 Bordinstrumente, wovon drei aus den Reservebeständen für Mars Express stammen, 2 von Rosetta übernommen wurden und 2 neuentwickelt wurden. Die Kamera VMC wurde für "Fensterbereiche" im Infrarot geeicht, die Galileo bei ihrem Venusvorbeiflug 1990 entdeckte. In diesem Fenster soll es möglich sein, die dichte Wolkenhülle zu durchdringen und die Oberfläche unserer heißen Nachbarin zu sehen. Die Spektrometer PFS, SPICAV/SOIR, VeRA und VIRTIS untersuchen eingehend die Atmosphäre, deren Zusammensetzung und Dynamik, fahnden nach Wasser und Vulkanen, messen Temperaturen in der Atmosphäre und an der Oberfläche und untersuchen Wechselwirkungen zwischen Atmosphäre und dem Plasma des Weltraums.

Im April 2006 wird Venus Express unseren Nachbarplaneten erreichen. Dann brennt das Haupttriebwerk (400 N Schub) von EADS ST aus Lampoldshausen rund 51 min und verbraucht dadurch den Löwenanteil des Treibstoffvorrates von 570 kg. Die Sonde schwenkt auf eine langgestreckte Bahn 250 - 350.000 km um die Venus ein. Später wird eine polare Umlaufbahn 250-66.000 km angestrebt, aus der sie dann 500 Tage Messungen durchführen soll. Die Bodenkontrolle übernimmt das ESOC in Darmstadt. Die Kosten der gesamten Mission belaufen sich auf 220 Millionen Euro.

Die ESA hat sehr schöne Fotos ins Netz gestellt.

Für Fans von Baikonur sind folgende Bilder hervorzuheben:
http://sci.esa.int/science-e-media/img/4c/LaunchPadBuildingsSeenFromTopOfRocket.jpg
eine Gesamtansicht von Platz 31 mit allen Gebäuden, im Hintergrund kann man sogar die Anlagen und Startrampen der Zenit (Platz 45,42,43) erkennen !
http://sci.esa.int/science-e-media/img/4e/bunkerSeenFromTopOfRocket.jpg
der Startbunker der Rampe PU-6, links neben der Rampe

Inmarsat-4 F-2 gestartet

Am 8.11.2005 startete um 6.07 Uhr Ortszeit von der Plattform Odyssey im Pazifik eine Trägerrakete des Typs Zenit-3SL mit dem Nachrichtensatelliten Inmarsat-4 F-2 an Bord. Sie setzte ihre Nutzlast nach einer Stunde 25 min erfolgreich in der geplanten Bahn 310 - 35.796 km bei 3,0° Neigung ab.

Die Abweichung vom geplanten Orbit betrug im Apogäum 10 Kilometern, im Perigäum sogar nur 20 m. Aus dieser Bahn steigt der Satellit mit eigener Kraft in die geostationäre Endbahn auf, wo er bei 53° West stationiert wird.

Inmarsat-4 F-2 sollte ursprünglich auf einer Ariane-5ECA fliegen. Die Verzögerungen mit dieser neuen Rakete führten dazu, dass er von der Allianz der Firmen Boeing, Arianespace und Mitsubishi auf die Zenit-3SL von Sea Launch (Boeing ist mit 40% an Sea Launch beteiligt) umgebucht wurde. Der Start war ursprünglich für den 4.11. geplant, und musste aus nicht näher beschriebenen technischen Gründen verschoben werden. Die Oberstufe Block DM-SL von Energija brannte zunächst 4,5 min, um eine erdnahe Parkbahn zu erreichen. Nach 55 min Freiflug wurde sie zum zweiten Mal für 7 min gezündet, wodurch die endgültige Bahn erreicht wurde.

Inmarsat-4 F-2 ist ein Satellit des Typs Eurostar 3000GM und wurde bei EADS Astrium in Stevenhage und Portsmouth in England gebaut. Mit einer Masse von 5958 kg ist er einer der größten kommerziellen Satelliten überhaupt. Der Grundkörper hat die Abmessungen 7x2,9x2,3 m. Die Solarzellenflächen mit einer Spannweite von 45 m  liefern 14 kW elektrische Leistung. Die geplante Funktionsdauer beträgt 13 Jahre. Inmarsat-4 verfügt über eine gigantische, entfaltbare Parabolantenne "AstroMesh" mit den Abmessungen 9x12 m und einer Grundfläche von 80 qm, die von Northrop Grumman (USA) geliefert wurde. Damit bietet Inmarsat für Abonnenten weltweit Breitband-Internet, eMail, LAN, Telefon, Video und Fax. Ursprünglich wurde Inmarsat nur auf Schiffen eingesetzt, heute sind es auch Flugzeuge und alle anderen beweglichen Anwender. Die 1979 gegründete Inmarsat-Organisation hat ihren Sitz in London und verfügt über 170.000 Abonnenten aus mehr als 80 Ländern.

Gemeinsam mit dem im März gestarteten Inmarsat-4 F-1 bildet F-2 ein mobiles Kommunikationssystem, das 86% der Erdoberfläche abdeckt. 2006 soll F3 über dem Pazifik stationiert werden.

Für Sea Launch war es der erste Start eines in Europa gebauten Satelliten. Die Zenit-3SL wird zunehmend erfolgreich auf dem kommerziellen Satellitenmarkt eingesetzt. Ab 2007 soll die Version Zenit-3SLB in Baikonur fliegen. Zwar ist die Nutzlast deutlich geringer, aber die Kosten pro Mission ebenso.

Ausstieg aus der ISS

Am 7.November stiegen die beiden Raumfahrer William McArthur und Waleri Tokarew aus der Internationalen Raumstation aus. Dabei benutzten sie zum ersten Mal seit mehr als zwei Jahren die amerikanische Schleuse Quest und amerikanische Raumanzüge. Schleuse und Anzüge waren durch Rost aus einem korridierten Teil im Kühlsystem von Quest kontaminiert gewesen. Mit dem Ausstieg konnte der erfolgreiche Abschluß der langanhaltenden Reparaturen bestätigt werden.

Der Ausstieg verzögerte sich um eine Stunde, weil Tokarew vergessen hatte, ein wichtiges Ventil zu öffnen. McArthur erinnerte ihn an diese Aufgabe kurz vor dem geplanten Ausstieg. Daraufhin wurde die Schleuse wieder unter Druck gesetzt, Tokarew öffnete die Luke nach innen, überprüfte die betroffenen Ventile und korrigierte seinen Fehler. Nach Schließen der inneren Luke und Entlüften konnten die beiden schließlich die Station verlassen. Sie installierten eine neue Fernsehkamera am Ende des Hauptgerüstes der Station (Gerüst P6) und demontierten ein Plasmameßgerät, mit dem das elektrische Feld um die Station untersucht wird. Nach 5,5 h kehrten sie in die Schleuse Quest zurück.

Monitor-E ist gerettet

Entgegen den Meldungen der Raumfahrtbehörde Roskosmos, die den brandneuen Erdbeobachtungssatelliten Monitor-E bereits abgeschrieben und öffentlich schwere Vorwürfe an die Herstellerfirma Chrunitschew gerichtet hatte, konnte der Sputnik Ende November 2005 doch noch in Betrieb genommen werden.

Am 26.11.2005 empfingen das Kontrollzentrum von Chrunitschew und die Firms ScanEx die ersten Aufnahmen der Kamera mit 20 m Auflösung. Drei Tage später konnte auch die zweite Kamera mit 8 m Auflösung eingeschaltet werden. Damit kann Monitor-E drei Monate nach seinem Start den Probebetrieb aufnehmen. Zuvor war es Chrunitschew gelungen, den Raumflugkörper zu stabilisieren und exakt auf die Erde auszurichten. Monitor-E ist derzeit der einzige russische Erdbeobachtungssatellit.

Kosmos 2415 gelandet

Nach 44 Tagen Flug landete der Hauptkörper von Kosmos 2415 am 15.Oktober 2005 auf der Erde.

Damit bestätigte sich die allgemeine Vermutung, dass es sich um einen topographischen Satelliten des Typs Kometa handelte. Mit der Landung von Kosmos 2415 sind die russischen Weltraumstreitkräfte wieder ohne "Augen im Weltraum".

Neuer Chrunitschew-Direktor

Am 25.11.2005 unterzeichnete Präsident Putin einen Erlaß, nach dem der bisherige Direktor des Staatlichen Raumfahrtkonzerns Chrunitschew, Alexander Medwedjew, durch Wladimir Nesterow ersetzt wird. Damit setzt sich ein Prozess der Erneuerung der Führungsspitzen russischer Raumfahrtunternehmen fort. In der Vergangenheit wechselten bereits die Chefs von Energija, Energomasch, Lawotschkin, ZSKB-Progress und Poljot.

Nesterow war bisher Abteilungsleiter in der Raumfahrtbehörde Roskosmos. Mit seiner Berufung zum Chrunitschew-Generaldirektor setzt Putin seine Politik fort, die russische Raumfahrtindustrie unter feste Kontrolle von Roskosmos zu stellen. Roskosmos-Chef Perminow gilt seinerseits als enger Vertrauter von Präsident Putin.

Medwedjew, der Chrunitschew seit 2001 geführt hatte (zuvor war er Vizechef des Konzerns), war in letzter Zeit in die Kritik der Raumfahrtbehörde geraten. Das Programm der neuen Angara-Raketenfamilie ist hoffnungslos hinter dem ursprünglichen Zeitplan zurückgefallen. Der brandneue Satellitentyp Jachta versagte beinahe während seiner ersten Mission Monitor-E. Höhepunkt der Pannenserie war der Fehlstart einer Rockot im Oktober 2005 mit dem "zahlenden Passagier" Cryosat wegen eines Softwarefehlers. Die Rockot galt bis dahin als absolut zuverlässig.

Die Proton, wichtigstes Produkt von Chrunitschew, ist einheimischen Kunden zu teuer. Sie weichen lieber auf die billigere Sojus/Fregat aus. Die neue Proton-M fliegt ausschließlich kommerziell, aber mehr als drei bis vier Schüsse pro Jahr können nicht verkauft werden. Damit ist eine rentable Produktion der Großrakete nicht möglich. Die Produktion der Proton-K wurde eingestellt. Das letzte Exemplar wird im Dezember 2005 den kasachischen Nachrichtensatelliten Kazsat in den Orbit bringen. Ursprünglich sollte Kazsat als Zusatznutzlast einer Proton-M fliegen, die dafür notwendigen Modifikationen konnten aber nicht rechtzeitig abgeschlossen werden. Nun fliegt Kazsat als Einzelmission, wodurch aber nicht die volle Tragfähigkeit der Rakete ausgenutzt wird und somit die Rentabilität sinkt. Schon seit Jahren wird die Proton laut Medwedjew quasi zum Selbstkostenpreis verkauft. Kazsat ist das zweite Exemplar der neuen Jachta-Plattform von Chrunitschew. Kasachstan will einen weiteren Kazsat bestellen, aber nicht bei Chrunitschew. Im Gespräch ist "Viktoria" von Energija, die als Jamal-Nachrichtensatellit bereits seit sechs Jahren in Dienst steht.


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Russische Raumfahrt-43 (Oktober 2005)

Fünf misslungene Weltraummissionen verzeichnet die Bilanz der russischen Raumfahrt für 2005. Diese ungewöhnlich hohe Zahl (drei Fehlstarts der Raketen Molnija, Wolna und Rockot, ein misslungenes technologisches Experiment IRDT-2R, Nichttrennung von Moshajez-5 von Rakete) beunruhigt die Verantwortlichen, zumal die russischen Trägersysteme üblicherweise als sehr zuverlässig gelten. Die internationale Reputation der russischen Raketen und damit potentielle kommerzielle Aufträge, die dringend benötigt werden, stehen auf dem Spiel.

Sojus TMA-7 gestartet

Panne bei Rückkehr von Sojus TMA-6

Am 1.10.2005 startete um 9.55 Uhr Ortszeit von der Rampe PU-5 auf Platz 1 (Gagarin-Komplex) des kasachischen Kosmodroms Baikonur die Trägerrakete Sojus FG Nr.Sh15000-017 mit dem Raumschiff Sojus TMA-7 und den Kosmonauten Waleri Tokarew, William McArthur und dem zahlenden Passagier Gregory Olsen an Bord. Für Tokarew ist es der zweite Weltraumflug, für McArthur bereits der vierte. Der Russe und der Amerikaner sind beide Piloten ( Tokarew bei der Luftwaffe, McArthur Hubschrauberpilot des Heeres) mit sehr großer Flugerfahrung. Sie sind beide nahezu gleich alt und haben jeweils zwei Kinder. Olsen bezahlt seinen Flug aus eigener Tasche. 2004 wurde er noch aus medizinischen Gründen zurückgestellt. In diesem Jahr gab es keine Bedenken mehr. Es ist der dritte Flug eines selbst zahlenden Passagiers mit einem bemannten Raumschiff. Als Double fungierten Michail Tjurin, Jeffrey Williams und Sergej Kostenko.

Startvorbereitungen und Start liefen nach dem üblichen Schema und waren ohne besondere Vorkommnisse. Wie bei allen bemannten Aufstiegen der Rakete Sojus FG üblich, wird das Rettungssystem bereits 4 Sekunden vor Abtrennung der Außenblöcke der ersten Stufe in 50 km Höhe abgeworfen. Früher verblieb das Rettungssystem 20 Sekunden länger bis in 80 km Höhe  an der Raketenspitze. Durch den zeitigen Abwurf der schweren Rettungsrakete wird Gewicht gespart und somit die Nutzlast erhöht. Für Nottrennungen in großer Höhe kommt ein anderes System zur Anwendung. Die einzelnen Raketenstufen und Baugruppen fielen in den vorgesehenen Aufschlagzonen Nr. 16, 69, 306 und 309 herunter.

Am 3.Oktober 2005 koppelte Sojus TMA-7 automatisch am Modul Pirs der Internationalen Raumstation an. Damit nimmt die 12.Stammbesatzung ihre Arbeit in der Station auf. Während des halbjährigen Fluges sind u.a.zwei Außenbordmanöver vorgesehen. Schon jetzt steht fest, dass McArthur mit Sojus TMA-7 wieder zur Erde zurückkehren wird. Allerdings wird die NASA seine Landung zum ersten Mal bezahlen müssen, nachdem Russland seine Verpflichtung für den kostenlosen Transport amerikanischer Raumfahrer vollständig erfüllt hat. Über die Zahlungsmodalitäten wird gegenwärtig verhandelt.

Nach 9 Tagen gemeinsamer Arbeit kehrte Olsen gemeinsam mit der alten Stammbesatzung Sergej Krikaljow und John Phillips am 11.Oktober 2005 zur Erde zurück. Das Raumschiff Sojus TMA-6 landete um 7.09 Uhr Ortszeit 58 km nordöstlich von Arkalyk in Kasachstan im vorgesehenen Zielgebiet. Die Bergungsgruppe war sofort zur Stelle und bereits Mittag kehrte das Trio nach Moskau zurück.

Überraschend wurde zwei Tage später auf einer Pressekonferenz der Kosmonauten bekannt, dass es Probleme gegeben hatte. Kommandant Krikaljow sagte, dass es "bestimmte Probleme mit der Druckbeaufschlagung des Schiffes vor der Abkopplung" gegeben habe. Während des Abstiegs traten "Probleme mit der Dichtheit des Schiffes auf". Krikaljow schätzte die Anomalie als "mittelschwer" ein.

"Es war eine ernste Situation.", gab er zu. Noch fehlen Kommentare des Herstellers Energija zu diesen Bemerkungen. Es sei aber angemerkt, dass selbst im Falle einer Enthermetisierung das Leben der Kosmonauten nicht gefährdet war. Bei Start, Kopplung und Landung werden Raumanzüge getragen, die sofort im Falle eines Lecks geschlossen werden.

Einige Tage später erhielt die NASA, die diesen Vorfall sehr ernst nimmt, detaillierte, allerdings inoffizielle,  Informationen. Demnach hatte die Mannschaft von Sojus TMA-6 sehr wenig Zeit, ihr Schiff zu beladen. Nur eine Stunde vor der Abkopplung mussten biologische Proben aus einem Kühlschrank in eine Thermobox der Landekapsel verladen werden. Die kurze Zeit war erforderlich, um die Kühlkette nicht zu unterbrechen. Die Kapsel verfügt aus Platz- und Energiegründen nicht über einen Kühlschrank. Eigentlich sollten die Proben mit dem Shuttle zur Erde zurückgebracht werden. Die erneute Unterbrechung aller Shuttle-Flüge machte aber die Nutzung von Sojus erforderlich. In der Eile verblieb wahrscheinlich ein Befestigungsband der Thermobox im Lukenrand. Als die Luke geschlossen wurde, bemerkten Besatzung und Kontrollzentrum Koroljow trotz eines Dichtheitstest den Fehler nicht. Schlimmer noch: das Kontrollzentrum stellte ungewöhnliche Parameter fest, ignorierte sie aber und gab die Erlaubnis zur Abkopplung. Als nach dem Ablegen der Druck in der Orbitalsektion wie üblich gesenkt wurde, fiel gleichzeitig der Druck in der Kapsel von 780 mm auf 680 mm Hg. Damit war klar, dass es ein Leck gab. Die Mannschaft erhielt den Befehl, den Druck durch Öffnen der Notsauerstoffreserve auszugleichen. Da der autonome Flug von Sojus TMA-6 nur drei Stunden dauerte, mussten auch nicht die Sokol-Anzüge geschlossen werden. Als die Orbitalsektion nach der Bremszündung abgesprengt wurde, hörte der Druckabfall sofort auf. Das wurde damit erklärt, dass durch die höhere Druckdifferenz zum Vakuum des Weltraums die Dichtungsmanschette enger in den Lukenrand gepresst wurde und somit völlige Dichtheit erreicht wurde. Nach der Landung fand die Bergungsmannschaft Hinweise auf einen Fremdkörper im Bereich der Dichtung.

