Nobelpreis für Medizin 2007

Icon Textblatt Interview mit Prof. Martin Hrabe de Angelis Quelle: DLF 8.10.2007 16:50 Uhr
Icon Textblatt Produktion von Knock Out Mäusen Quelle: DLF 8.10.2007 16:46 Uhr

Der Nobelpreis für Medizin 2007 geht an drei Genetiker, deren Methoden halfen, Krankheiten wie Diabetes und Bluthochdruck zu erklären. Die Ehrungen erhalten die zwei US-Genforscher Mario R. Capecchi (70 Jahre) und Oliver Smithies (82) sowie der Brite Martin J. Evans (66). Ihre Forschungen begannen in den 80er Jahren und führten zu inzwischen 500 Tiermodellen, an denen Gendefekte studiert werden können.

Der "Forschertrick" besteht darin, bei Mäusen zu erforschen, welches Gen welche Aufgaben hat, in dem das zu untersuchende Gen in der Maus zerstört wird: an die Stelle des natürlichen Gens wird ein künstliches, inaktives Erbgut eingebracht und der Forscher schaut, was dann passiert. Die Folgen des Gen-Ausfalls zeigen, welche Aufgabe die betreffende Erbanlage im gesunden Tier hat.

Säugetiere besitzen viele tausende Gene. An Menschen verbieten sich Experimente zu ihrer Erforschung. Mausmodelle oder "Knock-Out-Maus" stehen stellvertretend für den Menschen. Überprüfen lassen sich Wirkungen neuer Medikamente. Beantwortet werden können Fragen nach einer Gentherapie.

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Nobelpreis für Physik 2007

Icon Textblatt zur Arbeit Quelle: DLF 9.10.2007 16:46 Uhr
Icon Textblatt Interview mit Peter Grünberg Quelle: DLF 9.10.2007 16:35 Uhr

Nobelpreisträger für Physik sind der Deutsche Peter Grünberg (68 Jahre) und der Franzose Albert Fert (69). Beide erhielten den Nobelpreis für ihre voneinander unabhängige, fast gleichzeitig gemachte Entdeckung einer "riesenmagnetischen Resonanz". Diese Entdeckung ermöglichte größere Festplatten in der digitalen Verarbeitung wie den Computern.

Peter Grünberg wurde bereits vorher als aussichtsreicher Kandidat für den Physik-Nobelpreis gehandelt. In seiner Sendung "Nach dem Nobelpreis ist vor dem Nobelpreis", hieß es im Deutschlandradio, AKTUELL, 24.9.2007: "1986 untersuchte Grünberg magnetische Schichten, die wie ein Sandwich aufgebaut sind: zwei Eisenfilme getrennt durch eine hauchdünne Chromschicht. Er stieß auf einen ungewöhnlichen physikalischen Effekt, die "riesenmagnetische Resonanz". Das Phänomen trat eine Revolution in der Speichertechnik los und ist mit verantwortlich für die respektable Kapazität heutiger Festplatten. Mit seiner Entdeckung begründete Grünberg einen neuen Forschungszweig, Spintronik genannt. Sie verspricht unter anderem Computer, die auch beim Totalabsturz ihr digitales Gedächtnis nicht verlieren".

Die Entdeckung der riesenmagnetischen Resonanz gelang Grünberg im Forschungszentrum Jülich in Nordrhein-Westfalen, wo er 30 Jahre lange arbeitete, bevor er 2004 offiziell in den Ruhestand wechselte. Nach wie vor hat er einen Büroplatz dort und will einen Teil der 1,1 Millionen Euro des Nobelpreises für seine Arbeit einsetzen (Nürnberger Nachrichten, 10.10.2007)

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Nobelpreis für Chemie 2007

Icon Textblatt zur Arbeit Quelle: DLF 10.10.2007 16:45 Uhr
Icon Textblatt Interview mit Gerhard Ertl Quelle: DLF 10.10.2007 16:36 Uhr

Der Nobelpreis für Chemie 2007 geht an den Deutschen Gerhard Ertl (71 Jahre) für seine Forschungen chemischer Verfahren auf festen Oberflächen. Die Verleihung ehrt seine grundlegenden Arbeiten, die für die chemische Industrie wichtig sind und u.a. für das "Verständnis so unterschiedlicher Vorgänge wie das Rosten von Eisen, das Funktionieren von Brennstoffzellen und die Wirkung eines Katalysators im Auto. Oberflächenchemische Katalysatoren sind in vielen industriellen Verfahren ausschlaggebend, unter anderem bei der Herstellung von Kunstdünger. Mit der Oberflächenchemie lässt sich sogar der Abbau der Ozonschicht erklären, da entscheidende Schritte in der Reaktion ausgerechnet auf der Oberfläche kleiner Eiskristalle in der Stratosphäre erfolgen. Die Halbleiterindustrie stellt einen weiteren Bereich dar, der von der Wissenschaft der Oberflächenchemie abhängig ist" (aus der Erklärung des Nobelpreiskomitees).

Gerhard Ertl ist Professor Emeritus am Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft, Berlin, Deutschland.

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Nobelpreis für Literatur 2007

Icon Textblatt zur Arbeit Quelle: DLF 11.10.2007 17:38 Uhr

Der Nobelpreis für Literatur 2007 geht an die Engländerin Doris Lessing (88 Jahre), "der Epikerin weiblicher Erfahrung, die sich mit Skepsis, Leidenschaft und visionärer Kraft eine zersplitterte Zivilisation zur Prüfung vorgenommen hat".

