Wappen von Prag Nürnbergs Partnerstadt seit 1990
Prag
Tschechische Republik

Einleitung

Prags Name verbindet sich mit den goldenen Zeitaltern der Astronomie. Ob Tycho Brahe und Johannes Kepler im 16./17. Jahrhundert oder Christian Doppler und Albert Einstein im 19./20. Jahrhundert, sie alle legten in dieser europäischen Metropole Grundsteine für eine moderne Astronomie.

Besonderheiten instrumenteller Art sind die Astronomische Uhr am Rathaus des Altstädter Markts, die Instrumente von Jost Buergi und Erasmus Habermel und anderer im Technischen Nationalmuseum.

Architektonisch ragt das barocke Klementinum heraus, ein früheres Jesuitenkolleg und heute Nationalbibliothek (u.a. mittelalterliche astronomische Handschriften, historische Sternwarte).

In Prag liegen Reisefacetten sehr eng beieinander. Gegenwart und Geschichte der Astronomie geben sich die Türklinke Hand in Hand. Viele Sehenswürdigkeiten liegen räumlich nah, so dass sich Spaziergänge und öffentliche Verkehrsmittel anbieten.

Unterwegs zwischen Burg und Astronomischer Uhr

Start einer astronomischen Besichtigung soll die Prager Burg sein. Am Anfang steht die Orientierung. Der Besucher erblickt von der Höhe die langsam fließende, breite Moldau am Fuß des Hügels. Der Blick geht zum Horizont und ordnet die Himmelsrichtungen zu. Der Besucher kann versuchen, Horizontastronomie zu betreiben und den Jahreslauf von Sonne und Sterne abschätzen.

Eigentlich fühlt sich der Besucher an die Situation vom Sonnenobservatorium im Deutschland liegenden Goseck erinnert: nur ist hier in Prag alles sehr viel größer: Der Bergrücken und das weite Tal mit dem Fluss. Kreisgrabenanlagen fanden Archäologen in der Prager Region ebenfalls, wie die Ausstellungsstücke im Schloss von Benatky dokumentieren. Seit der Frühgeschichte ist dies Gebiet um Prag bevölkert.

Die Prager Burg wurde im 9. Jahrhundert gegründet und alle Generationen hinterließen ihre Spuren an dem Bau. Die Funktion der Burg als Sitz des Herrschers blieb aber stets die gleiche. Heute ist sie die offizielle Residenz des Präsidenten der Tschechischen Republik.

Bei so viel Stolz auf eine so lange politische Geschichte nimmt es kein Wunder, dass auch mal überzeichnet wird. Die aufgehende Sonne als Symbol für eine neue gesellschaftliche Zeit ist bekannt. Die aufgehende Sonne gilt als zukunftsweisend; dagegen stimmt eine untergehende Sonne nachdenklich und traurig. Als die tschechoslowakische Post im Jahre 1918 eine Freimarkenserie herausgab, bildete sie die Prager Burg mit einer im Hintergrund stehenden Sonne ab. Die Sonne sollte die neue Republik und Freiheit symbolisieren. Astronomisch betrachtet konnte die Sonne, wenn überhaupt, nur untergehen, ein typischer Fehler auf Briefmarken; die Burg war in Nordwest-Richtung abgebildet worden. Spätere Briefmarkenausgaben mit ähnlichem Motiv zeigen nur eine allgemeine Aufhellung an der Stelle, wo die Sonne stand.

Während der Besucher den Weg bergab nimmt, geht sein Blick aufs andere Ufer flussabwärts, wo der Ortsteil Vysehrad, mit Prags zweiter Burg, liegt. Durch geistliche Einrichtungen, wie Kirchen und Kollegien, entwickelte sich Vysehrad zu einem Bildungszentrum. Hier betrieb man auch Astronomie. Es entsteht 1085 der Kodex von Vysehrad, sogenannter astronomischer Kodex, eine der ältesten bekannten romanischen Buchmalereien.

Wie oft mag Johannes Kepler von Zuhause aus den Königsweg über die Karlsbrücke, bis 1842 die einzige Verbindung über den Fluss, zum Hradschin gegangen sein?

Über die Karlsbrücke geht es nun zum Altstädter Brückenturm, der schönste gotische Brückenturm Europas. Der Turm steht auf dem ersten Brückenpfeiler der Karlsbrücke. Um 1380 fertig gestellt.