Nach der Landung fühlte sich Phillips schlecht und musste sich mehrfach übergeben. Erst 2-3 Tage später kehrte allmählich sein altes Befinden zurück. Im Gegensatz zu Krikaljow benutzt Phillips nicht die spezielle russische Ausrüstung zur Vorbereitung an die Wiederkehr der Erdgravitation. Insbesondere die Unterdruckhose Tschibis hat sich bewährt. Andere amerikanische Astronauten wie Foale und Fincke haben dem russischen Gerät vertraut und hatten keine Adaptationsprobleme. Die Benutzung der russischen Medizintechnik ist NASA-Astronauten freigestellt.

Olsen konnte ein Experiment mit einer Infrarotkamera aus seiner Firma nicht ausführen. Dennoch äußerte er sich begeistert über seinen Raumflug.

Mission Cryosat fehlgeschlagen

Am 8.Oktober 2005 startete  von Platz 133 auf dem nordrussischen Kosmodrom Plessezk eine Trägerrakete des Typs Rockot im Auftrag des deutsch-russischen Unternehmens Eurockot mit dem ESA-Forschungssatelliten Cryosat an Bord. Der Start misslang.

Wegen eines Programmfehlers gab das Lenksystem (Hersteller: Chartron, Charkow, Ukraine) der Oberstufe Bris KM Nr.72508 keinen Befehl zur Abschaltung des Triebwerks der zweiten Stufe  zum geplanten Zeitpunkt . Die zweite Stufe brannte bis zum völligen Verbrauch ihres Treibstoffvorrates. Ohne den Trennbefehl wurde die dritte Stufe, Bris KM Nr.72508, erst gar nicht gezündet und stürzte gemeinsam mit Cryosat nördlich von Grönland unweit des Nordpols in das Meer. Es handelt sich dabei um die normale Aufschlagzone der zweiten Stufe bei Flügen der Rockot in sonnensynchrone Orbits. Menschenleben wurden durch die Trümmer nicht gefährdet.

Ein derartiger Fehler ist zum ersten Mal aufgetreten und traf daher alle Beteiligten völlig überraschend.

Die Startvorbereitungen für Cryosat verliefen ruhig und ohne Beanstandungen.  Der Start wurde pünktlich und planmäßig durch eine Mannschaft der Weltraumtruppen Russlands unter Beteiligung von Spezialisten der Herstellerfirma Chrunitschew durchgeführt. Erst zwei Monate zuvor hatte eine andere Rockot einwandfrei funktioniert.

Juri Bachwalow, Vizechef von Chrunitschew, hat sich bereits bei der ESA für den Fehlstart entschuldigt. Eine Untersuchungskommission unter Leitung von General Oleg Gromow, Vizechef der Weltraumstreitkräfte, wurde eingesetzt. Schon am 25.10.2005 wurde das vorübergehende Startverbot der Rockot aufgehoben, nachdem die Ursache eindeutig bestimmt worden war und kein Konstruktionsfehler festgestellt wurde. Zuvor hatte eine Militärrakete vom Typ UR-100NUTTCh, das Basismodell der Rockot, bei einem Testflug am 20.10.2005 einwandfrei funktioniert.

Der 135 Millionen Euro teure Cryosat war nicht versichert. Die ESA hofft dennoch, in 2-3 Jahren einen Ersatzsatelliten fertigzustellen. Dieser muß dann möglicherweise kostenlos von Eurockot befördert werden.

Cryosat war am 30.8.2005 mit einer Frachtmaschine vom Typ AN-125 aus München nach Archangelsk gebracht worden. Von dort fuhren der Satellit und 55 t Ausrüstung mit der Bahn nach Plessezk. 140.000 € kostete der Transport von Ottobrunn, Deutschland, nach Plessezk, Russland.

Cryosat wurde bei EADS Astrium gebaut. Der 4,7 m hohe und 700 kg schwere Satellit wurden im Rahmen des ESA-Programmes "Der Lebende Planet" gebaut und sollte in eine 720 km hohe Polarbahn befördert werden. Dort sollte er drei Jahre lang mit Hilfe von zwei Radarantennen die Dicke und Ausdehnung der Eisbedeckung an den Polkappen und auf den Meeren untersuchen.

Übersicht aller Rockot-Einsätze 1990 - 2005

Startdatum   Nutzlast         Rockot Nr.   Oberstufe                Bemerkungen
20.11.1990                                     1L        Bris K                     suborbitaler Testflug
20.12.1991                                     3L        Bris K                     suborbitaler Testflug
26.12.1994    Radio-ROSTO       4L        Bris K
16.05.2000    SimSat 1                         Bris KM Nr.72501    Commercial
                        SimSat 2                                                             Demonstration
                                                                                                       Flight (CDF)
17.03.2002   Tom (GRACE 1)               Bris KM Nr.72503?
                        Jerry (GRACE 2)
29.06.2002   Iridium SV97                    Bris KM Nr.72502
                        Iridium SV98
30.06.2003   GWM Monitor                  Bris KM Nr.72504     Multiple Orbit
                        MIMOSA, MOST,                                                  Mission (MOM)
                        Quakesat, CanX-1,
                        CubeSat XI-IV,
                        CUTE-I,AAU CubeSat,
                        DTUSat
30.10.2003   SERVIS-1                       Bris KM Nr.72506
26.08.2005   Monitor-E                        Bris KM Nr.72507
08.10.2005   Cryosat                           Bris KM Nr.72508     Fehlstart

IRDT-2R wird vermisst


Am 7.10.2005 startete um 10.30 Uhr aus einem Silo des getauchten Atom-U-Bootes  K-496 "Borisoglebsk"  in der Barentsee eine Rakete des Typs Wolna zur lang erwarteten Missionen Inflatable Reentry and Descent Technology 2R.

Die Wolna, die noch im Juni 2005 versagt hatte, funktionierte diesmal einwandfrei und setzte die 140 kg schwere Nutzlast IRDT-2R in 260 km Höhe ab. Der suborbitale Flug sah nach 30 Minuten die Landung im Zielgebiet "Kura" auf Kamtschatka vor. Die Trennung und der Wiedereintritt von IRDT-2R konnten telemetrisch bestätigt werden. Danach verloren sich alle Signale von dem Experiment. Eine dreitägige Suche im Zielgebiet mit Hubschraubern und Flugzeugen wurde ergebnislos abgebrochen.

Nach Plan sollte sich IRDT-2R nach der Trennung von der Wolna auf 2,3 m aufblasen und durch eine Hitzeschutzschicht vor dem Plasma der Atmosphäre geschützt werden. Beim Unterschreiten  der Schallgeschwindigkeit sollte eine Erweiterung des Kegels auf 3,8 m Durchmesser aufgeblasen werden, wodurch die Aufprallgeschwindigkeit auf 15-17 m/s reduziert werden sollte.

IRDT ist eine Entwicklung der russischen Firma Lawotschkin und des IKI  gemeinsam mit EADS und der ESA.

Es handelt sich um einen Spin-off  des Penetrators der russischen Marssonde Mars-96. Man hofft, durch die IRDT-Technologie sehr preisgünstig Lasten aus dem Orbit zurückführen zu können bzw. ein Rettungssystem für gestrandete Astronauten und bei Stürzen aus großen Höhen abzuleiten.

Die bisherige Geschichte der IRDT-Flüge war allerdings alles andere als erfolgreich.

Am 9.2.2000 wurden gleich zwei IRDT eingesetzt, von denen allerdings nur der Demonstrator der ESA schwer beschädigt geborgen werden konnte. Beim Flug IRDT-2 am 12.7.2002 versagte die Trägerrakete Wolna.

IRDT-2R sollte bereits im Juli 2005 starten, musste allerdings nach dem Fehlstart einer Wolna mit dem Solar Sail am 21.6.2005 abgesagt werden. Erst der erfolgreiche Start der baugleichen R-29R am 30.9.2005 machte den Weg für IRDT-2R frei.

Da nun erneut kein Ergebnis erzielt wurde, bleibt fraglich, ob diese Technologie von der ESA weiter finanziert wird. Für Lawotschkin setzt sich eine ganze Kette on Fehlschlägen fort. Lediglich ein wichtiges Produkt dieser Firma, die Oberstufe Fregat, hat sich als sehr zuverlässig erwiesen.

Internationale Satellitengruppe auf Kosmos 3M gestartet - Satelliten nur teilweise erfolgreich

Am 27.Oktober 2005 startete um 10.52 Uhr Ortszeit von der Rampe 1 des Platzes 132 auf dem nordrussischen Raumfahrtzentrum Plessezk die Trägerrakete Kosmos 3M Nr. 104 mit insgesamt neun Nutzlasten aus Russland, Europa und Asien an Bord. Nach einer halben Stunde wurden vier Satelliten in einer sonnensynchronen Bahn in 686 km Höhe ausgesetzt.

Hauptnutzlast war der russische Militärsatellit Moshajez 5 (80 kg). Er wurde von der Firma Poljot gemeinsam mit Studenten und Lehrkörper der Militärakademie Moshaisk gebaut und nutzt einen Grundkörper des Typs Strela-1M. An Bord von Moshajez 5 befinden sich strahlenresistente Schaltkreise. Er dient Laserkommunikationsversuchen und Amateurfunkern. Die geplante Funktionsdauer beträgt 14 Monate. Moshajez-5 trennte sich nicht von der Oberstufe S3M der Trägerrakete. Ursache war ein Softwarefehler. Damit ist der Satellit nicht nutzbar und muß als Totalverlust abgeschrieben werden.

Der englische Satellitenbauer SSTL aus Surrey lieferte zwei weitere Nutzlasten: Tsinghua 2 (auch Bejing 1 oder China DMC 4 genannt, 140 kg) und Topsat (108 kg). Beide basieren auf der Plattform MB-100 Improved Uosat. Tsinghua 2 ist der chinesische Beitrag zum Disaster Monitoring System (DMC). Von 2002 bis 2005 wurden insgesamt fünf Satelliten aus Algerien, Nigeria, der Türkei, Großbritannien und China mit drei Kosmos 3M in den Erdorbit befördert.

Der britische Topsat wurde vom Verteidigungsministerium und dem BNSC (British National Space Center) in Auftrag gegeben. Er dient der Erprobung eines kleinen und billigen hochauflösenden Erdbeobachtungssatelliten. Das maximale  Auflösungsvermögen der Bordkamera liegt im Bereich von 2,5 m.

Nach Angaben von SSTL konnten Tsinghua 2 und Topsat nach der Trennung von der Rakete erfolgreich in Betrieb genommen werden.

Das Education Department der ESA steuerte den Studentensatelliten SSETI Express (86 kg, Kasten 60 x 60 x 90 cm) bei. SSETI Express wurde von 15 Teams von zehn Universitäten aus neun europäischen Ländern im Rahmen der Student Space Exploration and Technology Initiative in nur 18 Monaten für 100.000 € gebaut. Zur Nutzlast (24 kg) gehören eine Kamera zur Erdbeobachtung und ein Transponder für Funkamateure. Der Satellit verfügt über eine Kaltgas-Lagesteuerung.

Drei Cubesat-Satelliten (je 1 kg, Würfel mit 10 cm Kantenlänge) sind an Bord, die 64 Minuten nach dem Start ausgesetzt wurden: Cubesat XI-V (Universität Tokio), UWE-1 (Bayerische Julius-Maximillians-Universität Würzburg), Ncube 2 (Norsk Romsenter, Norwegen) . Mit Cubesat XI-V und UWE-1 konnte eine Funkverbindung aufgebaut werden. Ncube-2 blieb stumm, aber die erfolgreiche Trennung von SSETI Express wurde bestätigt.

Nach 3 Tagen Flug stellte SSETI Express überraschend seine Funktion ein. Die Batterien des Satelliten wurden nicht geladen, so dass er schließlich ausfiel. Dennoch wird SSETI Express als Erfolg bezeichnet, weil es den beteiligten Studenten gelang, einen Satelliten zu bauen und immerhin eine der Hauptaufgaben- Aussetzen von drei Nanosatelliten- zu erfüllen. Die ESA betont, dass der Ausfall von SSETI Express nicht in Zusammenhang mit der Trägerrakete steht.

Für den Iran baute die Firma Poljot aus Omsk den ersten Erdsatelliten, Sinah 1 . Als Auftraggeber fungierte die Iranian Research Organisation for Science and Technology.

Über Größe und Funktion von Sinah 1 gibt es sehr widersprüchliche Angaben. Roskosmos gibt die Masse des Satelliten mit 20 kg an. Er soll Kommunikationsexperimenten dienen. Jonathan McDowell, Herausgeber des renommierten "Jonathan´s Space Report", schreibt, Sinah 1 sei 160 kg schwer und ein Prisma mit den Abmessungen 0,8x1,3x1,6 m. Er diene der Erdbeobachtung oder besser Fotoaufklärung als erster islamischer Fotospion im Erdorbit.  Ursprünglich wollte der Iran seinen ersten Satelliten mit einer eigenen Rakete starten, verzichtete dann aber auf Drängen der besorgten Europäer und nahm das Angebot der Russen an, den Satelliten zu bauen und zu starten.

Seit Jahren werfen die Amerikaner nicht ohne Berechtigung den Persern vor, eine nukleare Langstreckenrakete zu entwickeln und dabei auf russische Technologie zurückzugreifen. Die jüngsten Drohungen aus Teheran in Richtung Israel dürften die russisch-iranischen Zusammenarbeit bei Raketen- und Nukleartechnologie und in der Raumfahrt erneut in einem schlechten Licht erscheinen lassen. Ursprünglich sollte ein zweiter iranischer Satellit, Mesbah, mit Sinah 1 auf die Reise gehen.

Mesbah wird bei Carlo Gavazzi Space in Italien gebaut und dient Kommunikationsversuchen. Der Bau hat sich verzögert. Außerdem hat der Iran bei NPO PM in Russland den zivilen Kommunikationssatellit Zorah bestellt, der 2006 mit einer Proton gestartet werden soll.

Die deutsche Firma OHB, enger Partner von Poljot, lieferte die technische Nutzlast Rubin-5, die fest auf der Oberstufe S3M montiert ist. Wie bei zwei anderen Kosmos-Missionen 2002 und 2003 wurden  von Rubin-5 wichtige Parameter der Rakete (Beschleunigung, Vibration, Raumlage) gesammelt über per e-mail über das amerikanische Orbcomm-Satellitensystem an den Boden übertragen. Daneben wurden Fotos von der Trennung der Satelliten gemacht, ein Detektor zur Messung von Mikrometeoriten und andere Kleinteile im Orbit der Rakete eingesetzt und mit Hilfe einer Nutzlast der DLR (GPS-Empfänger, Magnetometer) die Lage der Raketenstufe S3M im Orbit bestimmt.

Rubin ist ein wichtiger Bestandteil aller Kosmos-Missionen unter Beteiligung von OHB, weil das Telemetrienetz des russischen Militärs nur einen Teil der Aufstiegsbahn der Rakete beobachten kann. Läuft dann etwas schief, kann auf die Ursache nur spekuliert werden. Rubin bietet eine lückenlose und preiswerte Überwachung der Flugbahn unter Einsatz moderner Technologie.

Der Start dieser Sammelmission war bereits im Mai 2005 vorgesehen und verzögerte sich mehrfach wegen Nichteinsatzbereitschaft verschiedener Nutzlasten. Schließlich stand der 30.9. als Starttermin fest, als sich herausstellte, dass Poljot die Erprobung von Sinah 1 noch nicht abgeschlossen hatte. Daraufhin musste der Start noch einmal um vier Wochen verschoben werden. Am 19.10. traf Sinah 1 als letzte Nutzlast in Plessezk ein.

Die Rakete Kosmos 3M Nr. 104 wurde bei Poljot in Omsk aus vorhandenen Ersatzteilbeständen als Einzelstück zusammengesetzt. Von 1999-2003 wurden bereits drei andere Kosmos 3M nach diesem Verfahren montiert und erfolgreich gestartet. Das Militär verfügt noch über rund ein Dutzend Raketen aus Lagerbeständen. Die Serienproduktion der Kosmos 3M wurde 1994 eingestellt. Es sind aber noch alle Produktionsanlagen vorhanden, so dass bei ausreichender Auftragslage die Produktion in der modernisierten Variante Kosmos 3MU wieder aufgenommen werden kann.

Die erste Stufe der Kosmos 3M wurde nach 2 min 12 s über der Barentsee abgeworfen. 14 Sekunden später folgte die Nutzlastverkleidung, die ebenfalls in die Barentsee fiel. 7 min 38 s wurde die zweite Stufe abgeschaltet. In der nun folgenden halben Stunde stieg die zweite Stufe S3M gemeinsam mit der Nutzlast bis auf das Apogäum der ballistischen Flugbahn auf.34 min 14 s zündete das Haupttriebwerk erneut für 13 s , wodurch die geplante Kreisbahn erreicht wurde. Im Abstand von einer Sekunde wurden die einzelnen Satelliten vom Adapter der Stufe abgetrennt.

Erfolgreicher Start einer UR-100NUTTCh

Eine Interkontinentalrakete des Typs UR-100NUTTCh startete am 20.10.2005 um 13.30 Uhr Ortszeit aus einem Silo auf Platz 175 des Versuchsgeländes Baikonur in Kasachstan. Nach einer halben Stunde Flug erreichte der Gefechtskopf wie geplant das Zielgebiet Kura auf Kamtschatka, Russland.

Die Rakete war 25 Jahre alt.

Der Start bestätigte die Einsatzbereitschaft dieses wichtigen Militärraketentyps. Nur zwei Wochen zuvor war eine Rockot, deren erste beiden Stufen mit der UR-100NUTTCh baugleich sind, mit dem ESA-Satelliten Cryosat an Bord abgestürzt. Beide Raketen verfügen allerdings über unterschiedliche Lenksysteme und eine andere Oberstufe/Kopfteil.