Sie wurde als Doris May Tayler im damaligen Persien geboren. Ihre Familie zog 1925 ins heutige Simbabwe. Dort erlebte sie eine schwierige und unglückliche Kindheit, die sich auch in den Texten der Autorin über das Leben in britischen Kolonien Afrikas widerspiegeln. Ihre zwei Ehen wurden geschieden.

Ihr erster Roman, The Grass is Singing (auf deutsch: Afrikanische Tragödie), erschien 1949 in London. "Das goldene Notizbuch", 1961 publiziert, gilt als eines ihrer Hauptwerke. Form und Inhalt des Romans überzeugen auch heutzutage. Auf ihn berufen sich viele Feministinnen. 1982 distanzierte sich Doris Lessing von dieser Sichtweise.

Lessings Werk umfaßt über 50 Bücher und ist keinesweg abgeschlossen, sondern sie schreibt weiter: Ihr neuer Roman, "Die Kluft", behandelt wieder einmal das verzwickte Verhältnis von Männern und Frauen. Sie selbst bezeichnet sich als Geschichtenerzählerin und nicht als Thematikerin. Sie ließ sich nie vor den Karren anderer spannen. So wandte sie sich auch vom Kommunismus ab, als die sowjetischen Truppen in Ungarn einmarschierten.

"Auf die Frage, welches ihrer Werke sie als das wichtigste ansehe, nannte Lessing die Romane des Zyklus Canopus in Argos. Diese Bücher gründen sich zum Teil auf die Weltsicht der Sufis bzw. des Sufismus, zu der Lessing auf Vermittlung von Idreis Shah gelangte. Auch schon frühere Werke zeigen einen Anklang an dieses Thema, z.B. "Briefing for a Descent into Hell" und "Memories of a Survivor". Verschiedene Kritiker vergleichen Doris Lessing mit Virginia Woolf und nennen sie beide die großen Frauen der englischen Literatur des 20. Jahrhunderts." (Wikipedia)

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Nobelpreis für Frieden 2007

Icon Textblatt Kommentar von Günter Hetzke Quelle: DLF 12.10.2007 19:12 Uhr

Der Friedensnobelpreis geht zu gleichen Teilen an die Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) (Zwischenstaatlicher Ausschuss zum Klimawandel) und Albert Arnold (Al) Gore Jr. für Ihre Bemühungen, die erdklimatischen Bedingungen zu erforschen und die Menschheit darüber aufzuklären.

IPCC ist der UN-Weltklimarat, der in seinen mehrbändigen Sachstandsberichten über den Klimawandel informierte. Rund 2000 Wissenschaftler aus aller Welt arbeiten mit, beispielsweise an Strategien wie der weltweite Ausstoß von Treibhausgasen verringert werden kann. Die Erderwärmung sei mit größter Wahrscheinlichkeit auf den Menschen zurückzuführen.

Die Warnungen des IPCC könnten zu nachhaltigem Wandel bei den Berichterstattungen in den Medien und im Verständnis der Politiker führen. Angesichts der Erderwärmung gründeten zwei UN-Organisationen im Jahr 1988 den Weltklimarat IPCC, der inzwischen fast 200 Mitgliedsländer hat. Er soll aufzeigen, wie sich der Klimawandel auf Natur und Mensch auswirkt, wie er gebremst werden kann und welche Anpassungsstrategien es gibt.

Das Gremium mit Sitz in Genf forscht dabei nicht selbst, sondern sammelt wissenschaftliche Daten und wertet sie aus. Bislang hat es 1990, 1995, 2001 und 2007 umfassende Berichte veröffentlicht. Am 5.Report, dessen drei Teile 2013 und 2014 veröffentlicht wurden und noch werden, sind insgesamt über 830 ehrenamtlich arbeitende Hauptautoren beteiligt.

Ins Leben gerufen hatten ihn das UN-Umweltprogramm (UNEP) und die Weltwetterorganisation (WMO). Der IPCC und seine Arbeit sind so erfolgreich, dass nach diesem Vorbild 2012 auch der Weltrat für Biologische Vielfalt IPBES initiiert wurde. dpa

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Nobelpreis für Wirtschaft 2007

Fast schon "natürlich" ging der Nobelpreis für Wirtschaft 2007 in die USA. Zu gleichen Teilen erhielten ihn Leonid Hurwicz, Roger Myerson und Eric Maskin. Sie versuchten in spieltheoretischen Modellen zu beschreiben, wie ein Markt funktioniert, dessen Informationen nicht allen Marktteilnehmern zur Verfügung stehen. Das Spiel von Angebot und Nachfrage im klassischen Sinne funktioniert heutzutage nicht mehr, da die Informationen ungleich verteilt sind. Hurwicz gilt als Begründer einer neuen Theorie, die einen gewissen Gewinn zum Beispiel bei einer Preisgestaltung akzeptiert, um so dem Marktteilnehmer zu einer Bekanntgabe seiner Preisinformationen zu motivieren. Maskin und Myerson entwickelten die Theorie weiter.

Hurwicz ist mit 90 Jahren der älteste Nobelpreisträger überhaupt. Er habe nicht damit gerechnet gehabt, äußerte er sich zur Verleihung. Eric Maskin plant, seinen Anteil am Preis von 1,1 Millionen € einer Behindertenorganisation zu spenden.

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