Nobelpreis für Medizin 2006

Mit dem Medizin-Nobelpreis 2006 begann der Auftakt der diesjährigen Verleihungen. Die Ehrungen erhalten die US- Genforscher Andrew Fire und Craig Mello für ihre Arbeit zur RNA- Interferenz. Sie hatten diesen natürlichen Mechanismus erforscht, mit dem Gene stummgeschaltet werden können. Die Verleihung für sie erfolgte überraschend, da beide Wissenschaftler im Vergleich zu anderen Nobelpreisträgern jung sind und ihre Entdeckung erst acht Jahre zurückliegt. Andrew Z. Fire (47 Jahre) forscht an der Stanford University in Kalifornien und Craig C. Mello (45 Jahre) an der Massachusetts Medical School in Worcester.

Die praktische Bedeutung ihrer Arbeiten kann gar nicht überschätzt werden. Das Verfahren erlaubt es, den Fluss genetischer Information auf natürliche Weise gezielt zu unterbrechen, wenn künstlich produzierte doppelsträngige RNA-Stücke in die Zellen gebracht werden. Die Forscher haben damit nun ein Werkzeug an der Hand, um durch punktuelles Ausschalten zu prüfen, wofür ein Gen zuständig ist. Das bietet auch einen völlig neuen Ansatzpunkt für mögliche Therapien gegen Krebs, Aids, Parkinson oder Herzleiden.

Im Jahr 1998 publizierten Fire und Mello - damals beide noch keine 40 Jahre alt - ihre vielbeachtete Entdeckung, die sie an winzigen Fadenwürmern machten. Die RNA-Interferenz (RNAi) ist ein bereits in der Natur vorkommendes Prinzip, mit dem sich vor allem niedere Organismen vor Viren schützen, die ihr Erbgut in die Zellen einschleusen wollen. Auch das gesteuerte An- und Ausschalten von Genen im Laufe der menschlichen Entwicklung, die Genexpression, wird mit der RNAi gesteuert.

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Nobelpreis für Physik 2006

Nobelpreisträger 2006 für Physik sind John C. Mather (USA) und George F. Smoot (USA) „Für die Untersuchung der kosmischen Hintergrundstrahlung, des 'Echos des Urknalls' “. Das Nobelkomitee erläuterten: Die Messungen der beiden Astrophysiker hätten "den Beginn der Kosmologie als exakte Wissenschaft gekennzeichnet." Sie erhalten den Nobelpreis zu gleichen Teilen. Die höchste Auszeichnung für Physiker ist in diesem Jahr mit umgerechnet 1,1 Mill. Euro (10 Mill. Schwedische Kronen) dotiert.

George F. Smoot (61 Jahre) ist Professor für Physik an der Universität von Kalifornien in Berkeley. John C. Mather (60 Jahre) arbeitet am Nasa Goddard Space Flight Center in Greenbelt (US-Staat Maryland). Beide arbeiteten am Projekt COBE mit. Der 1989 gestartete Nasa-Satellit „Cobe“ (Cosmic Background Explorer) trug Instrumente an Bord, die feine Temperaturschwankungen im Urknall-Echo nachweisen konnten. Mather war seit 1974 die treibende Kraft hinter dem Satelliten-Projekt, an dem zeitweise rund 1000 Menschen arbeiteten. Smoot war verantwortlich für eines der Geräte an Bord, mit dem sich Variationen der Strahlung messen ließen. Inzwischen sind die Phänome mit moderneren Experimenten noch sehr viel detaillierter vermessen worden. Das Alter des Alls ließ sich so zum Beispiel mit sehr großer Sicherheit auf 13,7 Mrd. Jahre beziffern.

Die Temperatur der kosmischen Hintergrundstrahlung ist verschwindend gering - sie liegt nur etwa 2,7 Grad über dem absoluten Nullpunkt der Temperatur von minus 273,16 Grad Celsius. Daher ist dieser schwache Nachhall des „Big Bang“ nur mit viel Aufwand zu messen. Nur eine große Meßgenauigkeit von einem zehntausendstel oder hunderttausendstel Grad deckt feinste Schwankungen auf. Diese waren die Keimzellen der Galaxien. Als die Strahlung entstand, muss das Universum rund 3000 Grad Celsius heiß gewesen sein, konnten die Forscher aus den Daten herauslesen. Diese Abkühlung konnte ausschließlich mit dem Szenario vom Urknall schlüssig erklärt werden.

