Nobelpreis für Medizin 2009

Drei Preisträger erhalten den Medizinnobelpreis zu gleichen Teilen. Sie forschten über das Thema, wie Alterungsprozesse der Zellen ablaufen.
Jack Szostak, *9.11.1952 London, in USA als Molekularbiologe tätig.
Elizabeth Helen Blackburn, *26.11.1948 Hobart (Tasmanien), australisch-amerikanische Wissenschaftlerin.
Carol W. Greider, *15.4.1961 San Diego, Kalifornien, USA

Die bedeutsame Entdeckung begann 1982. Sie fanden heraus, dass die Chromosomen durch Telomere und das Enzym Telomerase geschützt werden.

Telomerase ist ein Enzym, das die Alterung reguliert. Entdeckt wurde es zunächst in einzelligen Organismen, später auch in allen anderen Organismen, die Zellen mit Kernen haben. Folglich tritt es ebenso beim Menschen auf. Ausgewachsene Zellen beginnen zu altern, wenn nicht mehr ausreichend Telomere vorhanden sind. Dann ist die Telomerase nur noch gering aktiv oder überhaupt nicht mehr. Eine mögliche Gegentherapie sähe vor, dass man die Zellen erneut aktiviert, um so eine zweite, unbegrenzte Zellteilung zu starten. Dies könnte die Lebenserwartung steigern.

Der Nachteil einer aktiven Telomerase liegt darin, dass das Risiko einer Krebszellenbildung herauf gesetzt wird. Krebszellen besitzen aktive Telomerase, können sich unbegrenzt teilen und wuchern unkontrolliert. Therapien von Krebs gehen in die Richtung, die Telomerase-Aktivität in Tumorzellen herab zu setzen. Die Krebszelle altert wie eine normale Körperzelle.

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Nobelpreis für Physik 2009

Drei Preisträger teilen sich den Physiknobelpreis: eine Hälfte geht an Charles K. Kao und die andere Hälfte an Boyle und Smith.

Charles Kuen Kao, *4.11.1933 Shanghai, chinesischer Physiker, studierte in England, wo er auch seine wissenschaftliche Laufbahn begann.

Er erhielt den Physiknobelpreis für bahnbrechende Erfolge auf dem Gebiet der Lichtleitung mittels Fiberoptik für optische Kommunikation. Er forschte über Optische Nachrichtenübertragung mittels Infrarot und schickte erstmals Datensignale aus Licht über einen Leiter aus Glas. Jedoch waren zu jener Zeit die Verunreinigungen der Glasfasern noch zu groß und nicht zu vermeiden, so dass erst ab 1970 ein qualitativ gutes Glas zur Verfügung stand, was der Entwicklung einen rasanten Fortschritt brachte.

Willard Sterling Boyle, *19.8.1924 Amherst/Nova Scotia, kanadischer Physiker
George Elwood Smith, *10.5.1930 White Plains, USA

Sie erhalten den Preis für die gemeinsame Erfindung der ladungsgekoppelten Bauteile (Charge-Coupled Device - CCD). Ihre wichtige Entdeckung erfolgte in den Jahren ab 1964 bei den Bell Laboratories, Murray Hill, NJ, USA, wo beide an der Entwicklung neuer integrierter Schaltkreise mitarbeiteten. 1969 erfanden sie die CCD-Technik.

Mit der CCD-Technik können Daten gespeichert werden. Ein CCD besteht aus einer Kette von Kondensatoren, deren gespeicherter elektrischer Inhalt an die nächste Zelle weitergegeben wird. Sind Zellen beispielsweise mit Photodioden kombiniert, entsteht ein CCD-Fotosensor. Verwendung finden sie hauptsächlich als Bildsensor bei Videokameras, Scannern und digitalen Fotoapparaten. Seit ca. 1983 werden CCD-Sensoren auch als Bildsensoren in der Astronomie und der Satellitenfernerkundung eingesetzt.

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Nobelpreis für Chemie 2009

Drei Preisträger erhalten den Chemienobelpreis 2009 zu gleichen Teilen.
Ada Yonath, *22.6.1939 Jerusalem, israelische Biologin am Weizmann-Institut für Wissenschaften in Rechowot, Israel
Venkatraman Ramakrishnan, *1952 Chidambaram (Tamil Nadu), indischer Biologe aus Cambridge
Thomas A. Steitz, *23.8.1940 Milwaukee, Wisconsin, USA, amerikanischer Biologe von der Yale-Universität

Sie forschten über eines der aktuellsten Felder in der Molekularbiologie, den Ribosomen. Das heißt, sie haben einen der grundlegenden Mechanismen der Biologie und des Lebens entschlüsselt: die Übersetzung von Erbinformation in die Grundbausteine der Zelle.

Den Startschuss für die Entschlüsselung der Ribosomenstruktur gab Ada Yonath Anfang der achtziger Jahre. Damals arbeitete sie am Max-Planck-Institut für molekulare Genetik in Berlin, züchtete dort die ersten Ribosomen-Kristalle. Am Hamburger DESY (Deutsches Elektronen Synchrotron) wurden die Beugungsmessungen gemacht. Sie züchtete aus Ribosomen Kristalle, mit denen man schrittweise ihre Struktur entschlüsseln konnte. Diese Kristalle beleuchtet man mit Röntgenstrahlen. Anhand der Beugungsmuster kann man auf die räumliche Struktur zurückschließen. Thomas Steitz und Ramakrishnan erforschten andere Strukturbereiche. Die endgültige atomare Struktur des Ribosoms lag erst im Jahr 2000 vor. Mit der genauen Kenntnis der Ribosomen-Struktur kann man neue Antibiotika gezielt designen. Im ständigen Wettlauf gegen immer neue resistente Bakterienstämme ist das ein enormer Vorteil.