Ein- bis zweimal im Jahr wird eine UR-100NUTTCh zu Übungszwecken und Überprüfung der Einsatzbereitschaft in Baikonur gestartet. Aber auch Einsätze der Trägerraketen Rockot und Strela, die beide auf demselben Typen basieren, dienen der Aufrechterhaltung der Einsatzbereitschaft der Militärrakete. Im Rahmen einer Militärreform sollen ab 2008 alle Starts ballistischer Militärraketen in Baikonur eingestellt und die Achte Verwaltung, die diese Flüge absichert, aufgelöst werden. Möglicherweise wird Plessezk diese Funktion übernehmen. Die Zukunft von Swobodnij ist angesichts der mangelnden Finanzierung und Nachfrage der Strela sehr ungewiß.

Auch die Starts der Dnepr werden aus Baikonur zur Basis Jasnij (auch bekannt als Dombarowskij) bei Orenburg verlegt. Gegenwärtig laufen dort unter der Leitung der Moskauer Firma Ipromaschprom Arbeiten zur Sanierung eines Hotels für ausländische Gäste und Einrichtung einer Montagehalle für Satelliten. Bereits 2006 soll die erste Dnepr in Jasnij starten. Als Aufschlagzone für die erste Stufe wurde eine Fläche im Gebiet Tjumen reserviert. Jasnij bietet den Vorteil, in Russland zu liegen. Damit entfallen aufwendige Exportbestimmungen für Kasachstan. Allerdings ist unklar, ob von dort auch der so wichtige polare Orbit angeflogen werden kann.

Probleme mit Monitor-E

Der erst im August 2005 gestartete opto-elektronische Erdbeobachtungssatellit Monitor-E konnte bis heute nicht in Betrieb genommen werden. Ende Oktober fiel die Lagestabilisierung des Satelliten aus.

Der Betreiber des Satelliten, Chrunitschew, konnte zwar die Verbindung zu Monitor-E aufrechterhalten, aber unter diesen Umständen ist an einen sinnvollen Einsatz nicht zu denken.

Für Chrunitschew sind die Probleme mit Monitor-E ein schwerer Rückschlag: es handelt sich um das erste Exemplar der Satellitenplattform Jachta. Bereits im Dezember 2005 soll mit KazSat das zweite Exemplar folgen. Sollten die Probleme bis dahin nicht geklärt sein, muss der Start von KazSat verschoben werden. In diesem Fall sind Konventionalstrafen fällig, da Russland sich per Staatsvertrag zum pünktlichen Start des ersten kasachischen Nachrichtensatelliten verpflichtet hat. Die Schwierigkeiten mit Monitor-E dürften allerdings die Auftragschancen für die Jachta-Plattform schmälern. Besonders enttäuscht ist Roskosmos, hat doch die russische Raumfahrtbehörde den Bau des Satelliten finanziert. Monitor-E ist derzeit der einzige russische Erdbeobachtungssatellit. Erst 2006 werden weitere Satelliten der Konkurrenzfirmen Samara Space Center und Lawotschkin folgen.

Planetary Society kritisiert Makejew und die russische Marine

Der Fehlstart einer Wolna am 21.Juni 2005 hat zum Absturz der lange vorbereiteten privaten Raumfahrtmission Solar Sail geführt. Lange wurde über die Ursachen des Fehlstarts und den Verlauf der Mission diskutiert. Die Planetary Society, der Auftraggeber der Mission, glaubt zunächst, dass Solar Sail eine niedrige, instabile Bahn erreicht hätte. Nun stellte sich heraus, dass alle empfangenen Telemetriedaten falsch interpretiert wurden. Solar Sail fiel bereits nach 6 Minuten aus 80 km Höhe in das Wasser der Barentsee.

Ursache war ein Triebwerksfehler der 1.Stufe. Die Turbopumpe des Haupttriebwerkes hatte eine technischen Defekt, wodurch das Triebwerk bereits nach 83 Sekunden abgeschaltet wurde. Die Steuerdüsen der ersten Stufe arbeiteten weitere 50 Sekunden. Allerdings wurde infolge der Havarieabschaltung der ersten Stufe die Rakete nicht getrennt und flog in geschlossener Konfiguration unter dem Regime "Flugabbruch" weiter. Sie fiel in diesem Zustand auch ins Meer.

Russische Rakete werden üblicherweise im Falle eines Fehlstarts nicht gesprengt, sondern verbleiben in einem Stück und stürzen einfach ab.

Das Pikante an dem Fehlstart ist, dass der Fehler der Turbopumpe dem Hersteller der Rakete, Makejew, bekannt ist. Er ist schon öfters aufgetreten und wird als eine mögliche Fehlerquelle betrachtet. Einige R-29R-Raketen (das militärische Grundmuster der Wolna) wurden mit verbesserten Turbopumpen ausgestattet, aber nicht alle. Für die Solar Sail-Mission wählte die russische Marine eine "alte" Wolna mit dem bekannten Mangel in der Turbopumpe.

Angesichts dieses Mangels an Problembewusstsein und der bewussten Wahl einer potentiell fehlerbehafteten Rakete wird die Planetary Society in Zukunft auf die Dienstleistungen von Makejew und der russischen Marine verzichten. Nun sucht man ein alternatives Trägerfahrzeug.

Betont wurde von Louis Friedman, dem Chef der Planetary Society, die gute Zusammenarbeit mit Lawotschkin und dem Institut für Kosmosforschung beim Bau des Sonnensegels. Auch das Ersatzexemplar wird in Russland gebaut. Allerdings müssen noch Sponsoren gefunden werden, um den Bau und Start einer Ersatzmission zu finanzieren.


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Russische Raumfahrt-42 (September 2005)

Kosmos 2415 gestartet

Am 2.September 2005 startete um 15.50 Uhr Ortszeit von der Rampe PU-6 auf Platz 31 im kasachischen Raumfahrtzentrum Baikonur eine Trägerrakete des Typs Sojus-U mit dem Militärsatelliten Kosmos 2415 an Bord. Nach 8 Minuten erreichte der Raumflugkörper eine erdnahe Umlaufbahn.

Nach Analyse der Bahndaten wurde Kosmos 2415 als kartographischer Fotoaufklärungssatellit des Typs 11F660 Kometa eingeordnet. Auftraggeber ist die Hauptverwaltung Aufklärung beim Generalstab der russischen Streitkräfte.

Die Arbeiten an einem topographischen Satelliten begannen bereits 1968 in Samara. Allerdings wurde das Programm Jantar-1KF bereits 1971 abgebrochen. Ein Jahr später begannen erneut Arbeiten, diesmal unter dem Namen Jantar-1KFT. Der Satellit sollte eine sehr leistungsfähige Fotoapparatur mit dem Namen Schemtschug-104 tragen. Die Entwicklung von Schemtschug-104 zog sich hin und wurde schließlich wegen technischer Schwierigkeiten eingestellt. 1978 wurde der Beschluß gefasst, Jantar-1KFT mit einer weniger leistungsfähigen Kamera auszustatten. Das Projekt erhielt den Codenamen SILUET. 1980 wurde der Prototyp des Satelliten im Zentralen Spezialisierten Konstruktionsbüro(ZSKB) in Samara fertiggestellt. Am 18.2.1981 startete der erste Satellit unter der Bezeichnung Kosmos 1246. 1987 erhielt die Serie nach der siebenten Mission (Kosmos 1865) den Namen KOMETA und wurde in die Bewaffnung der Sowjetarmee übernommen. Einschließlich Kosmos 2415 wurden von 1981 bis 2005 21 Kometa-Satelliten gestartet. Davon konnten drei ihre Mission nicht erfolgreich erfüllen: Kometa Nr.18 ging beim Start am 15.Mai 1996 verloren, weil die Nutzlastverkleidung der Trägerrakete Sojus-U versagte. Kosmos 2243 geriet beim Start am 27.April 1993 außer Kontrolle und verglühte bereits nach 9 Tagen (normalerweise fliegen Kometa 45 Tage). Bei Kosmos 2284 (Start am 29.7.1994) versagte der Fallschirm und die Kapsel schlug hart auf dem Boden auf.

Kometa ist eine Hybride aus der Landekapsel des Wostok-Raumschiffes, die breite Anwendung bei Fotoaufklärungssatelliten fand, und dem Geräteteil des Jantar-Satelliten. Die Nutzlast besteht aus der topographischen Kamera Jachont-1 (TK-350) mit 10 m Auflösung, der Panoramakamera Topas (KWR-1000) mit 2 m Auflösung, zwei Sternenkameras und einem Laserhöhenmesser. Die Kameras werden in Krasnogorsk gebaut.

Ein Teil der Kometa-Fotos wird auch kommerziell über die Firma Sowinformsputnik angeboten.

Der Satellit wurde in Baikonur in der Montagehalle MIK-2B auf den Start vorbereitet. Die Rakete wurde im MIK-40 montiert. Am 1.9. erfolgte die Überführung aus der Montagehalle zur Rampe PU-6.

Progress M-54 gestartet

Am 8.September 2005 startete um 19.07 Uhr Ortszeit von der Rampe PU-5 auf Platz 1 in Baikonur die Trägerrakete Sojus-U Nr. Sh15000-095 mit dem Versorgungsraumschiff Progress M-54 (Prod.Nr. 354) in der Spitze. Es war der dritte Versorgungsflug der Russen in diesem Jahr zur Internationalen Raumstation. Nachdem der Shuttle erneut für mindestens 9 Monate am Boden bleiben muß und der europäische ATV erst 2006 fliegen wird, liegt die Last der Versorgung der Raumstation wieder bei den Progress-Schiffen.

Der Aufstieg des Schiffes und alle weiteren Operationen bis zur Kopplung an das Swesda-Modul der Station am 10.9.2005 liefen nach der üblichen Routine ohne erwähnenswerte Abweichungen. Das Vorgängerschiff Progress M-53 löste sich am 7.9. von der ISS und verglühte noch am gleichen Tag über dem Südpazifik.

Progress M-54 war am 6.9. auf die Rampe PU-5 gebracht worden. Damit standen wieder einmal eine Proton und eine Sojus gleichzeitig auf ihren Startplätzen in Baikonur. Die beiden Abschüsse erfolgten wie geplant im Abstand von 9 Stunden.

Anik F1R gestartet

Am 9.September 2005 startete nachts um 3.53 Uhr Ortszeit von der Rampe PU-39 (Platz 200) in Baikonur die Trägerrakete Proton-M Nr.53512 mit der Oberstufe Bris-M Nr. 88513 und dem kanadischen Nachrichtensatelliten Anik-F1R an Bord im Auftrag von International Launch Services (ILS, USA/Russland). Nach fünf Zündungen der Bris-M und neun Stunden Flug wurde der Satellit wie geplant auf einer geostationären Transferbahn 3171-35608 km bei 10° Bahnneigung ausgesetzt. Der Aufstieg entsprach dem vorangegangener komerzieller Missionen der Proton-M. Die 1. und 2.Stufe gingen über den Aufschlagzonen Nr.25 und 310 nieder. Weitere Aufschlaggebiete wurden nicht benötigt.

Ursprünglich sollte Anik F1R bereits im August 2005 starten. Der Satellit kam am 10.Juli 2005 mit einer AN-124 in Baikonur an. Am 5.9. wurde wurde die vollständig montierte Rakete auf die Rampe PU-39 gebracht. Die Startvorbereitungen verliegen planmäßig.

Anik F1R wurde im Auftrag von Telesat Kanada bei EADS Astrium gebaut. Es handelt sich um die Plattform Eurostar E3000S. Der 4,5 t schwere Satellit trägt C- und Ku-Band-Transponder und übertragt Fernsehen, Telefon und Internet. Er wird bei 107,3° West im geostationären Orbit positioniert.

Wird Swobodnij geschlossen ?

Swobodnij, das jüngste russische Kosmodrom, steht möglicherweise vor dem Aus. Anfang September 2005 mehrten sich Gerüchte, die die bevorstehende Schließung der Basis vorhersagen. Tatsächlich wurden 100 Beschäftigte bereits entlassen und bis zum Jahresende 2005 sollen weitere 200 folgen.

Große Sorgen machen sich die Bewohner der benachbarten Garnisonsstadt Uglegorsk (7000 Einwohner). Die Stadt erhielt in den letzten Jahren staatliche Mittel aus dem Raumfahrtbudget. Es wurde eine neue Schule gebaut, eine neue Abteilung des Krankenhaus errichtet und mit dem Bau einer neuen Sportanlage begonnen. Nun befürchten die Bewohner, dass Uglegorsk seinen Sonderstatus als geschlossene Stadt verlieren wird und die Soldaten der Militärbasis Swobodnij versetzt werden.

Swobodnij wurde in den 1990er Jahren als Alternative zu Baikonur gegründet. Von 1997-2001 starteten vier Satelliten mit der mobilen Trägerrakete Start-1. Ab 2002 sollte die Strela aus Raketensilos in Swobodnij starten. Es gab allerdings erhebliche ökologische Bedenken gegen den Einsatz dieser Rakete. Außerdem war die staatliche Finanzierung der Baumaßnahmen unzureichend.

2006 soll eine weitere Start-1 in Swobodnij starten. Weitere Missionen sind derzeit nicht geplant.

Warum Amerika keine russischen Raumschiffe kauft

Seit dem Absturz der Raumfähre Columbia fliegen neue Besatzungen ausschließlich mit Sojus-Raumschiffen zur Internationalen Raumstation. Gemäß der Verträge dürfen die NASA-Astronauten das russische Schiff kostenlos benutzen. Die letzte Mission dieser Art ist Sojus TMA-7. Danach ist Russland nicht mehr verpflichtet, Amerikaner mitzunehmen. Ursprünglich wollte die NASA bis 2006 ein eigenes Rettungsboot fertighaben. Aber die Arbeiten wurden eingestellt und statt dessen die Entwicklung des Shuttle-Nachfolgers CEV aufgenommen. Russland will sich in Zukunft die Sojus-Schiffe bezahlen lassen, aber die NASA lehnte bislang ab und beruft sich dabei auf ein Gesetz aus dem Jahr 2000 - den "Iran Nonproliferation Act" (INA).

INA wurde vom Kongress verabschiedet, um den Iran vom Erwerb von Technologien für den Bau von Massenvernichtungswaffen ,zugehöriger Trägermittel und moderner konventioneller Waffen abzuhalten. Seit den 1990er Jahren hatten russische Rüstungsfirmen und Forschungsinstitute Teheran Wissen und Fachleute zum Bau von Raketen und Atomanlagen gegen harte Dollar zur Verfügung gestellt.

Abschnitt 6 des INA verbietet es amerikanischen Regierungsbehörden ausdrücklich, Geld an Russland für Leistungen bezüglich der Internationalen Raumstation zu zahlen, bis der amerikanische Präsident feststellt, dass Russland seine Aktivitäten für die iranische Rüstungsindustrie eingestellt hat.

Das hat Bush bis heute nicht getan und so ist seit 2003 kein einziger Cent nach Russland geflossen, obwohl Progress-Schiffe amerikanische Ausrüstungen zur ISS transportiert haben und regelmäßig amerikanische Astronauten zur Station hin und zur Erde zurückgebracht worden - ohne Zwischenfälle und mit bemerkenswerter Pünktlichkeit.

Nun muß die amerikanische Regierung handeln, denn sonst fliegen ab April 2006 nur noch Russen und zahlende Passagiere zur ISS. Derzeit wird ein Gesetzentwurf im Kongress vorbereitet, der es der NASA erlaubt, Leistungen beim russischen Partner Roskosmos ab 2006 zu kaufen. Dieses Gesetz muß bis Jahresende 2005 verabschiedet werden, damit der Betrieb der Station reibungslos weitergehen kann.

Für Roskosmos und insbesondere den Raumschiffproduzenten Energija wäre das Geld aus Amerika eine willkommene Hilfe. Energija hat schon angekündigt, einen Pool von Sojus-Schiffen zu bauen, um die Station evakuieren zu können, falls ein angekoppelter Shuttle nicht mehr zur Erde zurückfliegen kann. In der Sowjetunion stand immer ein zweites Schiff für den Notfall bereit. Außerdem könnte man ab 2008/2009 vier Sojus pro Jahr starten und damit die Besatzungstärke auf 6 Personen erhöhen. Dann könnten auch endlich die Europäer bei den Stammbesatzungen zum Zuge kommen.

Die Chancen für ein schnelles Ende des unglücklichen Iran Nonproliferation Act stehen somit gut. Es bleibt allerdings das schale Gefühl, dass die NASA sich bewusst um Zahlungen an den russischen Partner gedrückt hat.

U-Boot-Raketen getestet

Der Fehlstart einer Wolna mit dem Solar Sail am 21.Juni 2005 hat der Reputation der russischen Marineraketen einen schweren Schaden zugefügt. Nun kann die Flotte zwei wichtige Erfolge vermelden.

Am 27.9.2005 startete aus dem im Weißen Meer kreuzenden Atom-U-Boot TK-208 "Dimitrij Donskoi", dem letzten noch verbliebenen Riesenboot des Typs 941 (Taifun), um 17.22 Uhr Ortszeit erstmals die neue U-Boot-Rakete Bulawa. Sie erreichte das Zielgebiet Kura auf Kamtschatka.

Der Erstflug der Bulawa ist ein wichtiger Schritt zur Modernisierung der russischen Nuklear-Marinestreitkräfte. Die Bulawa basiert auf der landgestützten Interkontinentalrakete Topol-M. Sie wird vom Moskauer Institut für Wärmetechnik, dem Konstrukteur der Topol-M, und Makejew, bisheriger Monopolist für U-Boot-Raketen, gemeinsam entwickelt. Die Feststoffrakete ist nur halb so schwer wie der Vorläufer R-39M, die jüngst außer Dienst gestellt wurde. Gegenwärtig werden zwei neue Atom-U-Boote in Seweromorsk gebaut, die mit Bulawa ausgerüstet werden sollen. Die "Dimitrij Donskoi" ist nur ein Erprobungsträger für die neue Waffe. Die Erprobung der Bulawa begann bereits im September 2004 mit einem Auswurfversuch aus dem getauchten Boot.

