Nobelpreis für Medizin 2014

John O'Keefe, May Britt Moser und Edvard Moser sind für ihre Arbeiten zur räumlichen Orientierung des menschlichen Gehirns ausgezeichnet worden. Das norwegische Ehepaar May-Britt und Edvard Moser sowie John O' Keefe (USA/ Großbritannien) fanden grundlegende Strukturen unseres Orientierungssinns.

Bereits 1971 hatte der Pionier auf dem Gebiet, John O'Keefe, der 1939 in New York geboren wurde, die ersten Komponenten des Navis entdeckt: Im Hippocampus von Ratten existieren sogenannte Ortszellen. In das Gehirn gesteckte dünne Elektroden zeigten: Die Zellen geben Signale ab, wenn sich die Nager einer im Hirn gespeicherten Landmarke nähern.

Im sogenannten entorhinalen Cortex des menschlichen Gehirns befinden sich Rasterzellen, die eine Art Koordinatensystem über die wahrgenommene Umgebung legen. Diese Zellen geben Signale ab, sobald ein Knotenpunkt erreicht wird; das hilft dem Menschen, Entfernungen abzuschätzen und den richtigen Weg zu finden. Genau diese Hirnteile werden bereits in einem frühen Stadium von Alzheimer zerstört. Dem Forscher war klar, dass dies nicht das komplette Navigationssystem sein konnte - zu klein schien der winzige Hippocampus der Nager. 1995 arbeiteten die Mosers einige Monate bei O'Keefe am University College in London und bezeichneten dies rückblickend als wichtigste Forschungszeit ihres Lebens. Sie fanden schließlich den Beweis, dass der Hippocampus die nötigen Ortsberechnungen nicht selbst erstellt. Er ist vielmehr eine Art Display für den eigentlichen Navigationsrechner im benachbarten entorhinalen Cortex.

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Nobelpreis für Physik 2014

Isamu Akasaki, Hiroshi Amano und Shuji Nakamura forschten über energiesparende LED-Leuchtmittel. Ihre Forschungsarbeiten werden nach Ansicht des Nobel-Komitees in den nächsten Jahren die komplette künstliche Beleuchtung revolutionieren.

Die drei gebürtigen Japaner Isamu Akasaki (85), Hiroshi Amano (54) und Shuji Nakamura (60) werden nach Ansicht des Nobel-Komitees in den nächsten Jahren die komplette künstliche Beleuchtung revolutionieren. Beispielsweise sorgen Leuchtdioden (LEDs) für das nötige Licht im Display des Telefons, wie in vielen Computern und Fernsehern auch.

LEDs verbrauchen nur etwa ein Viertel so viel Strom wie Energiesparlampen, halten zehnmal länger und lassen sich mit einfachen Solarmodulen laden. Dies käme auch vielen Menschen in Regionen auf der Welt zugute, die noch immer ohne Stromnetz leben.

Rund drei Jahrzehnte lang hatten viele Forscher versucht, weißes LED-Licht zu produzieren. Leuchtdioden können immer nur Licht genau einer Farbe aussenden, weißes Licht ist jedoch eine Mischung mehrerer Farben: Um es zu bekommen, muss man Rot, Grün und Blau mischen. Die Farbe einer LED hängt von den verwendeten Halbleitermaterialien ab. Rote und grüne LEDs gibt es seit den 1960er Jahren. Schon früh war zudem klar, dass Galliumnitrid ein vielversprechendes Material für blaue Leuchtdioden war. Doch es schien lange unmöglich, Galliumnitrid-Kristalle in der nötigen Qualität zu züchten, bis jetzt die Nobelpreisträger den Durchbruch schafften.

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Nobelpreis für Chemie 2014

Stefan Hell, Eric Betzig und William Moerner entwickelten superauflösende Fluoreszenzmikroskopie. Dies erlaubt exakte Blicke zum Beispiel in lebende Zellen – in Echtzeit. So ist beobachtbar, wie sich Eiweiße bei der Entstehung von Krankheiten wie Alzheimer oder Parkinson zusammenlagern.

Der 51-jährige deutsche Hell, tätig am Max-Planck-Institut (MPI) für biophysikalische Chemie in Göttingen, stimulierte in seinem Mikroskop winzige Untersuchungsobjekte mit Hilfe von Laserstrahlen zur Fluoreszenz — sie leuchteten dann selbst. Die US-amerikanischen Forscher Betzig und Moerner entwickelten unabhängig davon eine ähnliche Technik.

Erstmals seit Erfindung des Mikroskops im 16. Jahrhundert konnte mit abgewandelter Fluoreszenzmikroskopie und mit Tricks die Beschränkung der Lichtmikroskopie schließlich umgangen und die Auflösung drastisch erhöht werden. Mit guten Lichtmikroskopen ließen sich zwar seit Jahrzehnten Konturen lebender Zellen betrachten. Die wenige Nanometer großen Proteine in den Zellen und selbst viele Zellorgane blieben den Lichtmikroskopen indes verborgen. Etwas Abhilfe schufen Elektronenmikroskope, die bis in den Nanometerbereich auflösen, für lebende Strukturen aber viel zu zerstörerisch sind.

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Nobelpreis für Literatur 2014

Patrick Modiano beschreibe in seinem literarischen Werk, die Erinnerung, das Vergessen, die Identität und Schuld. Modiano beherrsche die Kunst der Erinnerung, mit der er die unbegreiflichsten menschlichen Schicksale wachgerufen habe, so die Jury.