Hauptaugenmerk sind die Proteine in den Zellen. Es gibt kaum eine Aufgabe, die sie nicht erledigen: Sie bestimmen die Beschaffenheit von Gewebe, kontrollieren biochemische Reaktionen in Lebewesen, sie zerlegen Nahrung, transportieren Stoffe, steuern als Hormone Vorgänge im Körper. Jedes Protein hat seine Aufgabe. Jedes Protein ist ein Werkzeug. Und die Zelle baut sich ihre Werkzeuge selbst. Dafür hat sie ihre Fabriken - die Ribosomen. Doch wie wird aus Genen ein Protein?

Der Mechanismus der Proteinherstellung läuft so ab: Da die Ribosomen nicht im Zellkern sitzen, wo die Erbinformation liegt, muss zunächst die Information zu ihnen gelangen. Das besorgt ein Botenmolekül, die mRNA (m steht für messenger, englisch Bote). An den mRNA-Strang heftet sich das Ribosom an. Jeweils drei Genbuchstaben auf der mRNA sind der Code für eine bestimmte Aminosäure, die Bausteine der Proteine. Die Ribosomen lesen die Abfolge mit Hilfe kleiner RNA-Moleküle und heften nun jeweils die richtigen Aminosäuren aneinander. So entsteht schließlich ein bestimmtes Protein mit seiner ganz speziellen Aminosäure-Abfolge.

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Nobelpreis für Literatur 2009

Herta Müller, *17.8.1953 Nitzkydorf (Banat, Rumänien), eine rumäniendeutsche Schriftstellerin, die 1987 Rumänien verließ und in Berlin lebt.

Gewürdigt wurde sie für ihre Werke, "die mittels Verdichtung der Poesie und Sachlichkeit der Prosa Landschaften der Heimatlosigkeit zeichnen". Rund 18 Bücher in 27 Jahren veröffentlichte sie, in denen sie über das Leben des Individuum in einer Diktatur schreibt. Der Kampf darum, nicht das Eigene zu verlieren und sich nicht durch die Sprache unterdrücken zu lassen. Sie litt unter der Verfolgung des Regimes Ceausescus. In ihrer Stockholmer Nobelpreis-Vorlesung sagte sie, sie wolle mit ihren Texten ausdrücken, wie Diktaturen Menschen ihrer Würde beraubten. Sie habe „auf die Angst vor dem Tod mit einem Durst nach Leben“ reagiert.

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Nobelpreis für Frieden 2009

Barack Obama, * 4. August 1961 Honolulu, Hawaii, 44. Präsident der Vereinigten Staaten. Der Jurist und Politiker der Demokratischen Partei ist amerikanisch-kenianischer Abstammung und damit der erste Afroamerikaner in diesem Amt.

Das Nobelpreiskomitee zeichnet Obama für seine weltumspannende Politikänderung aus. Man würdige den Geist von Dialog, Entspannung und Diplomatie in der Politik Obamas, heißt es. Das Komitee ahnte offenbar, dass es bis zu wirklichen Friedens-Ergebnissen des US-Präsidenten noch ein steiniger Weg sein würde - und versteht deshalb die Ehrung in erster Linie als Ansporn. Der Präsident ist erst seit dem 20. Januar 2009 im Amt. Festzuhalten ist nach einem Jahr, dass die Welt sicherer geworden ist, seit Obama regiert. Sicherer deshalb, weil im Weißen Haus nicht mehr neokonservative und neoliberale Ideologen den Ton angeben, sondern die US-Politik wieder stärker von Rationalität und Diplomatie geprägt wird.

Kritiker dieser Nobelpreisverleihung verwunderte vor allem der Zeitpunkt der Auszeichnung, denn die Afghanistan-Politik des Weißen Hauses konnte es nicht beeinflussen. Die Zahl der Soldaten in Afghanistan steigt von 34000 bei Obamas Amtsantritt auf rund 100 000 im Jahr 2010. Obama muß versuchen, sein akutes Glaubwürdigkeits-Dilemma mit der einzig denkbaren These auszuhebeln: Zum Frieden geht es manchmal nur über den Krieg. Barack Obama ist kein Pazifist.

"... den Preis zu geben, entwertet die Ehrung und tut ihm nicht gut", kommentierte das Wirtschaftsmagazin Forbes und fügt an: " Der Preis ist in den letzten Jahrzehnten an einige dubiose Kandidaten gegangen, aber diese haben immerhin ihre Preiswürdigkeit durch Taten und nicht nur durch Worte demonstriert." Obama räumte selbst ein, dass er sich diese Auszeichnung erst verdienen müsse.

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Nobelpreis für Wirtschaft 2009

Der Preis geht zu gleichen Teilen an zwei Gewinner:
Elinor Ostrom, *7.8.1933 Los Angeles, Kalifornien, USA
Oliver Eaton Williamson, *27.9.1932 Superior, Wisconsin, USA

Elinor Ostrom ist die erste Frau, der der Wirtschaftsnobelpreis zuerkannt wurde. Sie erhielt den Preis "für ihre Analyse ökonomischen Handelns im Bereich der Gemeinschaftsgüter". Sie ist führend in der Erforschung der Umweltökonomie. Sie forscht über die Bewirtschaftung von Ökosystemen wie Fischereiwirtschaft, Bewässerungssystemen, Wald- und Weidewirtschaft und ihre Rückkopplung auf Individuen.

Williamson, amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler, Professor für Volkswirtschaftslehre und Professor für Rechtswissenschaft an der Universität von Kalifornien in Berkely . Er erhielt den Preis "für seine Analysen ökonomischen Handelns im firmeninternen Bereich". Er wurde bekannt als Institutionsökonom mit Schwerpunkt Transaktionskostenökonomie.

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