Am 30.9.2005 wurde um 12.22 Uhr Ortszeit erfolgreich eine R-29R aus dem U-Boot K-433 "Georgi Pobedonosez" (Typ 667BDR) gestartet. Die zur Pazifikflotte gehörende K-433 tauchte im Ochotskischen Meer. Die Gefechtsköpfe der R-29R schlugen in einem Militärgelände auf der Halbinsel Kanina ein.

Die R-29R ist baugleich mit der Wolna. Damit ist der Weg für weitere Weltraumeinsätze der Wolna frei. In diesem Herbst soll der Testflugkörper IRDT-2R fliegen. Dazu kommen zwei Missionen der Schtil (zivile Variante der R-29RM) mit Kompass-Forschungssatelliten.

Die R-29R soll demnächst wegen Überalterung zusammen mit den Booten des Typs 667BDR außer Dienst gestellt werden, während die R-29RM in der modernisierten Sinjewa-Version zusammen mit den Trägerbooten des Typs 667BDRM auch in den nächsten Jahren in der Nord- und Pazifikflotte verbleiben wird, bis Bulawa einsatzbereit ist.


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Russische Raumfahrt-40 (Juli 2005)


Ursachen für Fehlstarts geklärt

Die beiden Fehlstarts russischer Raketen am 21.Juni 2004 sind aufgeklärt. Zunächst war eine in Plessezk gestartete vierstufige Molnija-M mit einem militärischen Nachrichtensatelliten Molnija-3K an Bord über Sibirien abgestürzt.

Es stellte sich heraus, dass in einer der vier Brennkammern des Triebwerkes RD-108 (Modell 11D511) der Zentralstufe Block-A (als zweite Stufe bezeichnet, weil sie nach Abwurf der vier Außenblöcke/Booster weiterbrennt) starke Vibrationen auftraten. Diese Vibrationen führten zu einem Leck, aus dem Kerosin austrat. Dadurch wurde der Treibstoff von Block-A schneller verbraucht als geplant. Das Lenksystem reagierte auf die vorzeitige Tankentleerung durch einen Befehl zur Abschaltung sämtlicher Triebwerke 298 Sekunden nach dem Abheben der Rakete. Das ist die normale Havarieprozedur im Falle einer solchen Abweichung von der Norm.

Alle Indizien weisen darauf hin, dass es sich um einen Produktionsfehler im Verantwortungsbereich der Herstellungsfirma Samara Space Center handelt. Der Auftraggeber der Mission, die Weltraumtruppen Russlands, prüfen nun, das Samara Space Center zu verklagen. Der Start selbst war nicht versichert, nur für den Fall der Schädigung dritter Personen hatte man eine Versicherung in Höhe von 190 Millionen Dollar abgeschlossen. Die Streitkräfte können also eine Ersatzmission nicht aus der Versicherungssumme finanzieren, wie es sonst bei kommerziellen Flügen üblich ist. Man hofft nun auf einen Kompromiss zwischen Samara und den Weltraumtruppen, der es ermöglicht, einen neuen Molnija-3K-Satelliten zu starten, ohne das der Raketenhersteller finanziell durch Schadensersatzforderungen ruiniert wird.

Zunächst wurden alle weiteren Flüge der Molnija-M ausgesetzt. Man rechnet allerdings bereits im Oktober 2005 mit dem nächsten Start einer Molnija-M. Nicht betroffen sind die Semjorka-Versionen Sojus-U und Sojus-FG. Da die Molnija-M ohnehin ein Auslaufmodell ist und durch die Sojus-FG/Fregat ersetzt wird, halten sich die Auswirkungen auf den Einsatz der Semjorka-Familie in Grenzen.

Ernster sind die Auswirkungen des Fehlstarts einer Wolna mit dem Sonnensegel Cosmos-1 am gleichen Tag. Der Auftraggeber der Mission, die amerikanische Planetary Society, hat schwere Vorwürfe gegen die russische Marine als Startdienstleister und den Hersteller der Rakete, die Firma Makejew aus Miass im Ural, erhoben. Louis Friedman, der Projektmanager von Cosmos-1, bemängelte öffentlich eine fehlende Kommunikation und Koordination zwischen den Erbauern des Sonnensegels und dem Startdienstleister. Die Teams der Planetary Society, der Firma Lawotschkin und des Instituts für Kosmosforschung (IKI Moskau) konnten zwar den Abschuß aus einem aufgetauchten Atom-U-Boot von einem Überwasserschiff aus beobachten, hatten aber keinen direkten Zugriff auf Telemetrie und Ablauf des Aufstieges, wie es bei kommerziellen Raketenstarts üblich ist.

Die offizielle Untersuchungskommission für den Vorfall wurde von Roskosmos, Makejew und Lawotschkin gebildet. Die Planetary Society durfte an den Untersuchungen nicht teilnehmen, weil die Wolna eine konvertierte Militärrakete ist und damit unter internationale Rüstungskontrollbestimmungen fällt. Daher wurde bei den Untersuchungen auch nicht berücksichtigt, dass die Planetary Society Telemetriedaten von ihrer Sonde empfangen haben will, die auf das Erreichen des Orbits, wenngleich sehr niedrig und instabil, hinweisen. Die Untersuchungskommission geht davon aus, dass 82,86 Sekunden nach dem Start das Triebwerk der ersten Stufe durch ein Problem in der Turbopumpe abgeschaltet wurde. Geplant war eine Brenndauer von 100 Sekunden. Durch die vorzeitige Abschaltung fiel die gesamte Rakete einige hundert Kilometer östlich des Abschussgebietes nördlich von Murmansk in das Meer. Trümmer konnten nicht gefunden werden.

Es wird vermutet, dass die Wolna aufgrund ihres Alters versagte. Zwar werden in Russland häufig Raketen aus Lagerbeständen gestartet, aber die Raketentruppen und die Weltraumtruppen achten auf eine sehr sorgfältige Durchsicht und den Austausch zweifelhafter Aggregate mit abgelaufenen Garantiefristen. In der russischen Marine scheint es dagegen große Schwierigkeiten zu geben, die alten Raketen einsatzbereit zu halten. Dafür könnten konstruktive Besonderheiten von U-Boot-Raketen, aber auch die chronische Unterfinanzierung der Marine verantwortlich sein. Erst im letzten Jahr gab es Fehlstarts von U-Boot-Raketen, die konstruktiv der Wolna sehr ähnlich sind und ebenfalls bei Makejew entwickelt worden. Die Wolna selbst hat bei drei kommerziellen Einsätzen 2001-2005 dreimal versagt. Damit dürfte Makejew endgültig aus dem Kreis der Raketenanbieter ausscheiden.

Die Planetary Society hat schon angekündigt, bei einem weiteren Start eines Sonnensegels auf einen anderen Anbieter zurückgreifen. Man denkt an die Kosmos-3M, Dnepr, Rockot oder Ariane-5. Geplant war es eigentlich, zwei Wochen nach Cosmos-1 eine weitere Wolna mit dem Wiedereintrittsexperiment IRDT-2 zu starten. Es ist unklar, ob Lawotschkin und EADS nun ihre Mission dieser unsicheren Rakete anvertrauen.

Raumfahrtprogramm 2006-2015 durch Regierung bestätigt

Am 14.Juli 2005 wurde der Entwurf des Raumfahrtprogramms 2006 bis 2015 unter Anwesenheit von Roskosmos-Chef Perminow in der russischen Regierung diskutiert. Der Entwurf von Roskosmos sieht vor, bis 2015 306 Milliarden Rubel für die zivile Raumfahrt aufzuwenden. Das Budget der Weltraumtruppen soll die gleiche Höhe haben. Für 2006 fordert Roskosmos 23 Milliarden Rubel aus der Staatskasse. Das würde eine Ausgabensteigerung um 25 Prozent gegenüber 2005 bedeuten. Wichtige Regierungsmitglieder, wie der Minister für wirtschaftliche Entwicklung und Handel, German Gref, haben dem Programm im wesentlichen zugestimmt. Allerdings gibt es noch Unstimmigkeiten, woher die Mittel zur Finanzierung kommen sollen.

Neben Navigation, Telekommunikation, Wetter- und Erdbeobachtung sind auch wieder wissenschaftliche Missionen in dem neuen Raumfahrtprogramm vorgesehen. Neben dem Astronomiesatelliten Radioastron (2007) soll 2009 die Sonde Fobos-Grunt zum Marsmond Phobos starten.

Das alte Raumfahrtprogramm 2001-2005 hat eine durchwachsene Bilanz. Auf der einen Seite gelang es, die Erprobung der Raketen Proton-M, Rockot, Strela und Sojus-2 voranzutreiben. Die neuen Oberstufen Fregat und Bris-M wurden erfolgreich genutzt. Eingeführt wurden auch die modernen Nachrichtensatelliten Express-AM und Jamal. Regelmäßig wurden Sojus- und Progress-Schiffe zur Internationalen Raumstation gestartet.

Auf der anderen Seite gab es Verzögerungen beim Wiederaufbau des GLONASS-Navigationssystems. Der Datenrelaissatellit Lutsch-2 wurde zwar gebaut, aber aus Kostengründen nicht gestartet und ins Museum gebracht. Der Wettersatellit Meteor-3M Nr.1 funktionierte nur ein Jahr. Ein zweites Exemplar wurde nicht gebaut. Der Bau des geostationären Wettersatelliten Elektro-2 und des Erderkundungssatelliten Resurs-DK verzögerte sich um Jahre. Eingestellt wurde außerdem der Bau der Astronomiesatelliten Spektr-RG, R und UF. Auf dem Papier blieben der Frühwarnsatellit für Erdbeben Vulkan und der kleine Erdbeobachtungssatellit Sistema. Der Flug des Biosatelliten Bion-12 wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. Der Ausbau der Internationalen Raumstation wurde auf die Module Swesda und Pirs begrenzt.

Schaumstoffprobleme auch bei Energija?

Die aktuellen Diskussionen um den Hitzeschild der Raumfähre Discovery und erneut abgefallene Schaumstoffteile vom Außentank lassen eine Blick auf das sowjetische Konkurrenzmuster Energija-Buran sinnvoll erscheinen. Wie sind die Russen mit diesem Problem umgegangen ?

Auch der Block-Z der Energija (das Äquivalent zum ET des Space Shuttle) wurde mit einer aufgesprühten Schaumisolation mit dem Namen "Ripor-2N" belegt. Eine 30 mm dicke Schicht wurde auf die Außenseite der Stufe "mechanisch" aufgebracht. Im Bereich der Treibstoffleitungen wurde der Schaum manuell aufgetragen.

Ob und wie auch am Block-Z Schaumstoffbruchstücke abbrachen, ist nie geklärt worden. Zum einen war die Tankisolation vor der Columbia-Katastrophe kein Thema für besondere Untersuchungen. Zum anderen werden russische Raketenstarts niemals so aufwendig dokumentiert wie das beim Space Shuttle der Fall ist. Digitale Bordkameras, die die Außenhaut beim Aufstieg filmen, gab es in den 1980er Jahren noch nicht. Beide Energija-Starts erfolgten ohnehin bei für visuelle Beobachtungen ungünstigen Bedingungen. Nr.6SL startete bei Nacht und Nr.1L unter sehr schlechten Wetterverhältnissen mit niedriger Wolkendecke und Nieselregen. Zwar wurden Energija-Buran nach dem Durchbrechen der Wolkendecke aus einem Flugzeug gefilmt, aber es ist zweifelhaft, ob die Bilder detailliert genug waren, um abbrechende Schaumstoffteile zu erkennen.

Als der Buran am 15.11.1988 aus dem Weltraum zurückkehrte, wies sein Hitzeschild beträchtliche Schäden auf. Diese wurden auf Eisbildung an der Außenhaut der Energija zurückgeführt. Am Starttag herrschte in Baikonur äußerst ungemütliches Wetter: es nieselte bei stürmischem Wind und tiefen Temperaturen. Die Folge: auf Block-Z der Energija bildete sich eine 1,7 mm dicke Eisschicht. Da die Eisschicht die maximal erlaubte Stärke von 2 mm nicht erreichte, gab die Staatliche Kommission die Erlaubnis zum Start. Rückwirkend gesehen, muß man sich schon wundern, warum bei derartig schlechtem Wetter das Risiko eines Starts und der Landung eines neuartigen Raumtransportsystems eingegangen wurde. Aber die Verantwortlichen standen unter erheblichem Erfolgsdruck und Wetter war noch nie ein Hinderungsgrund für den Abschuß einer russischen Rakete.

Offiziell gingen 7 Kacheln des Buran an einer Flügelvorderkante verloren. Dort gab es auch Schäden an der Grundstruktur des Geräts.

Fotos dieser Schäden kann man unter folgender Internetadresse finden:

http://www.buran.ru/htm/mtkkmain.htm

Quelle: eMail Bart Hendrickx, FPSpace, 31.7.2005


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Russische Raumfahrt-39 (Juni 2005)

Der 21. Juni 2005 wird als "Schwarzer Dienstag" in die Geschichte der russischen Raumfahrt eingehen. Gleich zwei Raketen gingen innerhalb von 19 Stunden verloren. Ein solches Ereignis gab es zuletzt vor 33 Jahren: am 26.Juni 1972 mißlangen in Plessezk der Start einer Kosmos-3M mit dem elektronischen Aufklärungssatelliten Zelina-O und in Vandenberg der Abschuß einer Titan-24B
(Nr.4) mit dem Fotoaufklärungssatelliten KH-8 Nr.39.

Progress M-43 gestartet

Am 17. Juni 2005 startete um 5.09 Uhr Ortszeit von der Rampe PU-5 des Gagarin-Startkomplexes in Baikonur, Kasachstan, das russische Versorgungsraumschiff Progress M-43 (11F615A55 Nr.353) mit der Rakete Sojus-U Nr.Sh15000-094. Der Start gelang einwandfrei und folgte dem üblichen Aufstiegsschema für Sojus und Progress. Zum Absturz ausgebrannter Raketenstufen und Trümmerteile wurden die Aufschlagzonen Nr. 16, 69, 306 und 309 genutzt.

Am 19. Juni legte das Versorgungsraumschiff am Heck des Moduls Swesda der Internationalen Raumstation an. Ursprünglich war wie üblich eine vollautomatische Kopplung geplant, aber am Ende musste der Kosmonaut Krikaljow mit dem TORU-Andocksystem eingreifen. Zu diesem Zeitpunkt war das Schiff 150 m von der Station entfernt. Eigentlich sollte die Station NIP-34 (Tschelkowo) die notwendigen Daten zum Transporter übertragen, aber durch einen überraschenden Stromausfall stand Tschelkowo nicht zur Verfügung und das Flugleitzentrum in Koroljow gab den Befehl zum manuellen ferngesteuerten Docking. Alles lief hervorragend, Krikaljow schaffte die Kopplung sogar drei Minuten vor der geplanten Zeit (4.41 Uhr statt 4.44 Uhr Ortszeit) .
Das 7261 kg schwere Schiff transportiert u.a. 40 Sauerstoff-Kerzen, Druckbehälter mit Sauerstoff und frisches Wasser.

Molnija-M abgestürzt

Am 21.Juni 2005 startete um 4.49 Uhr Ortszeit von der Rampe PU-2 auf Platz 16 des nordrussischen Kosmodroms Baikonur eine Trägerrakete des Typs Molnija-M. Als Nutzlast trug sie einen militärischen Kommunikationssatelliten des Typs Molnija-3K. Er sollte eine lang gestreckte elliptische Umlaufbahn erreichen. Aber dazu kam es nicht.

298 Sekunden nach dem Abheben wurde telemetrisch die Abschaltung des Triebwerkes der dritten Stufe festgestellt. Die Stufe und die Nutzlast gingen nach einem suborbitalen Flug bis in 180 km Höhe in der planmäßigen Aufschlagzone im Gebiet Kwatsk (Tjumen) nieder. Es gab keine Toten oder Verletzungen oder größere Umweltschäden. 2 Tage nach dem Absturz fanden Suchmannschaften , die mit Hubschraubern Mi-8 und Flugzeugen An-2 unterwegs waren, Trümmer der Rakete und ausgebrannte Reste des Satelliten.
Unmittelbar nach dem Absturz wurde eine Untersuchungskommission aus Spezialisten der Weltraumtruppen und von Roskosmos gebildet.

Die eingesetzte Rakete war 2004 im Samara Space Center gebaut worden. Es war der erste Fehlstart einer Rakete der Semjorka-Familie nach dem Absturz einer Sojus-U mit Foton M1 im September 2002.

Eine Woche nach dem Fehlstart verhängte die Untersuchungskommission ein Startverbot für alle Raketen der Semjorka-Familie. Man rechnet allerdings fest damit, dass bereits Anfang August die Freigabe erteilt wird. Im August und September sind zwei zivile Sojus-Missionen in Baikonur geplant.

Die Molnija-M ist das dienstälteste aktive Mitglied der Semjorka-Familie. Die ältere Version 8K78 hatte am 10.10.1960 ihren Erstflug und wurde bis zum 3.12.1965 eingesetzt. Die 8K78M Molnija-M startete am 19.2.1964 zum ersten Mal. Insgesamt versagten bis heute 34 Raketen der Molnija-Serie. Die Molnija-M ist ein Auslaufmodell und wird künftig durch Sojus-2/Fregat ersetzt. Die Ursache für den Fehlstart ist bislang unklar. Man vermutet ein Versagen des Triebwerks RD-0110 in der dritten Stufe.

