Der Deutsche Peter Grünberg hat den diesjährigen Physiknobelpreis für die Entdeckung des Riesenmagnetowiderstands bekommen. Er teilt sich den Preis mit dem Franzosen Albert Fert, der in Paris-Orsay forscht. Grit Kienzlen hat Peter Grünberg heute Mittag gleich nach der Bekanntgabe am Forschungszentrum Jülich erreicht und ihm gratuliert.

Kienzlen: Herzlichen Glückwunsch zum Nobelpreis!

Grünberg: Dankeschön!

Kienzlen: Hat es Sie überrascht, heute diese Nachricht zu bekommen?

Grünberg: Teils überrascht, teils - ich hatte ja schon ein paar Preise vorher bekommen, und da hieß es ja immer, aber jetzt fehlt nur noch einer - insofern war man schon ein bisschen darauf eingestellt. Aber natürlich in der Endphase hatte es mich dann doch überrascht, wenn dann konkret die Ankündigung kommt und so, dann ist das doch auch eine Überraschung. Insofern ist es eigentlich beides.

Kienzlen: Was ist bei Ihnen los, im Augenblick, am Institut?

Grünberg: Ja, wir haben hier eine Gruppe, die ständig weiter anwächst, und wir trinken gerade ein Glas Sekt zusammen, und dann gehe ich mal ein bisschen rund, viele möchten mir gratulieren.

Kienzlen: Wenn sie mal zurückblicken, in die Zeit, in der Sie die Entdeckung gemacht haben. Wo stand die Technik damals? Und was war dann Ihr entscheidender Gedanke?

Grünberg: Also ich habe, als wir diese verschiedenen Effekte gefunden haben, habe ich zwar auch gleich gesagt, also das ist ein toller, neuer Effekt und der ist sicher auch interessant für Computer und für Festplattenlaufwerke. Hintergrund war eigentlich, dass ich in Köln eine Vorlesung gehalten habe, auch zu diesem Gegenstand, und daher auch so den ganzen Hintergrund kannte, über die Vorlesung. Und das hat dann letzten Endes auch dazu geführt, und das war sehr hilfreich bei der Patentanmeldung. Also ich würde sagen, die Computerentwicklung ist seitdem eigentlich kontinuierlich vorangegangen. Man hat an vielen Ecken verbessert und hat jetzt wirklich ein Produkt, das die Welt verändert, das muss ich auch sagen.

Kienzlen: Können Sie mir die entscheidende technische Entwicklung einmal beschreiben?

Grünberg: Also die entscheidende, was unsere Entdeckung angeht und was dann in den Computer eigentlich eingebaut worden ist, das betrifft die Kapazität der Festplattenlaufwerke. Und überhaupt die Speicherkapazität von Computern, die sich dadurch um den Faktor 50 etwa verbessert hat. Durch das Einführen von den Sensoren, auf dieser Basis. Das war die eigentliche entscheidende Entwicklung.

Kienzlen: Es ging da um Magnetsensoren. Können Sie es mir noch ein bisschen genauer beschreiben?

Grünberg: Ja, Magnetfeldsensoren sind solche, die Magnetfelder nachweisen. Ich meine, der einfachste Magnetfeld Sensor ist quasi ein Kompass, der vor allem auf die Richtung des Magnetfeldes reagiert. Und diese Magnetfeldsensoren, wo wir einen Beitrag leisten konnten, kann man äußerst klein bauen. Ein Kompass ist immerhin ein relativ großer Gegenstand, aber ein solcher Magnetfeldsensor nach diesem neuen Prinzip kann enorm klein gebaut werden, ohne dass er seine Empfindlichkeit verliert. Und das eignet sich eben bestens für Festplattenlaufwerke, wo die Information auch magnetisch gespeichert ist und dann in Form von Streufeldern außerhalb von der Platte vorhanden ist. Also diese Informationen, und die kann dann durch den Magnetfeldsensor aufgenommen und ausgelesen werden.

Kienzlen: Dieser Erfindung findet sich heute vermutlich in jedem Computer?

Grünberg: Ja, ja. Also ich meine, die Zahlen schwanken dann ein bisschen, manchmal liest man 95 Prozent der Computer, manchmal 90 Prozent, ich würde sagen, das ist auch gar nicht so wichtig. Es hat also wirklich zu dieser Verbesserung oder Erhöhung der Speicherkapazität, die auslesbar ist, man kann die natürlich auch in jedem Fall einlesen, aber wenn die Kapazität zu hoch ist, dann kann man die nicht mehr auslesen, das ist eben mit diesen Sensoren möglich geworden, dass man noch größere Kapazitäten auch wirklich auslesen und benutzen kann.

Kienzlen: Wo hat Sie ihre weitere Forschung hingeführt?

Grünberg: Zu vielen Details im Zusammenhang mit der Grundlagenforschung, was diese Dinge angeht. Die technische Entwicklung hat ja vor allem in Industrielabors stattgefunden. Zunächst einmal war das IBM, dann kamen die Japaner dazu, Koreaner inzwischen auch. Also diese technische Entwicklung, die wurde vor allem von der Industrie vorangetrieben. Im Zusammenhang damit gibt es eben auch sehr viele interessante Fragen aus der Grundlagenforschung, und auch im Zusammenhang mit der Quantenmechanik, Quantentheorie, viele Effekte kann man nur quantentheoretisch erklären, die da auftreten, und das gibt dann genügend Stoff für weitere Forschungen und Grundlagenforschung.

Kienzlen: Herr Grünberg, haben sie sich in selbst niemals überlegt, in die Industrie zu gehen, um ihre Ideen in die Praxis umzusetzen?

Grünberg: Ja, das wurde von der Industrie schon bestens durchgeführt. Entschuldigung, ich gebe Ihnen hier mal meinen Kollegen weiter....

Kienzlen: Und da hatte er noch einmal einen Anruf aus Stockholm bekommen, der Physiknobelpreisträger 2007 Peter Grünberg. Die Industrie habe ihn nie gereizt, sagte mir sein Pressesprecher noch. Grünberg wollte immer Grundlagenforschung machen. Eine Eigenschaft, die mit seinem Pariser Kollegen Albert Fert teilt, ebenso wie die Bodenständigkeit.