Die östliche Stirnseite birgt in sich eine astrologisch-kosmologische Symbolik. Es ist das ganze damals bekannte Weltall mit seiner Hierarchie zu erkennen. Unten ist figürlich der Mensch in seiner irdischen Sphäre dargestellt. Das Torgewölbe mit reichlich gotischer Verzierung verbildlicht die Mondsphäre, darüber befindet sich die Sonnensphäre mit der Zentralfigur des Heiligen Veit und den Statuen von Karl IV. und Wenzel IV. Das höchste Stockwerk veranschaulicht die Sternensphäre mit zwei irdischen Schutzheiligen - Adalbert und Siegmund. Ganz oben dann die Statue eines einschwänzigen, also astrologischen Löwen, keineswegs die eines doppelschwänzigen heraldischen Löwen.

Klementinum und Staatliche Nationalbibliothek

Gebaut von Jesuiten, die ab 1556 nach Prag geholt worden waren, errichtet über einem früheren Dominikanerkloster. Neben der Burg ist dies der größte Baukomplex Prags zunächst bestehend aus Druckerei, Schule, Bibliothek und Theater.

Für astronomische Beobachtungen wurde ein spezieller Turm errichtet, der 1722 fertig gestellt wurde. Noch zu identifizieren durch die Statue des Atlas, der auf den Schultern das Weltall trägt. Hier war lange Zeit das bedeutende astronomische und meteorologische Observatorium eingerichtet. Von diesem Turm aus wurden noch im 19. Jahrhundert astronomische Beobachtungen durchgeführt. Bis Anfang des letzten Jahrhunderts wurde von hier per Zeichen 12 Uhr mittags angezeigt und durch den Abschuss einer Kanone auf dem Letnahang der Bevölkerung akustisch verkündet. Inzwischen ging die Nachfolge der Astronomie auf die Sternwarte in Ondrejov über.

Heute beherbergt das Klementinum die Nationalbibliothek. Ihre Büchereien und Säle beherbergen große Mengen der berühmten astronomische Werke (z.B. von Tycho Brahe) und Instrumente (Erdgloben, Himmelsgloben, Armillarsphären, Sextanten, Quadranten, astronomische Uhren, Fernrohre usw.). Sehr bedeutend und historisch kostbar sind auch die Deckengemälde mit den astronomischen Symbolen.

Kepler-Museum

Seine Eröffnung erfolgte am 25.8.2009 während der Internationalen Kepler-Konferenz in Prag. Von 1607 bis 1612 wohnte Kepler in der Karlova im Haus Nr. 4 "Zur französischen Krone" (gegenüber des Klementinums). Ein kleiner Raum im Parterre, vom Innenhof zugänglich, zeigt, wie Johannes Kepler in Prag lebte und wirkte. In seiner 12jährigen Prager Zeit schuf er seine bedeutendsten Werke.

Die Herausgabe der "Astronomia Nova" erfolgte 1609 und bot 400 Jahre später Anlass ihn im Rahmen des Internationalen Jahres der Astronomie zu ehren. Zwei seiner nach ihm benannten Planetengesetze beschrieb er in seinem Werk.

Altstädter Turmuhr

Der Rathausturm ist 69,5 m hoch. Monumental nimmt sich dazu die Rathausuhr aus. Das schöne Meisterwerk wurde im Jahre 1410 vom Uhrwerkmeister Mikolás von Kadan (Nikolaus aus Kaaden, Erzgebirge) hergestellt. Im Jahre 1490 ist die Turmuhr vom Uhrwerkmeister Hanus ergänzt und vervollkommnet worden.

Die Turmdekoration ergänzen bewegliche Figuren. Zu jeder vollen Stunde von 8-20 Uhr defilieren oben in den zwei Fensterchen Figuren der 12 Apostel. Haupt- und wertvollste Teile der Turmuhr zeigen Zeit, Sonnen- und Mondposition über dem Prager Horizont und auf der Ekliptik, Mondphase und andere astronomische Angaben.

Unterhalb der astronomischen Sphäre befindet sich eine Allegorie von zwölf Monaten, die der tschechische Maler Josef Manes im Jahre 1865 geschaffen hat.