Der Kommunikationssatellit Molnija-3K wurde in der Firma "Michail Reschetnew" in Shelesnogorsk, Sibirien, gebaut. Es war das zweite Exemplar nach dem Erstflug am 20.Juli 2001. Der Start war versichert, so dass mit Hilfe der Versicherungssumme ein neuer Satellit gebaut werden könnte.

Rätselraten um das Schicksal von Cosmos-1

Am 21.Juni 2005 startete um 23.46 Uhr Ortszeit aus einem Silo des getauchten Atom-U-Boots K-496 "Borisoglebsk" in der Barentsee eine Trägerrakete des Typs Wolna. An Bord befand sich der Testsatellit Cosmos-1 der Planetary Society (USA). Der Start misslang. Cosmos-1 (110 kg) ist ein überaus bemerkenswertes Raumfahrzeug. Der privat finanzierte Sonnensegler wurde mit Geld der Cosmos Studios Inc. bei Lawotschkin in Chimki gebaut. Die elektronische Ausrüstung stammt vom Institut für Kosmosforschung (IKI) Moskau.

Die Rakete Wolna ist eine "zivilisierte" Atomrakete des Typs R-29R und stammt von der Firma Makejew aus Miass im Ural. Für Makejew ist dieser Fehlstart ein schwerer Schlag, denn es ist bereits die dritte Wolna in Folge, die versagt hat. 2001 ging ein Prototyp des Cosmos-Sonnenseglers verloren, weil der Trennmechanismus der Rakete versagte. Diesmal soll die erste Stufe der Rakete in der 83.Flugsekunde ausgefallen sein.

Allerdings gibt es hierzu bislang widersprüchliche Angaben. Die russische Raumfahrtbehörde und Makejew gehen davon aus, dass die Rakete ins Meer gestürzt ist. Suchmannschaften wurden in das potentielle Aufschlaggebiet bei Nowaja Semlja an der Grenze zwischen der Barentsee und der Karasee entsandt. Die Planetary Society berichtet dagegen über den Empfang schwacher Funksignale in mobilen Empfangsstationen bei Petropawlowsk (Kamtschatka), Majuro (Marschall Inseln) und auf dem Observatorium Panska Ves (Tschechische Republik). Demnach könnte Cosmos-1 wenigstens eine sehr niedrige Umlaufbahn erreicht haben und sofort wieder verglüht sein, bevor er seine Sonnensegel ausfahren konnte. Das U.S.Strategic Command, das sofort informiert wurde, konnte allerdings keine Hinweise für Cosmos-1 im Erdorbit finden.

Der Flugplan sah vor, 15 min 45 s nach dem Start eine Feststoff-Kickstufe zu zünden, die die Nutzlast in einen ca. 800 km hohen polaren Orbit befördern sollte. 43 min nach dem Start sollten die Solarzellen ausgefahren und vier Tage später sollten sich autonom die acht 0,2 mm dicken und 15 m langen Mylar-Sonnensegel entfalten.
Der Fehlstart könnte das Aus für die Bemühungen der Planetary Society bedeuten, einen privaten Sonnensegler zu bauen. 4 Millionen Dollar wurden investiert. Zwei Starts schlugen fehl, ohne dass das Konzept des Sonnensegelns demonstriert werden konnte. Der Start war nicht versichert und so ist es ungewiß, ob es einen dritten Startversuch geben kann.

Express AM-3 gestartet

Am 25.Juni 2005 startete um 1.41 Uhr Ortzeit von der Rampe PU-39 (Platz 200) des kasachischen Kosmodroms Baikonur die Trägerrakete Proton-K Nr.410-10 mit der Oberstufe DM-2 Nr.103L und dem russischen Nachrichtensatellit Express AM-3 an Bord.

Nach rund 6,5 Stunden wurde durch zwei Brennsequenzen der Oberstufe DM-2 eine geostationäre Umlaufbahn erreicht. Express AM-3 wird bei 140° Ost stationiert.
Der Satellit wurde im Auftrag der Staatlichen Fernmeldegesellschaft GPKS bei der Firma "Michail Reschetnew" in Shelesnogorsk, Sibirien, gebaut. Die Nutzlast stammt von Alcatel, Frankreich. Express AM-3 verfügt über 16 C-Band-, 12 Ku-Band- und einen L-Band-Transponder. Der L-Band-Transponder wird insbesondere für die Kommunikation mit der russischen Präsidentenmaschine benötigt.

Die Serie von fünf Satelliten des Typs Express AM wurde von der Sberbank finanziert. Der Auftrag hatte ein Volumen von 800 Millionen Dollar. GPKS hat bei "Michail Reschetnew" inzwischen zwei weitere Express AM bestellt.

Der Satellit war am 16.Mai 2005 mit dem Flugzeug in Baikonur angeliefert worden. Er wurde im MIK-40 (Platz 31) endmontiert und geprüft. In der benachbarten Tankhalle 11G12 wurde er mit dem Treibstoff Amidol betankt, der zum Betrieb der Steuer- und Orientierungsdüsen benötigt wird. Als Oberstufe kam diesmal Block DM-2 zum Einsatz. Bislang wurden alle Express AM mit Oberstufen DM-2M auf ihre Endbahn gebracht. DM-2 und DM-2M sind allerdings nahezu baugleich und können je nach Einsatzbereitschaft alternierend eingesetzt werden.

Der Start von Express AM-3 war bereits im Vorfeld aus "technischen Gründen" um 24 Stunden verschoben worden. Nähere Angaben wurden nicht gemacht.

Zenit-3SL gestartet

Am 23.Juni 2005 startete um 4.03 Uhr morgens Ortszeit von der Plattform Odyssey im Pazifik die Trägerrakete Zenit-3SL zu ihrer 17.Mission. Sie transportierte innerhalb einer halben Stunde den Nachrichtensatelliten Americas-8 der Intelsat in einen geostationäre Transferbahn 202-35.642 km bei 0° Neigung. Die Bahn wurde mit extremer Genauigkeit erreicht. Im Perigäum gab es lediglich 10 m Abweichung zum Projekt ! Der Start hatte sich wegen technischer Schwierigkeiten um 65 Minuten verzögert. Die Oberstufe DM-SL brannte ein einziges Mal über volle elf Minuten.
Americas-8, der ursprünglich Telstar-8 hieß, ist 5493 kg schwer und gehört zum Typ SS/L-FS-1300.

Er wird bei 99° West stationiert. Er verfügt über 28 C-Band, 36 Ku-Band und 24Ka-Kanäle und zählt damit zu den leistungsfähigsten Nachrichtensatelliten der Welt. Die Solarzellenflächen liefern 16 kW elektrische Leistung. 2005 gab es bislang drei Sea-Launch-Einsätze. 1-2 weitere Flüge sollen bis Jahresende 2005 folgen.

Foton M2 gelandet

Am 16.Juni 2005 landete die Kapsel von Foton M2 um 13.37 Uhr Ortszeit in einem unbewohnten Steppengebiet 140 km südöstlich der Stadt Kustanai in Kasachstan. Die Landung war der erfolgreiche Abschluß einer zweiwöchigen Raumreise im Auftrag von Roskosmos und der ESA.

Die Rückkehr zur Erde begann drei Stunden vor der Landung mit dem Absprengen des zylinderförmigen Batteriebehälters am Bug des Raumfahrzeuges. 30 Minuten vor dem Aufsetzen zündete das Bremstriebwerk von Foton M2 für 45 Sekunden und brachte das Raumschiff auf die Abstiegsbahn. Anschließend trennten sich Kapsel und Geräteteil. Der Geräteteil verglühte in der Atmosphäre. Während des Abstieges musste die Kapsel Belastungen bis 9 g ertragen. 8,5 Minuten vor dem Aufsetzen wurde der Pilotfallschirm ausgeworfen. Es folgte der Bremsschirm, der die Kapsel von Überschall- in den Unterschallbereich herunterbremste. Der Hauptfallschirm entfaltete sich in 2500 m Höhe und reduzierte die Geschwindigkeit auf 10 m/s. Unmittelbar vor dem Aufsetzen zündeten Bremsraketen, die die Aufsetzgeschwindigkeit auf 3 m/s reduzierten. Das Bergungsteam brachte die Kapsel mit dem Flugzeug nach Samara. Dort bauen die Europäer ihre Anlagen aus und schicken sie in die Heimat zurück.

Während der Mission arbeiteten erstmals die Kontrollzentren in Samara, Koroljow, Kiruna und Darmstadt koordiniert zusammen. Während die meisten Experimente zur vollsten Zufriedenheit ihrer Betreuer funktionierten, versagte der russische Schmelzofen "Polison". Die ESA äußerte sich hochzufrieden über die Zusammenarbeit mit russischen Raumfahrtfirmen. In dem ESA-Dokument FOTON findet man auf Seite 3 eine sehr schöne Übersichtsgrafik der Landezonen aller Foton und Bion-Missionen der jüngeren Zeit.

Baikonur ist 50

Anläßlich des 50.Geburtstages des Kosmodroms Baikonur haben die beiden Präsidenten Putin (Russland) und Nasarbajew (Kasachstan) am 2.Juni 2005 dem größten Raumflugzentrum der Welt einen Besuch abgestattet. Beide Präsidentenmaschinen landeten auf dem Flugplatz "Jubiläum" im Norden des Kosmodroms. Nasarbajew kam einige Minuten früher, um seinen russischen Amtskollegen an der Gangway symbolisch auf kasachischer Heimaterde zu begrüßen. Anschließend besuchten die beiden, stellvertretend für die 11 Montagehallen Baikonurs , die riesige Proton-Montagehalle MIK 92A-50. Dort wurde im Hauptsaal für sie eine Ausstellung mit einem 1:1 Modell der Rakete Angara 1.1, einem Modell des Nachrichtensatelliten KazSat, des ISS-Modul FGB "Sarja" und verschiedenen Schautafeln und kleineren Modellen aufgebaut.

Roskosmos-Chef Perminow, der die Präsidenten führte, betonte, dass MIK 92A-50 mit 7000 qm Grundfläche und 200.000 Kubikmetern Volumen der größte Reinstraum der Welt sei. Selbst in den USA gäbe es kein vergleichbares Gebäude. Anschließend begaben sich die Präsidenten zum Platz 200, um auf der ehemaligen Proton-Rampe PU-40 der Grundsteinlegung für den neuen russisch-kasachischen Startkomplex "Baiterek" beizuwohnen. Hier sollen ab 2008/2009 Angara-Raketen, vor allem die schwere Angara-5, zu kommerziellen Einsätzen abheben. Die Arbeiten werden von der Moskauer Firma KBOM und dem Chrunitschew-Zentrum geleitet und mit kasachischen Petroldollars finanziert.
Putin und Nasarbajew besuchten auch die historische Gagarin-Rampe (PU-5 auf Platz 1) und den Museumsbereich auf Platz 2, um an die historischen Erstleistungen von Baikonur erinnert zu werden.

PU-5 wurde erst im Mai 2005 mit einem komplett neuen Anstrich versehen und erstrahlt nun wie einige andere Startkomplexe in Baikonur und Plessezk in neuem Glanz.

Die Feierlichkeiten in Baikonur dauerten insgesamt 3 Tage. Neben einer Militärparade auf dem Zentralen Platz der Stadt, gab es Freundschaftstreffen mit zahlreichen Veteranen des Kosmodroms, sportliche Veranstaltungen und ein Feuerwerk. Baikonur wird bis 2050 von Russland gemietet.

Neue Aufträge für Eurockot

Die russisch-deutsche Vermarktungsgesellschaft Eurockot hat einen weiteren Startauftrag der ESA erhalten: 2007 werden mit einer Rockot von Plessezk aus die Anwendungssatelliten SMOS und Proba-2 im Rahmen eines Doppelstarts in eine sonnensynchrone, 756 km hohe Kreisbahn befördert.

SMOS (Soil Moisture and Ocean Salinity) wiegt 680 kg und basiert auf der französischen Plattform Proteus. Er trägt einen Radarhöhenmesser und untersucht die Bodenfeuchtigkeit und den Salzgehalt der Meere. Proba-2 ist der Nachfolger des 2001 mit der indischen PSLV gestarteten Proba-1.

Der Startkalender der Rockot sieht für 2005-2007 folgenden Ablauf vor:
August 2005: Monitor-E (Chrunitschew/Roskosmos)
September 2005: CryoSat (ESA)
Dezember 2005:KOMPSAT-2 (KARI, Südkorea)
2006: GOCE (ESA)
2007: SMOS+Proba-2 (ESA)

Raketenzug außer Dienst gestellt

Die Strategischen Raketentruppen Russlands haben am 15.Juni 2005 ihren letzten Raketenzug des Typs 15P952 außer Dienst gestellt. Diese Raketenzüge waren mit Feststoff-Interkontinentalraketen des Typs RT-23 bewaffnet und konnten auf dem weitläufigen Schienennetz Russlands verschossen werden. Nach dem Verzicht auf Raketenzüge verfügt Russland noch über Silos und mobile Startfahrzeuge.

Weiterentwicklung der Sojus

Das Samara Space Center baut 2005 14 Raketen im Wert von 9 Milliarden Rubel. Das gab Generaldirektor Kirillin auf der Luft- und Raumfahrtmesse Le Bourget bekannt.

Ende 2005 wird in Plessezk die zweite Sojus 2-1A gestartet. Diesmal ist eine echte Nutzlast, der Militärsatellit "Meridian" an Bord. Im April 2006 folgt die erste Sojus-2 in Baikonur mit dem europäischen Wettersatelliten Metop. Mit diesem Start wird das Erprobungsprogramm der Sojus-2 abgeschlossen und die Rakete geht in Serie. Im zweiten Halbjahr 2006 folgt die leistungsstärkere Variante Sojus 2-1B.

Inzwischen wird an einer "Schwerlast-Sojus" gearbeitet. Die Sojus 2-3 könnte 11 t Nutzlast von Baikonur oder Plessezk oder 12,7 t von Kourou aus befördern.
Der Erstflug der europäischen Sojus-ST ist 2008 in Kourou geplant. Die Rakete kann mit Hilfe der Oberstufe Fregat 2,7 t in eine geostationäre Transferbahn hieven.


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Russische Raumfahrt-38 (Mai 2005)

DirecTV-8 gestartet

Am 22.Mai 2005 startete um 23.59 Uhr Ortszeit von der Rampe PU-39 (Platz 200) des kasachischen Kosmodroms Baikonur die Trägerrakete Proton-M Nr. 53510 mit der Oberstufe Bris-M Nr. 88512 und dem amerikanischen Kommunikationssatelliten DirecTV-8 ( 3850 kg). Der Satellit erreichte durch fünf Brennsequenzen der Bris-M die vorgesehene geostationäre Transferbahn, aus der er mit Hilfe eigener Triebwerke in die geostationäre Endbahn aufsteigt. Er wird bei 101° West stationiert.

DirecTV-8 ist ein Satellit des Typs Space System/Loral LS-1300. Er dient im Auftrag der Firma DIRECTV als direktstrahlender Fernsehsatellit. Am 18.Mai 2005 wurde die fertig montierte Kombination Rakete-Satellit auf die Rampe geschafft. Der ursprünglich für den 21.Mai 2005 geplante Start musste aus technischen Gründen um 24 Stunden verschoben werden.

Foton M2 gestartet

Am 31.Mai 2005 startete um 18.00 Uhr Ortszeit von der Rampe PU-5 (Platz 1) des kasachischen Kosmodroms Baikonur die Trägerrakete Sojus-U Nr. Sh15000-091 mit dem Technologiesatelliten Foton M2 (6425 kg) an Bord. Er erreichte eine erdnahe Umlaufbahn 259 - 292 km bei 62,97° Bahnneigung.

Die Mission wurde im Auftrag der ESA und von Roskosmos vom Samara Space Center vorbereitet und durchgeführt. Europa hat 39 Experimente mit einer Gesamtmasse von 385 kg zu der Mission beigesteuert. Dazu gehören nahezu alle Versuche, die mit dem Absturz von Foton M1 2002 verloren gegangen sind. Auch Experimente, die mit der Columbia 2003 abstürzten, bekamen auf Foton M2 eine zweite Chance.

Foton M2 ist bereits die elfte gemeinsame Mission der ESA mit dem Samara Space Center seit 1987. Von bislang 14 Foton-Satelliten erreichte nur einer die Umlaufbahn nicht. Foton M bietet gegenüber dem Vorgängermuster größere Energiereserven für die Nutzlast. Die Nutzer haben über eigene Bodenstationen direkten Zugriff auf ihre Experimente.

Zu den ESA-Experimenten gehört FAVORITE (Fixed Alkaline Vapor Oxygen Reclamation In-flight Technology Experiment), ein Sauerstofferzeuger für bemannte Raumfahrzeuge auf Basis der Elektrolyse von Wasser. Im Gegensatz zum russischen Gerät Elektron, das auf der Mir und ISS eingesetzt wurde und häufig ausfällt, verfügt FAVORITE über keine beweglichen Teile. Mit einem Energieeinsatz von 290 W können 13 Liter Sauerstoff pro Stunde produziert werden. Während Foton M2 sind 40 Betriebsstunden geplant.

Erneut an der Außenhaut der Kapsel angebracht sind Biopan-Behälter mit verschiedenen biologischen Proben, z.B. Bakterien und Pilze. Während des Wiedereintritts in die Atmosphäre finden verschiedene Experimente statt. Neue Hitzeschutzmaterialien, z.B.aus Keramik, werden erprobt. Im Hitzeschild eingelassen sind verschiedene Materialien, z.B. mit Aminosäuren und anderen organischen Materialien präparierte Steine. Damit wird der Atmosphäreneintritt von Meteoriten simuliert, die auf diese Weise möglicherweise das Leben auf die Erde gebracht haben. Im Inneren der Kapsel sind unter anderem zwei Skorpione. Das Experiment FluidPac füllt fast die Hälfte des Innenraums der Kapsel.