Der Franzose Modiano, Jahrgang 1945, geboren in Boulogne-Billancourt bei Paris, erhält den Preis für sein Lebenswerk. Er hat rund 30 Bücher veröffentlicht. Zuletzt erschienen in deutscher Übersetzung die Romane „Im Café der verlorenen Jugend“ (2012), „Der Horizont“ (2013) und „Gräser der Nacht" (in Vorbereitung 2014). Er ist ein Geschichtenerzähler, der bereits Literaturpreise erhielt wie den Prix Goncourt und den Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur.

Patrick Modianos Erstlingswerk, „Place de l’ Étoile“, erschien in 1968 (erst 2010 in deutscher Sprache veröffentlicht). Die meisten seiner Romane spielen im Frankreich der Nachkriegszeit oder während der Besatzung durch Deutschland, die Modianos Familiengeschichte geprägt hat. Wie sehr, zeigt sein Roman „Dora Bruder“. Darin recherchiert er einen tatsächlichen Vorfall, das Verschwinden eines jüdischen Mädchens im Krieg.

Sein literarisches Programm hat Patrick Modiano im autobiografischen Roman „Familienstammbuch“ erklärt, indem er es dem Buch voranstellte: „Leben heißt, beharrlich einer Erinnerung nachzuspüren“. Seitdem gilt er als Detektiv der Vergangenheit und Meister der Erinnerung. Er selbst hält sich dagegen nicht für einen klassischen Romanautor. Er beschreibe „eher etwas wackelige Dinge, Träumereien, die vom Imaginären herkommen“, heißt es von ihm.

„Ich versuche, bei den Menschen und den Dingen die Schicht des Vergessens zu durchstoßen.“ Seine Sprache ist sparsam, lakonisch, klar strukturiert, bestimmte Motive kehren in seinem Werk immer wieder: Es geht um Krieg und Tod, Schuld und Vergessen, die Suche nach dem Ich, der eigenen Herkunft und nach Halt in einer haltlosen Welt. „Ich bin nichts. Nichts als eine klare Silhouette“, beginnt der Roman „Die Gassen der dunklen Läden“.

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Nobelpreis für Frieden 2014

Malala Yousafzai und Kailash Satyarthi sind die diesjährigen Friedensnobelpreisträger. Sie kämpfen gegen die Unterdrückung von Kindern und Jugendlichen in ihren Ländern und für das Recht aller Kinder auf Bildung.

Malal Yousafzai ist eine Muslimin aus Pakistan im Alter von 17 Jahren. Kailash Satyarthi ist ein Hindu aus Indien im Alter von 60 Jahren. So ungleich ihre persönlichen Lebensläufe und Erfahrungen sind, so sind sie doch vereint im Engagement gegen die Verletzung der Rechte von Kindern. Besonders in Konfliktgebieten dreht sich eine Spirale von Gewalt, die sich von Generation zu Generation fortsetzt. Dies zu durchbrechen, auf seine Art und Weise, zeichnet die Zwei aus.

Dabei mussten beide immer wieder Rückschläge hinnehmen. Malala Yousafzai wurde von zwei Taliban-Kämpfern auf dem Weg zur Schule in den Kopf geschossen. Sie überlebte knapp, ließ sich nicht entmutigen und setzte ihr Engagement fort.

Kailash Satyarthi engagiert sich mit friedlichen und dennoch konsequenten Protestaktionen gegen die Ausbeutung von Kindern. Seine Kindermärsche durch Indien, einer ging sogar um die ganze Welt, haben so manches schlechte Gewissen geweckt. Tausende Male stürmte Satyarthi mit den Mitarbeitern seiner Organisation Bachpan Bachao Andolan (Bewegung zur Rettung der Kindheit) Häuser und Fabriken, um bei den Blitzaktionen Kinder zu befreien.

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Nobelpreis für Wirtschaft 2014

Jean Tirole analysierte die Marktmechanismen im Bereich übermächtiger Firmen und die Regulierungsmöglichkeiten durch die Politik so gut wie kaum ein anderer. Tirole sei „einer der größten lebenden Ökonomen“, so Jury-Chef Tore Ellingsen. Den Nobelpreis erhielt erstmals seit 15 Jahren kein US-Ökonom.

Jean Tirole kommt aus Frankreich, Jahrgang 1953, ist promovierter Mathematiker und lehrt zurzeit an der School of Economics im südfranzösischen Toulouse, der er auch als Präsident vorsteht. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten gehören Banken- und Finanzwesen sowie psychologische Aspekte der Wirtschaftswissenschaft.

Zuvor hatte der Industrieökonom selbst jahrelang in den USA gearbeitet. Am US-amerikanischen Massachusetts Institute of Technology (MIT) erwarb er einen Ph.D. (Doktorgrad in englischsprachigen Ländern) in Wirtschaftswissenschaften. In seinem Werk „Industrieökonomie“, analysiert er strategische Entscheidungen wirtschaftlicher Akteure abhängig von Marktstrukturen. Tirole geht davon aus, dass die marktbeherrschende Stellung von Firmen nachteilig für eine Gesellschaft sein kann: Kunden müssen höhere Preise zahlen als bei einem Konkurrenzkampf, außerdem kann eingeschränkter Wettbewerb die Innovationsleistung und damit den Fortschritt bremsen.

Er spricht sich für eine Regulierung von Monopolen aus. Es gibt dabei keine Patentrezepte wie Preisobergrenzen oder Kooperationsverbote für Wettbewerber. Tirole plädiert für eine Wettbewerbspolitik, die die speziellen Umstände einer Industrie berücksichtigt, auch unter internationalen Aspekten. Anwendbar ist dies beispielsweise auf den Technologiebereich mit einer Dominanz von Microsoft oder Google, aber auch auf die Erfahrung der Finanzkrise, bei der Banken, die als systemrelevant („too big to fail“) galten, mit Hilfe staatlicher Garantien gerettet werden mussten — weil die Finanzmarktregulierung nicht funktioniert hatte.

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