Teynkirche

Im Inneren befindet sich das Grab von Tycho Brahe. Laut Vertrag mit Dänemark ist es exterritoriales Gebiet und wird von Dänemark gepflegt. Der rotweiße Blumen- und Schleifenschmuck vor dem senkrecht stehenden Gedenkstein erinnert an die Nationalfarben Dänemarks.

Die Teynkirche entstand ab Mitte des 14. Jahrhunderts und 1511 beendet. Ihre Türme sind mehr als 70 m hoch.

"Die Chancen stehen gut, dass das Rätsel um den Tod des dänischen Astronomen im Jahr 1601 gelöst wird. Das Kulturamt im Prager Rathaus hat endlich die Erlaubnis erteilt, dass eine Gruppe von dänischen und tschechischen Experten Tycho Brahes Grab in der Teynkirche öffnen und seine Knochen-, Haar- und Kleidungsreste analysieren, schreibt die dänische Zeitung Politiken.

Dadurch hoffen die dänischen Experten die Frage beantworten zu können, ob Tycho Brahe an einer Quecksilbervergiftung starb oder ob er ermordet wurde.

Vor einigen Jahren hat ein schwedischer Professor ein Tagebuch gefunden, in dem ein entfernter Verwandter von Tycho Brahe, Erik Brahe, andeutet, den Astronomen vergiftet zu haben. "Ich freue mich, dass wir nun einen festen Termin für den Beginn unserer Arbeit haben." sagt der Archäologe Jens Vellev, der die dänische Forschergruppe leiten soll. Für Jens Vellev, Lektor an der Abteilung Mittelalter- und Renaissancearchäologie an der Universität Aarhus, war es ein langer Prozess, die Erlaubnis zur Öffnung des Grabes zu erhalten." (Quelle: Forskere må nu åbne Tycho Brahes grav, in Flensborg Avis, 4.2.2010, Seite 32, Übersetzung von Ragna Mewes)

Meridian

Am Altstädter Ring, der Platz zwischen Teynkirche und Altstädter Rathaus mit astronomischer Uhr, liegt ungefähr in der Platzmitte der sogenannte Prager Meridian. Er markiert die Stelle, wo im Mittelalter die genaue Ortszeit bestimmt wurde. Später fiel diese Aufgabe der Sternwarte im Klementinum zu. Zwischen beiden ergibt sich eine Zeitdifferenz von 1,5 Sekunden.

Früher stand hier eine 18 m hohe Mariensäule zur Erinnerung an die Habsburger und die Schlacht von 1620, 27 Herren hingerichtet. Ihr Schattenwurf diente der Zeitbestimmung. Ende des 1. Weltkrieges wurde die Säule zerstört.

Hradschin

Für die Prager ist der Hradschin nicht nur die Burg, sondern ein ganzer Stadtteil. In ihm liegen vor allen Dingen die Stätten, wo Johannes Kepler und Tycho Brahe zusammen arbeiteten. Trefflich dokumentiert dies das vom Bildhauer Jrzef Vajce geschaffene Kepler/Brahe-Denkmal an der Ecke Keplerova/Parierova. Es steht vorm Platz des ehemaligen Wohnhauses von Jacob Curtius, das Brahe nach seiner Ankunft in Prag bewohnte (von dem Gebüude sind nur noch unbedeutende Reste erhalten, heute steht hier das Johannes-Kepler- Gymnasium).

In der Straße "Novi Svet" (Neue Welt), Nummer 1, wohnte Tycho Brahe während des Umbaus des Curtius-Hauses, eine Tafel am Haus erinnert daran.

Brahe folgte am 13.10.1601 einer Einladung in den Schwarzenberg Palast, als er während der Mahlzeit erkrankte und wenig später verstarb.

Das Belvedere wurde für die Königin Anna in der östlichen Ecke des Königlichen Gartens von Kaiser Ferdinand I. errichtet. Der Bau aus der zweiten Hälfte des 16. Jh. gilt vielen als der schönste Renaissance-Bau nördlich der Alpen. Von hier aus beobachteten Brahe und Kepler gemeinsam.

Karlsuniversität

Sie wurde im Jahre 1348 durch den böhmischen König Karl IV. gegründet. Von Beginn an lehrte man hier Astronomie. Parallel dazu wurde hier auch Mathematik und Geometrie unterrichtet. Manchen böhmischen Astronomen wie Tadeús Hájek (Thaddaeus Hagecius ab Hagek wurde auch Thaddaeus Nemicus genannt) verdanken wir, dass in Prag so astronomische Persönlichkeiten wie Tycho Brahe und Johannes Kepler gearbeitet haben.