Aus Kostengründen wurde auf die Mini-Kapsel Fotino verzichtet. Fotino ist der Vorläufer von YES-2 (Young Engineers Satellite). YES-2 ist ein preiswerter Rückkehrkörper auf der Basis von Seilen und eines aufblasbaren Hitzeschildes, der mit Foton M3 2007 fliegen soll.

Die ESA betrachtet Foton als eine hervorragende und preiswerte Plattform zur Erprobung neuer Technologien und wird sie auch künftig für ihre Experimente nutzen.

Der Aufstieg der Trägerrakete verlief nach folgendem Schema:
+ 1 min 58 s: Abtrennung der vier Außenblöcke der ersten Stufe
+ 2 min 36 s: Abwurf der Nutzlastverkleidung
+ 4 min 47 s: Abwurf der zweiten, zentralen, Stufe
+ 4 min 50 s: Abwurf der Heckverkleidung der dritten Stufe
+ 8 min 45 s: Brennschluß dritte Stufe
+ 8 min 49 s: Abtrennung Foton M2 von der dritten Stufe

Erstmals wurde eine Foton-Mission in Baikonur vorbereitet. Bislang startete dieser Typ ausschließlich in Plessezk. Samara und die ESA entschieden sich für Baikonur, weil dieses Raumfahrtzentrum besser auf kommerzielle und wissenschaftliche Missionen eingestellt ist. Die Sicherheitsregeln sind im zivilen Baikonur deutlich lockerer als im militärischen Plessezk.

Im MIK-112, in dem bereits die Sojus-Rakete montiert wird, wurde ein Montagegerüst für den Satelliten aufgebaut, das aus dem benachbarten MIK-2B herangeschafft wurde. Am 30.Mai 2005 wurde die fertige Kombination Rakete-Satellit mit der Bahn zur Rampe PU-5 gerollt und aufgerichtet. PU-5 bekam übrigens einen kompletten neuen Anstrich. In den vergangenen zwei Jahren wurden zahlreiche Rampen und Gebäude einer solchen optischen Verjüngungskur unterzogen, wie sie seit 15 Jahren nicht mehr durchgeführt wurden. Der Start von Foton M2 erfolgte pünktlich und rechtzeitig vor dem Beginn der Feierlichkeiten zum 50.Geburtstag von Baikonur am 2.Juni 2005.

Satelliten ausgeliefert

Lawotschkin hat zwei innovative Raumflugkörper in die nordrussische Marinebasis Seweromorsk ausgeliefert. Sie sollen im Juni und Juli 2005 mit Wolna-Raketen aus getauchten U-Booten abgeschossen werden.

Als erstes startet voraussichtlich am 21.Juni das Sonnensegel Cosmos-1, das in Kooperation mit der amerikanischen Privatorganisation Plantary Society, entwickelt wurde. Es folgt im Zeitraum 5.-8.Juli das Rückkehrexperiment Demonstrator-2R in Zusammenarbeit mit der ESA und EADS. Der Start beider Satelliten verzögerte sich aus technischen Gründen um mehrere Jahre.

Chefwechsel bei Energija

Auf der Hauptversammlung der Aktionäre des Raumfahrtkonzerns Energija am 28.Mai 2005 wurde Nikolai Sewastjanow als neuer Generaldirektor gewählt. Er löst Juri Semjonow ab, der die Geschicke der einzigen privaten russischen Raumfahrtfirma seit 1989 leitete. Mit Semjonow bestieg der Wunschkandidat des Kreml den Chefsessel. Der Wahl war ein wochenlanges öffentliches Tauziehen vorausgegangen. Die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos, die 38,22 % Anteile an Energija hält, hatte bereits im März 2005 öffentlich erklärt, dass sie die Kandidatur von Sewastjanow unterstütze. Dagegen hatte der Vorstand des Konzerns sich einheitlich für die Wiederwahl des alten Direktors Semjonow ausgesprochen.
Der 44jährige Sewastjanow ist allerdings für die Firma Energija kein Unbekannter. Nach dem Studium am Institut für Ingenieurphysik Moskau arbeitete er von 1984 bis 1993 bereits in der Raumfahrtcorporation. 1994 übernahm er die Leitung der neugegründeten Firma Gaskom, ein Gemeinschaftsunternehmen des Erdgasriesen Gasprom , der Gasprombank und von Energija. Unter seiner Leitung wurden die Kommunikationssatelliten Jamal-100, 200 und ihre Basisplattfom Viktoria entwickelt.
Viktoria ist der erste russische Raumflugkörper ohne Druckkörper. Bislang beherrschte die russische Raumfahrtindustrie diese im Westen weit verbreitete Technologie nicht. Chrunitschew, Poljot und Maschinostrojenije haben ähnliche Satelliten in Vorbereitung, aber geflogen ist bislang noch keiner.
Ein Exemplar von Viktoria wurde an Weißrußland verkauft. Ende 2005 soll der Erdbeobachtungssatellit BelKA fliegen.

In der Vergangenheit soll es zu Auseinandersetzungen zwischen Semjonow und Sewastjanow gekommen sein. Sewastjanow forderte eine größere Unabhängigkeit für sein Unternehmen Gaskom vom Mutterkonzern Energija.
Energija mit seiner Sonderrolle als Privatunternehmen war dem russischen Staat schon lange ein Dorn im Auge. Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 wollte die damalige Produktionsvereinigung Energija die Leitung der gesamten russischen Raumfahrt übernehmen. Sie wurde aber durch die Gründung der Raumfahrtbehörde RKA 1992 ausgebootet. Juri Koptew, zunächst von Semjonow spöttisch belächelt, gelang es, die gesamte Raumfahrtindustrie bis auf Energija unter seinem Dach zu vereinen und zum anerkannten Gesprächspartner des Westens zu werden. Alle großen Staatsunternehmen wie Chrunitschew ,das Samara Space Center, Poljot und die Produktionsvereinigung für Angewandte Mechanik suchten sich westliche Partner und gründeten die erfolgreichen Gemeinschaftsfirmen International Launch Services, Starsem und Eurockot. Nur Energija blieb ohne Partner. Statt profitabler Raketen jammerte die Privatfirma über mangelnde staatliche Hilfe und drohte mit der Einstellung des Baus bemannter Raumschiffe. Das Projekt MirCorp. zum kommerziellen Weiterbetrieb der Mir-Station blieb mangels potenter Sponsoren chancenlos. Auch als Zulieferer für Raketen-Oberstufen wurde Energija zunehmend durch Chrunitschew verdrängt. Zudem fiel Semjonow des öfteren durch rüde Sprüche über Kosmonauten und andere Raumfahrfirmen auf.

Sewastjanow als Vertreter einer neuen Generation russischer Manager, unbelastet durch eine kommunistische Karriere, verspricht, die angeschlagene Firma wieder profitabel zu machen, ohne dem Staat auf der Tasche zu liegen. Er befürtwortet die bemannte Raumfahrt, die er kommerzialisieren möchte. Unter anderem denkt er laut über den Abbau von Helium-3 auf dem Mond nach - eine alte Idee von Semjonow.
Die Potenzen seiner Firma sollten ausreichen, um auch im Satellitenbau erfolgreich mit den Mitbewerbern zu konkurrieren.
Die Benennung von Sewasjanow als Direktor von Energija ist Teil einer Kampagne der Raumfahrtbehörde Roskosmos, Management- und Konstrukteursfunktionen schärfer voneinander zu trennnen. Georgi Poleschtschuk, der ehemalige Vize von Roskosmos-Chef Perminow, wurde Generaldirektor der Firma Lawotschkin, während der frühere Generaldirektor und Generalkonstrukteur Konstantin Pitschchadse nur Generalkonstrukteur blieb. Daneben gibt es intensive Bemühungen, die rund 100 Raumfahrtfirmen ind zirka fünf, sogenannten Zentren, zusammenzufassen.

Neue Bris-Version

Chrunitschew hat die Entwicklung einer neuen Variante seiner Oberstufe Bris angekündigt. Die Bris-KS ist eine Weiterentwicklung der Bris-KM. Beide Stufen sind Bestandteil der kleinen Trägerrakete Rockot, die von der deutsch-russischen Firma Eurockot vermarktet wird. Die Nutzlast steigt mit Bris-KS auf 2400 kg gegenüber 1950 kg mit Bris-KM. Die Stufe soll für militärische und kommerzielle Missionen zum Einsatz kommen.

Vertrag zu Angara

Chrunitschew und das russische Verteidigungsministerium haben eine Vertrag über den Abschluß der Flugerprobung der neuen Angara-Rakete bis 2010 abgeschlossen.
Die Finanzierung der Erprobung übernimmt das Verteidigungsministerium.
Damit kommt Bewegung in die durch jahrelange Verzögerungen geprägte Entwicklung der Raketenfamilie Angara.
Ende 2006 startet die Angara in Plessezk zum Jungfernflug. Der Startkomplex Baiterek in Baikonur wird 2008-2009 fertig. Die erste Stufe der Angara ist Bestandteil der südkoreanischen Rakete KSLV-II.

Neuer Wettersatellit geplant

2006 soll das zweite Exemplar des Wettersatelliten Meteor-3M starten. Der Satellit gehört zum Bundesraumfahrtprogramm 2006-2015. 4 Milliarden Rubel sind darin zur Entwicklung und Bau neuer Wetter- und Erdbeobachtungssatelliten vorgesehen.
Dieser Teile der russischen Satellitenflotte muß praktisch komplett rekonstruiert werden.
Neben dem polaren Meteor-3M soll der geostationäre Elektro-L die Wetterbeobachtung in der Russischen Förderation sicherstellen. Kleinsatelliten vom Typ Kanopus-Vulkan dienen der Vorhersage von Erdbeben, Vulkanausbrüchen und anderen Naturkatastrophen.

Parom - Nachfolger von Progress

Der Energija-Konzern arbeitet neben dem neuen Raumschiff Kliper an einem Nachfolger für den Raumfrachter Progress. Chefkonstrukteur Nikolai Brjuchanow hat der Presse einige Details vorgestellt.
Parom ist ein Raumschlepper, der im Erdorbit stationiert wird. Bei Bedarf werden Frachtcontainer oder ganze Module (bis zu 30 Tonnen schwer) in seine Umlaufbahn geschossen. Parom koppelt mit dem Container und bringt ihn zur Internationalen Raumstation. Nach Entladung bringt Parom den Container zum Absturz und steht dann für eine weitere Mission zur Verfügung.
Ähnlich wie bei Sojus/Progress sollen Kliper/Parom über viele gemeinsame Systeme verfügen. Bislang ist Parom nur eine Studie von Energija. Die Raumfahrtbehörde Roskosmos hat sich noch nicht positioniert.

Die russischen raketengestützten Nuklearstreitkräfte

Auf der Basis Kartalinsk (Gebiet Tscheljabinsk) der Strategischen Raketentruppen wurde jetzt die letzte von 46 R-36M-Interkontinentalraketen (besser bekannt als SS-18) demontiert. Gemäß dem Vertrag START-1 zwischen den USA und Russland werden nun die Silos gesprengt.
Damit verfügen die Strategischen Raketentruppen noch über 85 einsatzbereite R-36M1/M2. Diese mächtige Rakete steht als Dnepr auch als Trägerrakete für Raumfahrtmissionen zur Verfügung.
Aktuell verfügt Russland über 560 landgestützte Interkontinentalraketen mit insgesamt 1970 nuklearen Gefechtsköpfen. Dazu gehören neben den üben erwähnten 85 SS-18, 129 UR-100NUTTCh (774 Gefechtsköpfe), 306 Topol und 40 hochmoderne Feststoffraketen Topol-M.
Rechnet man luft- und seegestützte Flugkörper hinzu, sind 830 Trägermittel mit 3494 Gefechtsköpfen in den Nuklearstreitkräften Russlands vorhanden. Zum Vergleich: 2002 waren noch 1682 Trägermittel und 5518 Sprengköpfe im Bestand.
In den nächsten Jahren werden moderne Topol-M, Bulawa und Ch-555-Marschflugkörper in den Einheiten der RWSN, Marine und Luftwaffe zulaufen.

Die Sauerstoffversorgung der Internationalen Raumstation

Die Versorgung der Kosmonauten in der Internationalen Raumstation beruht im wesentlichen auf drei russischen Systemen, die von der Mir übernommen wurden:
die Sauerstofferzeugungsanlage Elektron, Druckbehälter mit Sauerstoff (werden mit Progress nachgeliefert und Sauerstoffkerzen. Als vierte und letzte Reserve stehen die Druckgasbehälter des amerikanischen Luftschleusenmoduls Quest zur Verfügung.

Elektron gewinnt Sauerstoff durch Elektrolyse aus Brauchwasser. Das Gerät ist seit Mai 2005 endgültig kaputt, nachdem es nach mehreren Reparaturen mehr schlecht als recht funktionierte. Die Produktion einer neuen Einheit gestaltet sich sehr schwierig. Gegenwärtig ist es geplant, in der zweiten Jahreshälfte 2005 ein neue Flüssigkeitsbaugruppe zu liefern. Im Juni bringt der nächste Progress-Frachter eine neue Steuereinheit zur ISS.
Nachdem die Sauerstoff-Druckgasbehälter verbraucht sind, nutzen die Astronauten Krikaljow und Phillips seit Ende Mai 2005 Sauerstoffkerzen. Diese Feststoff-Sauerstoffgeneratoren tragen die englische Bezeichnung SFOG und die russische Abkürzung TGK. Es handelt sich dabei um Zylinder, die etwa so groß wie die Gasflaschen eines Tauchers sind. Sie enthalten Lithiumperchlorat, dass durch "thermale Zersetzung" Sauerstoff für eine Person und einen Tag freigibt. Die dabei entstehende Hitze führte 1997 bei einer defekten Sauerstoffkerze auf der Mir zu einem Brand, der beinahe mit dem Durchbrennen der Hülle der Station geendet hätte. Daher ist die NASA gegenüber diesen Sauerstoffkerzen äußerst skeptisch und greift nur sehr ungern auf sie zurück. Dennoch sind mehr als 100 solcher Kerzen im russischen Segment der ISS und sie werden jetzt benutzt. Dazu wird der Zylinder in eine spezielle Kammer eingesetzt und ein Zündmechanismus betätigt. Es sind zwei Kammern im Swesda-Modul, der Zündmechanismus der einen ist aber defekt. In der Mir behalfen sich die Kosmonauten in diesem Fall mit roher Gewalt, aber auf der ISS scheinen die Amerikaner ein derartiges Vorgehen nicht zu dulden. Daher kann eine von drei Kerzen nicht zum Brennen gebracht werden. Dennoch, es besteht keine Lebensgefahr für die beiden Kosmonauten und eine Evakuierung wegen Sauerstoffmangel ist unwahrscheinlich - vorausgesetzt, der nächste Progress-Frachter im Juni kommt.
Quelle: Mouting delays stress space station systems - Oxygen problems exacerbated; flight schedules affected, James Oberg, MSNBC, 19.5.2005


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Russische Raumfahrt-37 (April 2005)

Sojus TMA-6 gestartet

Am 15.4.2005 startete um 6.46 Uhr Ortszeit, im ersten Morgengrauen des neuen Tages, das bemannte Raumschiff Sojus TMA-6 mit den Kosmonauten Sergej Krikaljow, John Phillips und Roberto Vittori von der Rampe PU-5 auf Platz 1 des russischen Kosmodroms Baikonur in Kasachstan. Als Trägerrakete diente die Sojus FG Nr.014. Dank des Starts unmittelbar bei Sonnenaufgang bei klarem Himmel konnte der Aufstieg über volle 20 Minuten, also bis in die Umlaufbahn, beobachtet werden.

Der Rettungsturm SAS wurde als erstes Element 1 min 53 s nach dem Abheben abgesprengt. Er ging über der Aufschlagzone Nr.16 in Kasachstan nieder. Fünf Sekunden später folgten die vier Außenblöcke der ersten Stufe. Die Stufentrennung war deutlich als das "Koroljowsche Kreuz" zu sehen, bevor die Blöcke in der Zone Nr.16 aufschlugen. 2 Minuten 37 Sekunden nach dem Start wurde die nicht mehr benötigte Nutzlastverkleidung abgeworfen. Sie fiel in der Zone Nr.69 in Kasachstan herunter. Nach 4 Minuten 47 s folgte die ausgebrannte zentrale Stufe Block-A, für die die Zone Nr.306 reserviert wurde. 10 Sekunden wurden die rot gestrichenen Heckverkleidungsbleche der dritten Stufe abgesprengt (Aufschlagzone Nr.309).
8 Minuten 45 s nach dem Start hatte diese Stufe ihren Brennschluß und erreichte zusammen mit dem Raumschiff 11F732 Nr. 216 die Umlaufbahn. Sojus TMA-6 wog zu diesem Zeitpunkt 7270 kg. Drei Sekunden später wurde das Schiff von der nicht mehr benötigten Stufe getrennt.

Die Startvorbereitungen für diese Mission waren ohne größere Zwischenfälle abgelaufen. Am 12.2.2005 war das Raumschiff aus Moskau in Baikonur eingetroffen.
Am 1.3.2005 folgte die Rakete aus Samara. Alle Arbeiten folgten dem üblichen Schema.
Die Mannschaft von Sojus TMA-6 bildet die 11.Stammbesatzung der Internationalen Raumstation (Krikaljow/Phillips). Bordingenieur Oberstleutnant Vittori aus Italien erfüllt das ESA-Programm Eneida. Die Double bildeten Michail Tjurin, Daniel Tani und der Kanadier Robert Thirsk.

Wechsel der Progress-Schiffe

Am 27.Februar 2005 löste sich das Versorgungsraumschiff Progress M-51 von der Internationalen Raumstation. Es absolvierte einen zehntägigen autonomen Flug und verglühte am 9.März 2005 über dem Pazifik.
Progress M-52 koppelte vollautomatisch am 2.März 2005 an die ISS an.
Das nächste Progress-Schiff startet im Juni 2005.

