Berlin, Ortsteil Dahlem. Hier liegt das Fritz-Haber-Institut. Bis 2004 war Gerhard Ertl hier Direktor. Und bis zum Schluss hat man hier mit seinen Methoden gearbeitet.

So auch Tobias Hertel, ehemaliger Mitarbeiter des frisch gebackenen Nobelpreisträgers. Das Labor von Hertel ist kaum größer als ein Kinderzimmer. In der Mitte das Herzstück, die Vakuumkammer.

"Ein Blechtopf, an dem viele Pumpen dranhängen und die Luft raussaugen, Da sieht man einen kleinen schwarzen Teller, auf dem eine Probe aufgelegt ist."

Der Teller ist kaum größer als ein Fünf-Cent-Stück. Auf ihm die Probe, die Hertel untersuchen will: ein schwarzes Pulver bestehend aus langen Kohlenstoffmolekülen, Nanoröhrchen genannt.

"Wir schießen gezielt einen Gasstrom auf die Probe drauf, heizen dann diese Probe hoch und gucken, bei welchen Temperaturen diese Gase wieder von der Probe runterkommen. Daraus lernt man, wie fest die an die Probe gebunden sind."

Eine Probe in einen Stahltopf einschließen, die Luft herauspumpen, um die Probe frei von störenden Luftmolekülen untersuchen zu können, und zwar mit den unterschiedlichsten Verfahren: Genau das ist die Strategie, die Nobelpreisträger Ertl in den 60er und 70er Jahren maßgeblich mitentwickelt hat. Jetzt soll es losgehen, und Tobias Hertel bespricht mit seinem Kollegen Hendrik Ulbricht die letzten Details:

"Ich will da ein Gas, ein Alkalimetall, drauf adsorbieren, dass es haften bleibt auf der Oberfläche."

Die Nanoröhrchen sind winzig, gerade mal ein paar Millionstel Millimeter dick. Sie gelten als wesentliche Grundbausteine für die Nanotechnologie und sollen eines Tages schnellere Computerchips möglich machen, winzige Sensoren oder superharte Werkstoffe. Doch schon kleinste Verunreinigungen können sie unbrauchbar machen - deshalb der Aufwand mit dem Stahltopf, den kräftige Pumpen bis auf ein Vakuum leersaugen, wie es im Weltraum herrscht.

Hertel und Ulbricht wollen untersuchen, ob die Nanoröhrchen womöglich als winzige Gassensoren taugen. Dazu müssen sie ihre elektrische Leitfähigkeit steigern, und das versuchen die Forscher, indem sie die Röhrchen mit Natriumatomen spicken. Dazu hat Ulbricht ein Döschen mit Natrium in die Vakuumkammer gesetzt. Damit sich das Natrium auf die Nanoröhren niederschlagen kann, muss er es verdampfen.

Ulbricht: "Da muss ich jetzt einen bestimmten Strom durchschicken. Und das mach' ich jetzt. Da stelle ich sechs Ampere ein, das ist die Empfehlung der Herstellerfirma."

Hertel: "Da sehen wir in diesem Massenspektrum, dass sich bei der Masse 23 hier was tun wird. Das wird Natrium sein. Schauen Sie, da geht das jetzt hoch. Prima, funktioniert."

Das Natriumgas ist da, wo es hin soll - bei den Nanoröhren in der Vakuumkammer. Dennoch wandert Ulbrichts Blick nervös zu einem der Messinstrumente.

"Hier ist die Temperatur in Kelvin angezeigt. Und das sind immer noch 300 Kelvin. Das ist Raumtemperatur."

Eigentlich sollte die Anzeige auf 80 Kelvin stehen. Denn nur bei Eiseskälte bleiben die Natriumatome an den Nanoröhren haften. Vielleicht ist der Kühlschlauch verstopft. Mit Druck wollen ihn die Forscher wieder frei pusten.

Hertel: "Gib Gummi! Jetzt drehe ich das Ventil auf, und der Hendrik dreht den Druck in der Kanne ein bisschen hoch. Und jetzt hört er hoffentlich auf, sonst fliegt uns die Kanne um die Ohren. Mensch, ist doch ein Trauerspiel!"

Ulbricht muss den Kühlschlauch abnehmen und mit einer Pumpe leer saugen. Für heute wird's nichts mehr mit dem Experiment. Das zeigt: Die Methoden, die Gerhard Ertl entwickelt hat, sind zwar höchst effektiv - aber auch anspruchsvoll und zeitraubend.

Hertel: "Die wesentlichen Experimente geschehen in einem absolut verschwindenden Bruchteil der gesamten Zeit, vielleicht innerhalb von zwei, drei Tagen oder Nächten. Und der Rest der Zeit befasst sich mit dem Aufbau und mit anderen Dingen, die noch zu tun sind. Die Frustrationsschwelle muss schon sehr hoch sein."