Die Karlsuniversität ist die älteste deutschsprachige Universität, man studierte Theologie, Astronomie und Philosophie (Anmerkung: Wien ist die zweitälteste, Heidelberg, 1386, die drittälteste deutschsprachige Universität).

Nationalmuseum

In seinen Sammlungen finden sich über 300 Stücke von Meteoriten wie Eisenmeteoriten, Steinmeteoriten und über 20 Mesosiderite. Darunter das Originalfundstück des in der Meteoritengeschichte erstmaligen Falles, dass der fotografierte Niedergang eines Meteoriten zu einem konkreten Fund führte.

Planetarium Prag

Unter einer 23,5 m Kuppel finden 210 Zuschauer Platz. Der Projektor ist das Cosmorama, ein Modell von Carl Zeiss - Jena. Auf internationale Besucher ist man eingestellt. Häufiger wird ein englischsprachiges Programm vorgeführt. Es ist das größte Planetarium in Tschechien.

Am 20. November 1960 wurde das Planetarium eröffnet. Schon der erste Projektor kam aus Jena und war bis 1988 im Einsatz. Heutzutage ist es im Planetariumsfoyer zu besichtigen. Dieses Foyer ist für Dauer- und Wechselausstellungen gestaltet. Mittels Schautafeln, einem Kleinprojektor ZKP-1 und Displays werden Sonderthemen präsentiert.

Die mediale Ausstattung des Planetariums geht viel weiter als Astrotrotter zunächst vermutet. Ein neuer Raum bietet Vorführungen mit Computeranimationen und Virtual Reality.

Organisatorisch sind das Planetarium, die Volkssternwarte und die Außensternwarte Dablice miteinander verbunden.

Stefanik-Sternwarte Prag

Die Sternwarte wurde durch die Böhmische astronomische Gesellschaft und die Stadt Prag als Volkssternwarte gegründet. Seit 1953 ist sie eine Einrichtung der Stadt Prag mit fest angestelltem Fachpersonal. Das Sternwartengebäude wurde in den Jahren 1928-33 errichtet und 1971-75 ausgebaut. Als Fundament dient die historische Mauer der Stadtbefestigung. Die Nordstützmauer und die Hauptkuppel sind durch die 600 Jahre alte "Hungermauer" mit dem Burgturm verbunden. Das Erdgeschoss des westlichen Flügels ist 200 Jahre alt. Der Rest vom Erdgeschoss und die Kuppel sind ca. 80 Jahre alt. Der erste Stock ist neu und wurde der Umgebung angepasst.

Die Ausstattung der Sternwarte ist gut. In der Westkuppel (Zapadni Kopule) steht das Spiegelteleskop vom Typ Maksutow-Cassegrain aus dem Jahre 1976. Mit 37 cm Ø ist es das größte Instrument der Sternwarte, das für Beobachtungen von Galaxien, Sternhaufen, Nebel usw. eingesetzt wird. Auf gleicher Montierung befestigt ist ein 13 cm Ø Refraktor mit 195 cm Brennweite, speziell für Sonnenbeobachtungen (Sonnenprisma) ausgerüstet.

In der Hauptkuppel (Hlavni Kopule) steht ein Zeiss-Doppelastrograph von 5 t Gewicht vom Anfang des 1900 Jahrhunderts, das 1928 von König gekauft wurde. Ein Mondkrater ist nach ihm benannt: Rudolf König, 1865-1927, österreichischer Selenograph, Musiker und Kaufmann, baute ein eigenes Observatorium und führte 47000 Messungen von Mondformationen durch. Krater: 24,1° S, 24,6° W; 23 km Ø; 2440 m Tiefe.

Es existiert noch das Originalobjektiv mit 18 cm Ø; die Brennweitenlänge beträgt 343 cm, Vergrößerungen sind zwischen dem 82- bis 335fachen möglich. Im 2. Weltkrieg war die Optik im Banksafe, eine Granate zerstörte den Tubus etwas. Der zweite Tubus enthält ein Objektiv von 200/3000 mm Brennweite. Es dient mit seinem Spezialokular mit Dunkelfilter zur Beobachtung der Sonnenflecken. Montiert ist noch ein drittes Fernrohr - ein Koronograph, der im Selbstbau erstellt worden ist. Er dient zur Beobachtung von Protuberanzen. Vierter Tubus besitzt 180 mm / 3500 mm Brennweite.