Landung von Sojus TMA-5

Am Montag, den 25.April 2005 kehrte das Raumschiff Sojus TMA-5 nach 192 Tagen Flug zur Erde zurück. Die Kommandokapsel landete mit den Kosmonauten Scharipow, Chiao und Vittori um 4.07 Uhr Ortszeit bei Dunkelheit 85 km von der Stadt Arkalyk entfernt in Kasachstan. Wegen schwerer Regenfälle im Landegebiet war der Boden so sehr aufgeweicht, dass kein Bergungshubschrauber direkt neben der Kapsel landen konnte. Statt dessen schwebte der Hubschrauber über der Kapsel und die Kosmonauten wurden mit einer Winde nach oben gezogen. Eine ähnliche Prozedur wird bei Wasserlandungen durchgeführt. Bereits 50 Minuten nach der Rückkehr erreichten die Raumfahrer Arkalyk und wurden dort einer ersten medizinischen Untersuchung unterzogen. Gegen Mittag trafen sie in Moskau ein.
Während der Vorbereitungen zur Landung hatte es kleinere Zwischenfälle gegeben.
Zunächst hatte Vittori Probleme mit seinen Sokol-Raumanzug. Der Ventilator funktionierte, aber es kam kein Sauerstoff an. Vittori zog den Anzug noch einmal an, überprüfte alle Dichtungen und diesmal klappte es. Dadurch verzögerte sich das Ablegen von Sojus TMA-5 von der Raumstation um knapp 4 Minuten.
Als die beiden Batterien der Sojus noch einmal aufgeladen werden sollten, gelang es der Crew durch einen Bedienfehler nicht, die elektrischen Verbindungen zwischen Raumschiff und Station wiederherzustellen. Am Ende wurde auf das zusätzliche Aufladen verzichtet. Dennoch verliefen alle weiteren Manöver einwandfrei.
Nach dem Abkoppeln absolvierte das Schiff einen 2,5 stündigen autonomen Flug.
Das Bremstriebwerk brannte 4 Minuten 19 Sekunden. Bereits eine Viertelstunde vor der Landung konnten die Suchhubschrauber den Feuerschweif der zurückkehrenden Kapsel sehen.

Neue Zenit-3-Mission

Am 26.April 2005 startete nachts um 0.31 Uhr Ortszeit von der Plattform Odyssey, die bei 154°West im Pazifik stationiert wurde, pünktlich und planmäßig bei idealen Wetterbedingungen die 16.Rakete des Typs Zenit-3SL. Sie brachte den Nachrichtensatelliten Spaceway-1 innerhalb von 30 Minuten auf eine geostationäre Transferbahn (249,99- 34.132, 4 km bei 0,0° Neigung). Die Bahn wurde extrem genau erreicht: im Apogäum betrug die Abweichung 4400 m, im Perigäum unglaubliche 10 Meter ! Diesmal wurde nur eine einzige, 12 Minuten lange Brennsequenz der Oberstufe DM-SL benötigt.
Spaceway 1 ist mit einer Startmasse von 6080 kg der bislang schwerste kommerzielle Nachrichtensatellit. Die gegenwärtige Nutzlastkapazität der Zenit-3SL wurde voll ausgelastet.
Der Satellit wird von der amerikanischen Firma DIRECTV betrieben. Er ist der erste einer Serie von vier Hochleistungs-Kommunikationssatelliten im Ka-Band. Ab 2007 bietet DIRECTV über diese Flotte 1500 Fernsehkanäle in HDTV und Breitband-Dienste für den nordamerikanischen Raum. Spaceway 1 verfügt über 48 Transponder und wird bei 102,8 Grad West stationiert.
Es handelt sich um das Modell Boeing 702. Die Funktionsdauer soll 12 Jahre betragen.
Die Zenit-3SL wird von Sea Launch betrieben und durch Boeing Launch Services vermarktet. Sie gilt als einer der besten kommerziellen Träger. Die Komponenten der Raketen werden in der Ukraine, Russland und den USA gebaut.

Status der russischen Raumflotte

Russland hat derzeit 99 aktive Satelliten im Einsatz. Davon arbeiten 39 innerhalb der Garantiefristen. Zwar unterhält Russland damit die zweitgrößte Satellitenflotte der Welt und hat deren Zustand schon erheblich verbessert, dennoch gibt es weiterhin große finanzielle Probleme.
Beim Satellitennavigationssystem GLONASS ist ein Defizit von 2 Milliarden 846 Millionen Rubel aufgelaufen. Daher konnten 2003 nur drei statt der geplanten sechs Satelliten starten, die Konstellation aus 18 Satelliten wird frühestens 2007 zur Verfügung stehen und die Nachfolgegeneration GLONASS-K wurde von 2005 auf 2008 verschoben.
Gegenwärtig gibt es keinen funktionstüchtigen Fotoaufklärungssatelliten und Wettersatelliten.

Neuer Vertrag für Kosmotras

Kosmotras, die Vermarktungsgesellschaft der Trägerrakete Dnepr, hat am 12.April 2005 einen Vertrag mit der englischen Firma SSTL aus Surrey zum Start von fünf "Rapid Eye"-Satelliten mit einer Rakete 2007 geschlossen.
Jeder Rapid Eye wiegt 175 kg. Die Satelliten werden im Auftrag der kanadischen
Firma MacDonald, Dettwiter and Associates (MDA) bei SSTL gebaut. Sie dienen der Erdbeobachtung. Die optische Ausrüstung kommt von Jena Optronik aus Jena, Deutschland. Das Rapid Eye- Projekt hat ein Volumen von 160 Millionen Dollar.

Juri Ponomarjow gestorben

Der ehemalige Kosmonaut Juri Ponomarjow ist am 16.April 2005 verstorben.
Ponomarjow gehörte zu jenen unbekannten Kosmonauten, die kurz vor einer Fluggelegenheit standen, dennoch niemals zum Zuge kamen. Er wurde am 19.4.2005 auf dem Friedhof Leonicha unweit des Sternenstädtchens beerdigt.
Ponomarjow wurde am 24.März 1932 geboren. 1957 beendete er das Studium am Moskauer Luftfahrtinstitut und nahm eine Tätigkeit im Zentralen Konstruktionsbüro für Experimentellen Maschinenbau (ZKBEM, heute RKK Energija) auf. 1972 wurde er in die Gruppe der ZKBEM-Werkskosmonauten aufgenommen. Gemeinsam mit Pjotr Klimuk bereitete er sich als Bordingenieur der Doublemannschaft für die Mission Sojus-13 vor, wurde aber durch Valentin Lebedew ersetzt. 1973-75 trainierte er gemeinsam mit Kommandant Wladimir Kowaljonok für einen Flug in der Raumstation Saljut-4. Er war Double-Bordingenieur für Sojus-18. Nachdem er auch hier nicht zum Zuge gekommen war, bereitete er sich bis 1977 gemeinsam mit Kommandant Dedkow auf einen Flug zur Raumstation Saljut-6 vor. Nach dem Fehlschlag von Sojus-25 im Oktober 1977 wurde die Crew aufgelöst, weil sie aus zwei Flug unerfahrenen Kosmonauten bestand. Danach bekam Ponmarjow keine weiteren Nominierungen mehr.


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Russische Raumfahrt-36 (März 2005)

Express AM-2 gestartet

Am 30 März 2005 startete um 3.31 Ortszeit von der Rampe PU-39 auf Platz 200 in Baikonur die Trägerrakete Proton-K Nr. 41009 mit der Oberstufe Block DM-2M Nr.16L und dem russischen Kommunikationssatelliten Express AM-2 an Bord. Nach 6,5 Stunden wurde Express AM-2 im geostationären Orbit ausgesetzt. Er soll bei 80 Grad Ost stationiert werden. Es war bereits der vierte Start eines Express AM-Satelliten für den russischen Staatskonzern GPKS. GPKS hat fünf Express AM für 800 Millionen Dollar bei der Produktionsvereinigung "Michail Reschetnew" in Shelesnogorsk, Sibirien, bestellt.

Die Satelliten bestehen aus einem russischen Bus und einer westlichen Nutzlasteinheit. Express AM-2 wiegt 2542 kg, wovon 596 kg auf die Kommunikationsnutzlast entfallen. Er verfügt über 16 C-Band-Transponder, 12 Ku-Band-Transponder, einen L-Band-Transponder und soll 12 Jahre arbeiten.

Die Produktionsvereinigung "Michail Reschetnew" arbeitet bereits an den Nachfolgemodellen Express-1000 (leichter Satellit) und Express-2000. Sie sollen für vielfältige Anwendungen zur Verfügung stehen und auch zum Export angeboten werden.
Die Auslieferung des Satelliten hatte sich um ein Vierteljahr verzögert, weil die Trägerrakete noch nicht fertig war. Am 28.Februar 2005 traf Express AM-2 mit dem Flugzeug auf dem Flugplatz "Jubiläum" in Baikonur ein. Er wurde in der Halle MIK-40 auf Platz 31 auf seinen Einsatz vorbereitet. Am 27.Februar wurde die fertige Rakete mit dem Satelliten zur Rampe PU-39 gerollt. Die Startvorbereitungen übernahm das Team ZI-2 der Firma KBOM aus Moskau. Beim Aufstieg wurden die Aufschlagzonen Nr. 25,4 und 326 in Kasachstan und der Altai-Region, Südsibirien, genutzt. Es war der 313.Start einer Proton-K seit Einsatzbeginn 1967.

Satellitenstart per Hand

Am 28.März 2005 hat der russische Kosmonaut Salishan Scharipow während eines Ausstiegs in den freien Weltraum den russischen Nanosatelliten TNS-O ausgesetzt.
Er nahm den 4,5 kg schweren Winzling in die Hand und schleuderte ihn einfach nach oben hinten von sich weg.

Nun zieht TNS-O seine eigenen Kreise und funktioniert nach Angaben des Kontrollzentrums ZUP in Koroljow bei Moskau einwandfrei.

TNS-O ist ein 25 cm langer und 17 cm breiter zylinderähnlicher Körper. Er wird nicht von Solarzellen, sondern zwei Lithium-Ionen-Batterien mit 10 Ahr Leistung versorgt.
Aufgrund seiner niedrigen Umlaufbahn rechnet man ohnehin nur mit einer Flugdauer von 2-3 Monaten, bis er in die Atmosphäre eintritt und verglüht. TNS-O verfügt über ein bemerkenswertes Kommando- und Kontrollsystem. Das Primärsystem ist ein Modem für das Globalstar-Satellitensystem. Über das Internet können so zehn verschiedene Funktionen des Satelliten überwacht werden. Das Reservesystem arbeitet mit den SARSAT/KOSPAS-Frequenzen. Zur Stabilisierung dient ein einfaches magnetisches System.
TNS-O ist ein Prototyp, mit dem Richtigkeit der gewählten Technologien überprüft wird. Spätere Muster werden schwerer sein und über echte Nutzlastverfügen. Man beabsichtigt, sie zur Kommunikation, Erd- und Wetterbeobachtung einzusetzen.
Der Satellit wurde vom Forschungsinstitut für kosmischen Gerätebau (RNII KP) entwickelt und gebaut. Er gelangte mit Progress M-52 in den Orbit und zur ISS.

Ursprünglich sollte TNS-O auf einer normalen Rakete als Piggyback mitfliegen, aber dazu hätte man ein Trennsystem entwickeln müssen, worauf aus Kostengründen verzichtet wurde. Der manuelle Start von der ISS war die billigste und schnellste Variante. Auch der nächste Satellit, TNS-1, soll auf die gleiche Art und Weise nach oben transportiert und gestartet werden.

Nanosatelliten haben derzeit weltweit Konjunktur. Es handelt sich dabei um die Satellitenklasse im Gewichtsbereich 1-10 kg. Nach Ansicht von Waleri Wischnjakow, Chefprojektant bei RNII KP, ist ein Nanosatellit nur ein Drittel so teurer wie ein großer Satellit.

Der Ausstieg der beiden Raumfahrer Chiao und Scharipow am 28.3. war ein voller Erfolg. Sie montierten weitere Antennen für ATV und Amateurfunk und überprüften bestimmte Elemente außenbords. Insgesamt hielten sie sich 4,5 h anstelle der geplanten fast 6 Stunden im freien Weltraum auf. Benutzt wurden Orlan-M-Raumanzüge und die Luftschleuse Pirs.
Quellen: RIA Nowosti, 28.3.2005, RIA Nowosti 29.3.2005, eMail Antonin Vitek, FPSpace, 30.3.2005

Progress M-51 verglüht

Das Versorgungsraumschiff Progress M-51 hat am 9.März 2005 planmäßig seinen Flug beendet. Es verglühte um 17.03 Uhr GMT über dem Südpazifik.
Das Raumschiff hatte nach dem Ablegen von der ISS am 27.2.2005 einen zehntägigen autonomen Flug absolviert. In dieser Zeit wurde ein besserer Orientierungsmodus getestet, der zu einer deutlichen Verminderung der Mikrogravitation an Bord des Schiffes führt. Künftige sollen modifizierte Progress-Schiffe auch für Mikrogravitations-Experimente zur Verfügung stehen.
Quellen: RIA-Nowosti, ITAR-Tass, 9.3.2005

Das russische Kosmonautenteam

Gegenwärtig gibt es 29 russische Kosmonauten und 9 Kosmonautenkandidaten.
Hier eine Zusammenstellung.
Zum Team des Kosmonautenausbildungszentrum "Juri Gagarin" (ZPK) gehören 14 Mann:
Afanasjew
Baturin
Kondratjew
Kotow
Lontschakow
Malentschenko
Padalka
Romanenko
Scharipow
Skworzow
Surajew
Tokarew
Walkow
Wolkow

Die Weltraumtruppen haben einen Kosmonauten, Juri Schargin.

12 Köpfe zählt die Gruppe der Werkskosmonauten der Firma Energija:
Kaleri
Kononenko
Kornijenko
Kosejew
Krikaljow
Lasutkin
Rewin
Skripotschka
Treschtschew
Tjurin
Winogradow
Jurtschichin

Die Firma Chrunitschew hat einen Werkskosmonauten, Moschtschenko, ausgewählt.
Das Institut für Medizinisch-Biologische Probleme , IMPB, verfügt ebenfalls noch über einen Mann, Morukow.

Nun die 9 Kandidaten.
4 Mann, Iwanischin, Samokutjajew, Schkaplerow und Tarjelkin, gehören zum ZPK.
Energija hat Artjomjew, Andrei Borisenko und Mark Serow ausgewählt. Zum IMBP gehört Rjasanskij, der Enkel des berühmten Konstrukteurs für Lenksysteme.
Dazu kommen die beiden Kasachen Aimbetow und Aimachanow sowie der Russe Shukow, der keiner der oben genannten Firmen und Organisationen angehört.
Quelle: Igor Lissow, Sergej Schamsutdinow, Nowosti Kosmonawtiki

Neue Chrunitschew-Projekte

Die Moskauer Raketenschmiede Chrunitschew arbeitet an dem Superträger Angara-100 und einem bemannten Raumschiff.

Die neue Superrakete mit einer Nutzlast von 110 Tonnen besteht aus drei Stufen.
Die erste Stufe besteht aus vier Boostern, die um die zentrale zweite Stufe angeordnet werden. Die Booster lehnen sich in ihren Dimensionen an die Booster der Energija-Superrakete an. Als Antrieb ist das RD-170 von Energomasch vorgesehen. Auch dieses Triebwerk kam schon bei der Energija zur Anwendung.

Die zentrale zweite Stufe ist eine Neuentwicklung. Als Antrieb hier ist das RD-180 vorgesehen. Das RD-180 fliegt gegenwärtig auf den amerikanischen Raketen Atlas-3 und Atlas-5. Im Gegensatz zur Energija wird eine dritte Stufe benötigt. Dabei handelt es sich um eine kryogene Hochleistungsoberstufe mit Wasserstoff-Sauerstoff-Antrieb. Hauptantrieb ist hier das RD-0122 von Chimawtomatika , das auch schon für die Energija entwickelt wurde.

Außerdem hat Chrunitschew einen Alternativvorschlag zum Kliper-Raumschiff von Energija entwickelt. Der Chrunitschew-Entwurf basiert auf der Kapsel WA, die in den 1970er Jahren mehrere unbemannte Testflüge absolvierte. Auch das Chrunitschew-Raumschiff ist wiederverwendbar.

Bislang handelt es sich bei den beiden Vorschlägen ausschließlich um firmeninterne Studien.

Angara-Erststufe für Südkorea

2004 vereinbarten Russland und Südkorea die Beteiligung russischer Firmen am Bau einer südkoreanischen Trägerrakete.

Die Rakete KSLV-I soll 2007 zu ihrem Erstflug starten. Es handelt sich dabei um ein Gemeinschaftsprojekt südkoreanischer und russischer Firmen. Chrunitschew liefert das Universelle Raketenmodul (URM) der brandneuen Angara. Das URM dient wie bei der russischen Angara als 1.Stufe der KSLV-I. Als zweite Stufe kommt ein südkoreanischer Feststofftriebwerk hinzu. Damit soll der koreanische Satellit
Science and Technology Satellite Nr.2 in eine elliptische Erdumlaufbahn transportiert werden. Über den Zwischenschritt KSLV-II soll bis 2015 eine dreistufige KSLV-III entwickelt. Diese kann 1,5 Tonnen in eine 800 km-Kreisbahn befördern.
Es überrascht, wie stark Südkorea auf russische Technologie setzt. Ebenso ungewöhnlich ist es, dass Russland seine neuste Raketentechnologie exportiert.
Wahrscheinlich hofft Chrunitschew durch die koreanischen Investionen die Arbeiten an der Angara endlich abschließen zu können, weil die mangelnde staatliche Finanzierung bereits zu jahrelangen Verzögerungen geführt hat.


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Russische Raumfahrt-35 (Februar 2005)

AMC-12 gestartet

Am 3. Februar 2005 startete um 7.27 Uhr Ortszeit von der Rampe PU-24 in Baikonur die Trägerrakete Proton-M Nr.53509 mit der Oberstufe Bris-M Nr.88511 und dem Satelliten AMC-12. Der Start erfolgte im Rahmen eines Vertrages mit der der Vermarktungsgesellschaft International Launch Services (ILS). Nach neun Stunden Flug und insgesamt fünf Brennsequenzen der Oberstufe Bris-M wurde die Nutzlast wie geplant in einer optimierten geostationären Transferbahn abgesetzt. Von da erreicht der Raumflugkörper aus eigener Kraft die geostationäre Endbahn, wo er bei 37,5 Grad West stationiert werden soll. Aufstieg der Proton und alle weiteren Manöver entsprachen dem für schwere Nutzlasten üblichen Ablauf. Erste und zweite Stufe und die Nutzlastverkleidung gingen über den Aufschlagzonen Nr. 25 und 310 in Kasachstan und im Altai nieder.
Eine Besonderheit ist von der Rampe PU-24 zu vermelden. Sie gehört den Weltraumtruppen und wird von einer militärischen Startmannschaft betreut. Nach einer ausdrücklichen Mitteilung der Roskosmos-Organisation ZENKI wurde aber diesmal eine zivile Mannschaft von Roskosmos auf dem militärischen Startplatz eingesetzt.
AMC-12, auch Worldsat 2 genannt, wurde von Alcatel Space gebaut und gehört zu dem neuen Typ Spacebus 4000. Er wog beim Start 5393 kg und verfügt über 72 C-Band-Transponder.
Nur fünf Stunden nach AMC-12 feierte ILS einen weiteren Erfolg. In Cape Canaveral startete eine Atlas 3B (AC-206) mit einem militärischen Aufklärungssatelliten an Bord. In der ersten Stufe dieser Rakete läuft ein russisches Haupttriebwerk vom Typ RD-180.
ILS vermarktet die Atlas und die Proton gemeinsam und ist derzeit der erfolgreichste Anbieter für Satellitentransporte der Welt.

Progress M-52 gestartet

In der Nacht vom 28. Februar zum 1.März 2005 startete um 19.06 Uhr GMT ( in Baikonur war es schon der 1.3.2005, 0.09 Uhr ) das Versorgungsraumschiff Progress M-52 ( Prod. Nr. 352) mit der Rakete Sojus-U Nr. 093 von der Rampe PU-5 auf Platz 1 in Baikonur (Kasachstan) zur Internationalen Raumstation. Der Aufstieg folgte dem üblichen Schema. Stufen und Verkleidungen gingen über den Aufschlagzonen Nr. 16, 69, 306 und 309 in Kasachstan und Russland nieder.
Der Start von Progress M-52 erfolgte absolut planmäßig und pünktlich.
Am 20.2. war das Raumschiff auf Platz 31 in Baikonur betankt worden. Zwei Tage später wurde die der Montagehalle MIK-254 die Nutzlastverkleidung über dem Schiff geschlossen. Am 25.2. erfolgte die Montage zwischen Rakete und Raumschiff in der Halle MIK-112. Von der dort wurde die Kombination am 26.2. traditionell um 7 Uhr morgens mit der Bahn zur Rampe PU-5 gefahren und aufgerichtet. Für die Arbeiten auf der Rampe war die Mannschaft ZI-1 des Barmin-Büros (KBOM) aus Moskau verantwortlich.
In Vorbereitung auf die Ankunft des neuen Versorgungsschiffes wurde der Vorgänger, Progress M-51, am 27.2.2005 um 16.06 Uhr GMT vom Modul Swesda der ISS abgekoppelt.

Zusammenarbeit Russland-Iran

Am 30.Januar 2005 wurde in der iranischen Hauptstadt Teheran ein Vertrag zwischen Roskosmos/Aviaexport auf der russischen Seite und dem Ministerium für Kommunikation und Informationstechnologie sowie dem Staatskonzern Telecommunication Iran auf der iranischen Seite unterzeichnet. Der Vertrag sieht den Bau und Start des iranischen Nachrichtensatelliten Zohreh durch russische Firmen vor. Den Zuschlag erhielt die bekannt Firma NPO PM "Michael Reschetnew" aus Shelesnogorsk bei Krasnojarsk, Sibirien. Die nachrichtentechnische Nutzlast wird von der französischen Firma Alcatel geliefert. Der Satellit verfügt über 12 Ku-Band-Transponder und soll in 30-36 Monaten fertiggestellt werden. Er soll eine Funktionsdauer von 15 Jahren haben.
Russland hat dem Iran auch angeboten, seine Testsatelliten zu starten, die eigentlich mit eigenen, iranischen Trägerraketen fliegen sollten. Das Raketenprogramm des Iran ist allerdings auf heftigen Protest der USA und Israels gestoßen. Ein Start, wenn auch für Raumfahrtzwecke, könnte einen Militärschlag dieser beiden Mächte auslösen.
Das Moskauer Luftfahrtinstitut (MAI) hatte in den 1990er Jahren Raketenspezialisten nach Teheran entsandt. Daraufhin hatte das amerikanische Parlament ein Gesetz verabschiedet, nach dem russische Firmen, die mit dem Iran auf dem Gebiet der Raketen- und Atomtechnologie zusammenarbeiten, mit Sanktionen belegt werden. Dieses Gesetz führte dazu, dass die NASA keinerlei direkte Zahlungen an Roskosmos vornehmen darf, wie sie noch in den 1990er Jahren üblich waren.

Neuer Chef von Lawotschkin

Die mehrfach in die Schlagzeilen geratenen Firma Lawotschkin hat eine neuen Chef.
Georgi Maximowitsch Polischtschuk wurde im Februar 2005 als neuer Generaldirektor und Generalkonstrukteur benannt.
Lawotschkin arbeitet derzeit an dem Wettersatelliten Elektro-L, dem Radarbeobachtungssatelliten Arkon-2, dem Astronomiesatelliten Radioastron und der Marssonde Fobos-Grunt. Wichtigste Erzeugnisse sind Oberstufen der Typen Fregat und Block-L, sowie Nutzlastverkleidungen aus Verbundwerkstoff.
In der Vergangenheit gab es Qualitätsprobleme mit verschiedenen Lawotschkin-Satelliten.

Zenit-3SL erfolgreich gestartet

Nach zweiwöchiger Verzögerung wegen schlechten Wetters und technischen Problemen startete am 28.Februar 2005 um 19.51 Uhr Ortszeit ( 1.3.2005, 3.51 Uhr GMT) von der Plattform Odyssey im Pazifik eine Trägerrakete des Typs Zenit-3SL mit dem Kommunikationssatelliten XM-3 Rhythm an Bord. Die geplante geostationäre Transferbahn (2486-35.786 km 0° Neigung) wurde nach 61 Minuten mit extrem hoher Genauigkeit erreicht. Im Apogäum betrug die Abweichung 6 Kilometer, im Perigäum ganze 100 Meter ! Die Oberstufe DM-SL von Energija, die zweimal brannte (1.Sequenz: 8,5 min , zweite Sequenz: 3 min ) , demonstrierte ihre hohe Präzision. Dieser Erfolg war sehr wichtig, nachdem im Sommer 2004 ein anderer Block DM-SL nicht planmäßig gebrannt hatte und zur Unterbrechung des Flugprogrammes für ein Dreivierteljahr geführt hatte. Es war der 15.Start einer Zenit-3SL seit dem Erstflug 1999.
Am 17.und 18.2. musste der geplante Start wegen schlechten Wetters im Startgebiet abgesagt werden. Am 23.2. wurde der Countdown bei T-7 min wegen eines nicht näher beschriebenen Problemes mit der Rakete abgebrochen werden.
XM-3 ist ein Satellit des Typs Boeing 702. Er wiegt 4703 kg. Seine Solarzellen liefern 18 kW elektrischer Leistung, womit XM-3 der derzeit leistungsstärkste zivile Kommunikationssatellit ist. XM-3 wird von der XM Satellite Radio betrieben und strahlt über dem Gebiet der Vereinigten Staaten digitale Radioprogramme auf Abo-Basis aus. Er wurde gestartet, weil es Probleme mit der Energieversorgung bei den Vorgängersatelliten XM-1 und XM-2 gab. XM-3 wird bei 85° West stationiert.
Sea Launch/Boeing Launch Services planen dieses Jahr insgesamt sechs Zenit-Missionen.


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Russische Raumfahrt-34 (Januar 2005)

Doppelstart mit Kosmos 3M

Am 20.Januar 2005 startete um 6.00 Uhr morgens Ortszeit eine Trägerrakete des Typs Kosmos 3M vom Startkomplex 132-1 des nordrussischen Versuchsgeländes Plessezk. Es war die erste russische Raumfahrtmission des Jahres 2005. Nach einer Stunde wurde die beiden Nutzlasten, der Militärsatellit Kosmos 2414 und der zivile Experimentalsatellit Universitetskij in einer subpolaren Bahn 910-967 km bei 82,95° Neigung ausgesetzt. Beide Satelliten funktionieren normal. Laut Jonathan´s Space Report Nr. 543 vom 24.1.2005 ( www.planet4589.org/space/jsr/jsr.html ) erreichte die Oberstufe S5M nicht die geplante Leistung und setzte die Raumflugkörper in einem 40-60 km zu niedrigen Orbit ab. Dieser Darstellung wurde von Prof.Indulis Kalnins, dem Marketing Direktor von Cosmos International, dem deutschen Vermarktungspartner der Omsker Firma Poljot, entschieden widersprochen. Demnach hat die Kosmos 3M einwandfrei funktioniert und ihre Nutzlast in der geplanten Bahn ausgesetzt.

Zum ersten Mal wurde eine neue, im Volumen deutlich vergrößerte Nutzlastspitze, im Flug erprobt. Diese Verkleidung ist für die deutschen Radaraufklärungssatelliten des Typs SAR-Lupe erforderlich, der über eine drei Meter breite Parabolantenne verfügt, die nicht in die normale Nutzlastverkleidung hineinpaßt. Die Verkleidung hat sich einwandfrei bewährt. Ihr erhöhter Luftwiderstand mindert die Nutzlast der Rakete etwas. Daher wurde eine etwas niedrigere Bahn als für Parus-Navigationssatelliten sonst üblich gewählt.

Kosmos 2414 ist ein Navigationssatellit des Typs Parus. Der Kleinsatellit Universitetskij (30 kg) wurde von der Firma Poljot in Omsk gebaut und mit der Nutzlast Tatjana bestückt. Tatjana wurde von Studenten und Lehrkörper der Lomonossow-Universität Moskau, vor allem deren Institut für Atomphysik, geliefert. Tatjana ist ein Beitrag zum 250.Geburtstag von Russlands ältester Hochschule, der in diesem Jahr gefeiert wird. Der Satellit führt Strahlungsmessungen in einem breiten Energiespektrum durch und untersucht außerdem UV-Strahlung bei Nacht, Polarlichter und das Magentfeld der Erde. Bemerkenswert ist seine Ausrüstung mit strahlenresistenter Bordelektronik.

Der Satellit kam zusammen mit dem Personal der Uni zwei Tage vor dem Start mit der Bahn in Plessezk an und wurde innerhalb weniger Stunden zum Start vorbereitet.
Beim Start der Kosmos-3M waren der Oberkommandierende der Weltraumtruppen, General Popowkin, der Rektor der Lomonossow-Universität, Viktor Sadownitskij, und der Leiter des Instituts für Atomphysik der Lomonossow-Universität, Michail Panasjuk, auf dem Kosmodrom anwesend.

Eine Grafik des Satelliten findet man im Internet unter:
http://images.astronet.ru/pubd/2005/01/20/0001202356/microsat.gif
http://cosmos.msu.ru/microsat.gif

Gute Fotos von den Startvorbereitungen in Plessezk, auf denen die neue, blaue, Nutzlastverkleidung zu erkennen ist, gibt es auf der Homepage von OHB:
www.ohb-system.de
Quellen:
PressKit OHB 24.1.2005, eMail Danela Sell, OHB, 31.1.2005

Kosmos 2410 verschollen

Am 24.9.2004 startete in Plessezk der Militärsatellit Kosmos 2410. Zunächst gab es keine Informationen über diese Mission. Schließlich stellte sich heraus, dass es sich dabei um einen modifizierten Aufklärungssatelliten des Typs Kobalt handelte.
Nach 107 Tagen wurde der Flug beendet und die Haupt-Landekapsel des Satelliten setzte in der Nacht vom 9. zum 10.1.2005 zur Rückkehr an. Seitdem ist der Satellit verschollen und die Suche nach dem wertvollen Gerät blieb bislang ergebnislos.
Der Verlust von Kosmos 2410 ist ein erneuter technischer Rückschlag für die russischen Weltraumtruppen. Schon beim letzten Fotoaufklärer, Kosmos 2399 (Don) , gab es Probleme mit einer Rückkehrkapsel. Ein Frühwarnsatellit des Typs Oko-1 (Kosmos 2397) geriet schon nach wenigen Monaten außer Kontrolle, der opto-elektronische Fotoaufklärer Araks-2 (Kosmos 2392) arbeitete nur ein statt der geplanten drei Jahre.

Laut der gewöhnlich gut informierten russischen Zeitung Kommersant gab es schon in der Umlaufbahn Probleme mit dem Flugkontrollsystem des Satelliten. Amerikanische Radarstationen hätten "ungewöhnliche Manöver" beobachtet. Es wird nicht ausgeschlossen, dass die Mission Kosmos 2410 früher als geplant beendet wurde. Man geht davon aus, dass Kosmos 2410 ungefähr 200 Tage im Orbit bleiben sollte. Die Landung war im Gebiet Orenburg geplant, wie es für unbemannte russische Rückkehrmissionen üblich ist. Amerikanische Stationen beobachteten einen Tag vor der Landung, dass sich zwei größere Teile von Kosmos 2410 lösten. So etwas war zuvor noch nie bei einem Kobalt-Satelliten beobachtet worden. Beide Objekte traten innerhalb eines Tages in die Erdatmosphäre ein. Es könnte sich dabei um nicht genutzte Kapseln für Fotomaterial handeln.
Der Zwischenfall mit Kosmos 2410 wird nun vom Hersteller, dem Samara Space Center (ZSKB-Progress) untersucht. Es wird nicht ausgeschlossen, dass die Kapsel beim Wiedereintritt zerbrochen ist oder das die Fallschirme versagt haben und sie hart auf dem Boden aufgeschlagen ist. Da im Landegebiet eine ein Meter hohe Schneedecke liegt, kann die Kapsel bei einem Aufprall auf der Oberfläche nicht mehr gefunden werden. Im Februar 2000 ging auf diese Weise die erste Fregat-Oberstufe nach der Rückkehr aus dem Orbit mit dem IRDT-System verloren.
Abgestürzte Kapseln werden auch gerne von einheimischen Buntmetalljägern verschleppt und geborgen, bevor die offiziellen Bergungsgruppen der Regierung sie finden können.
Quelle: Ivan Safronov, Russian Spy Satellite has disappeared, Kommersant, 21.1.2005

Ausstieg aus der ISS

Am 26.Januar 2005 sind die beiden Raumfahrer Chiao (NASA) und Scharipow (Roskosmos) zum ersten Mal aus der Internationalen Raumstation in den freien Weltraum ausgestiegen. Sie montierten den Manuipulatorarm Rokviss und ein anderes Experiment an der Außenhaut des Moduls Swesda und untersuchten Rückstande an der Austrittsöffnung des Elektron-Sauerstofferzeugers. Als Luftschleuse wurde das Modul Pirs benutzt. Der Ausstieg dauerte 5 Stunden 48 Minuten.
Beide Raumfahrer trugen Orlan-M-Anzüge. Scharipow benutzte den Anzug Nr.27,der zum ersten Mal im Einsatz war. Er wurde mit Progress M-49 zur ISS gebracht. Über den Anzug von Chiao gibt es unterschiedliche Angaben: Nr.25 oder Nr.26. Beide Anzüge wurden schon mehrfach genutzt.
Unüblicherweise konnte man die beiden Aussteiger diesmal nicht durch blaue oder rote farbige Streifen voneinander unterscheiden. Auch Fernsehbilder waren nur sporadisch zu empfangen, da es Probleme mit der Ku-Antenne der Station zum TDRS-Satelliten gab.
Während ihrer Arbeiten auf der Hülle von Swesda zündeten mehrfach die Steuerdüsen des Moduls in gefährlicher Nähe zu den Kosmonauten. Normalerweise werden die Düsen bei Außenarbeiten in ihrer Nähe abgestellt, aber diesmal arbeiteten die Lagekreisel der Station an der Belastungsgrenze und mussten durch die Düsen unterstützt werden. Jim Oberg, renommierter amerikanischer Raumfahrtexperte, nimmt an, dass der Wasserdampf, den das Kühlsystem der Orlan-Anzüge ständig in das All abgibt, bei weit vom Schwerpunkt der Station entfernten Arbeiten, Momente erzeugt, die die Kreisel stärker als erwartet belasten. Daher müssen in diesem Fall Düsen helfen, die Orientierung beizubehalten. Allerdings besteht hierbei die Gefahr der Kontamination der Raumanzüge mit toxischen Triebwerksabgasen, die bei Rückkehr in die Station in die Bordatmosphäre eindringen können. Die russische Seite lehnt diese Erklärung ab und behauptet, eine Undichtheit am Pirs-Modul sei für die unerwarteten Momente verantwortlich.
Quelle: James Oberg, Spacewalk thruster incident alarms NASA, MSNBC, 31.1.2005

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