Benannt ist die Sternwarte nach dem slowakischen Astronomen Stefanik, (1880 - 1919). Er studierte Astronomie an der Karlsuniversität in Prag und promovierte mit dem Thema "Der neue Stern im Sternbild Kassiopeia aus dem Jahre 1572". Er war Mitarbeiter von 1904 - 1906 am Observatorium Meudon bei Paris und Mitglied mehrerer wissenschaftlicher Sonnenfinsternisexpeditionen. Ein Standbild von ihm, in voller Fliegermontur, steht vor der Sternwarte auf dem Petrin. Sie wurde 1994 nach ihm benannt.

Die Sternwarte popularisiert die Astronomie. Sie bietet tagsüber Sonnenbeobachtungen sowie Rundgänge durch ihren Ausstellungsbereich. Nachts wird so gut wie es geht, der Sternenhimmel erklärt.

Seit 1969 ist die kleine Sternwarte in Prag-Dablice organisatorisch angegliedert. Eine Außensternwarte für Beobachtungen liegt auf dem Klet, unweit von Cesky Krumlov (Südböhmen).

Technisches Nationalmuseum

Das Technische Nationalmuseum ist wegen Renovierungs- und Umbauarbeiten erst ab Herbst 2010 wieder geöffnet. Auf einige interessante Sammlungsstücke seien hier einige Dinge erwähnt, die in der alten Ausstellung zu sehen waren. Sie kamen aus den Bereichen Verkehr, Astronomie, Zeitmessung, Fotografie und Film sowie Maschinen- und Bergbau.

Die astronomischen Ausstellungsstücke befanden sich im 2. Flur. Hier waren astronomische Instrumente verschiedener Ausführungen aufbewahrt. Unter ihnen der im Jahre 1603 entstandene Globus von Bleau, ein Sextant von Habermel und zwei Sextanten von Brahe.

Ein Ausstellungsbereich zeigt die Typen- und Kunstmannigfaltigkeit an Sonnen- und Sternenuhren aus den führenden europäischen Zentren. Besonders vertreten sind die Hersteller aus Süddeutschland. Die Münchner Hersteller werden durch U. Schniep mit einer Diptychsonnenuhr aus dem Jahre 1577 sowie M. Purmann (Skafe-Sonnenuhr auf einer Halbkugel aus dem Jahre 1588) repräsentiert. Die Diptychsonnenuhr aus Elfenbein (um die Wende des 16. und 17. Jahrhunderts) würdigt die Hersteller aus Nürnberg. Weiterhin sind Arbeiten von K. und J. Karner (1622) sowie J. Gebhart (1557) zu sehen. Das bedeutendste Zentrum der Fertigung astronomischer und gnomonischer Geräte vom 16. bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts war Augsburg. Zu den bedeutendsten Herstellern, die dort tätig waren, gehört U. Klieber III., ausgestellt war seine horizontale Sonnenuhr mit der Figur eines Knappen. Im 17. und 18. Jh. spezialisierten sich die Augsburger Hersteller Hilleprand, Rugendas und Vogler auf die Fertigung von Äquatorial-Sonnenuhren.

Zu den bedeutenden Zentren der Fertigung astronomischer Geräte gehörte im 16. und 17 Jahrhundert auch Prag. Am Hof Rudolf II. waren hervorragende Konstrukteure wie Bürgi, Stolle, Emmoser und Habermel tätig. Von den Habermel-Arbeiten war die horizontale Sonnenuhr ausgestellt. Von den weiteren Bohemikern sind Barock-Sonnenuhren von J. J. Solms aus dem 18. Jh. von Bedeutung. Zur Wende des 18./19. Jh. fertigten J. und A. Engelbrecht in Mittelböhmen spezielle horizontale Sonnenuhren an.

Aufmerksamkeit verdienen auch die Arbeiten der Pariser Hersteller, die im 18. Jh. achteckige horizontale Sonnenuhren mit Gnomon in Form eines Vogels fertigten /Butterfield, Le Marie, Chapotot/. Unter den Sonnenuhren auf Vielflach sind die Sonnenuhren auf Würfel des Mathematikers Bion hervorzuheben.

Unter den Winkelmessgeräten tritt das spätgotische Astrolabium hervor, dem ältestes Gerät in dieser Sammlung. Es ist nicht gezeichnet und stammt aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Bedeutsam ist das universale Gerät - Torquetum aus dem 16. Jahrhundert. Eine Reihe von englischen Spiegelsextanten schließen diese Gruppe universeller Winkelmessgeräte gemeinsam für die Astronomie, Geodäsie und Navigation ab.

Die Darbietung der Entwicklungsreihe astrometrischer Geräte ist in ihrem Inhalt einmalig. Ein Sextant zweifellos ein Werk von J. Bürgi, gefertigt um die Wende des 16. und 17. Jh. Der zweite Sextant ist von E. Habermel in Prag 1600 gezeichnet. Mit diesen sogenannten Tychonsextanten arbeiteten Tycho Brahe und Johannes Kepler während ihres gemeinsamen Wirkens in Prag. Habermels Sextant diente als Vorlage P. Johann Klein zur Anfertigung seines Quadranten aus dem Jahre 1762. Interessant bei diesem Apparat sind die Zifferblätter zum Ablesen von Minuten und Sekunden. Durch eine praktische Handhabung (ohne jedwede Verzierungen) zeichnet sich der Quadrant des Würzburger Mechanikers J. G. Fellwöck aus dem Jahre 1766 aus. Dieses Gerät ist bereits mit einem Fernrohr und einem Mikrometer zur genauen Bestimmung der Winkel ausgestattet. Die Konstruktion der astrometrischen Geräte geht im 18. Jahrhundert von Sektoren zu Ganzkreisen über. So ein Gerät ist der Altazimut des englischen Konstrukteurs E. Troughton aus der Zeit um 1800. Die Entwicklungsreihe endet mit dem Durchgangsinstrument des A. Jaworski (um 1830) aus der Werkstatt des Wiener polytechnischen Institutes.

Schloss Benatky

In nordöstlicher Richtung, ca. 40 km von Prag entfernt, liegt der Ort Benatky nad Jizerou. Jizerou heißt soviel wie schnelles Wasser, soll an die viel größere Isar in München erinnern. Einheimische bezeichnen die Flussfront auch als Kleinvenedig.

Auf den Ruinen eines Klosters entstand ab 1526 ein Renaissanceschloss. 1597 verkaufte der Besitzer das Gut an Kaiser Rudolf II. In 1599 wählte Tycho Brahe das Schloss als Observatorium aus. Im Februar 1600 traf Johannes Kepler ein, um mit Brahe zusammen zu arbeiten. Im Sommer zog Brahe nach Prag zurück.
Zwischenzeitlich hatte Brahe Maßnahmen veranlasst gehabt, das Schloss zum Observatorium zu gestalten. Erhalten hat sich der sogenannte "Meridian von Benatky", 14° 59' 34", der 2006 im Rahmen der Museumsrenovierung als Metallschiene in den Fußboden eingelassen wurde. Wahrscheinlich benutzte Brahe die Fenster der Südseite für Beobachtungen mit kleinen Geräten. Heute zeugen Bilder, Modelle und Nachbauten von Brahes Geräten vom Wirken des Astronomen.

Ondrejov

Das Astronomische Institut der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik ist der direkte Nachfolger der Sternwarte im Klementinum in Prag, wo 1722 mit meteorologischen Aufzeichnungen begonnen worden war.

In 1898 baute J. J. Fric sich eine Privatsternwarte ca. 35 km südöstlich von Prag. Diese kam 1928 als Schenkung an den Staat und an die Karls Universität.

Da Ondrejov, auf ca. 500 m Höhe liegend, mehr ungestörte Beobachtungsmöglichkeiten als Prag bot, begann ab 1953 der Ausbau zu einer modernen Sternwarte. Größtes Instrument ist der 2-m-Spiegel von 1967, ein Schwesterinstrument von dem Spiegel in Tautenburg bei Jena. Die Einweihung erfolgte während der 13. Generalversammlung der Internationalen Astronomischen Union in Ondrejov. Schwerpunkte sind Sonnenforschung, Meteorbeobachtungen, Stellarphysik und Galaxienerforschung. Ein kleines Museum mit astronomischen Instrumenten zeigt die Entwicklung der letzten 100 Jahre.