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Nobelpreis für Chemie 2006

Roger D. Kornberg heißt der neue Nobelpreisträger für Chemie. Er forscht an der Universität Stanford in Kalifornien und ist Jahrgang 1947. Damit geht in 2006 auch der dritte naturwissenschaftliche Nobelpreis in die USA. Er beschrieb als Erster detailgenau den lebenswichtigen Erbgut-Kopiervorgang in der Zelle.

Die Aufklärung dieses biochemischen Prozesses hat weit reichende Bedeutung für das Verständnis des Lebens, aber auch für neuartige Behandlungsmethoden in der Medizin wie etwa die therapeutische Anwendung von Stammzellen. Kornberg erkannte, wie die so genannte eukaryontische Transkription funktioniert. Dieser Vorgang sorgt bei höheren Organismen wie Hefepilzen und Menschen dafür, dass die Gene in Proteine umgesetzt werden, die fast alle Aufgaben des Lebens übernehmen. Zweifelsfrei wird die „Grundlagenforschung von Kornberg Früchte zum Wohl der Menschheit beitragen. Sie eröffnet Perspektiven für neue Medikamente wie etwa bei Antibiotika“, sagte Per Ahlberg vom Nobelkomitee.

Die Auszeichnung kam vergleichsweise schnell, da Kornberg seine Erkenntnisse erst vor fünf Jahren publiziert hatte. «Der Anruf aus Stockholm war so überwältigend, dass ich noch immer zittere», kommentierte der Biochemiker die Zuerkennung. Vor ihm hatte 1959 bereits sein Vater den Medizin-Nobelpreis auf ganz ähnlichem Gebiet erhalten - Arthur Kornberg hatte untersucht, wie genetische Informationen von einem DNA-Molekül zum anderen weitergegeben werden. Arthur und Roger Kornberg sind damit das sechste ausgezeichnete Vater-Sohn-Paar in der Geschichte der Nobelpreise.

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Nobelpreis für Literatur 2006

Orhan Pamuk ist der neue Literatur-Nobelpreisträger. Er wurde am 7. Juni 1952 in Istanbul geboren. Dies ist eine eher spektakuläre Entscheidung des Kommitees, eine politische Stellungnahme. Pamuk, der kurdische Autoren unterstützt und sich auch für Salman Ruschdi einsetzt, geriet selbst in die Mühlen der türkischen Justiz wegen „Verleumdung des Türkentums“. Nicht zuletzt aufgrund internationaler Proteste wurde das Verfahren gegen ihn eingestellt.

Pamuk ist nicht in eine bestimmte Schublade einzuordnen. Er ist weder Pro noch Contra, sondern ein tiefer Beobachter sozialer Verhältnisse und Strukturen in seinem Heimatland. Häufig thematisiert er die Suche seiner Landsleute nach der eigenen Identität zwischen Verwestlichung und Islamismus. Sein eigener Stil bringt die moderne europäische Literatur eindrucksvoll mit den Geheimnissen des Orients in Einklang.

Auf deutsch sind wichtige Werke von ihm erschienen: Das schwarze Buch; Das neue Leben; Rot ist mein Name; Schnee. Letzterer Roman, Schnee, verhalf ihm zum Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2005: Ein Fremder kommt nach Kars, eine türkische Provinzstadt, um eine merkwürdige Serie von Selbstmorden zu untersuchen. Junge Mädchen haben sich umgebracht, weil man sie zwang, das Kopftuch abzulegen. Plötzlich kommt es zu einem Putsch, inszeniert von einem Schauspieler. Ein Theatercoup? Doch es fließt echtes Blut, es intervenieren echte Soldaten, keiner kann die Stadt verlassen, weil es unaufhörlich schneit ... Ein aktueller Roman, der im Schnittpunkt zwischen West und Ost liegt.

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Nobelpreis für Frieden 2006

Mohammed Junus und die von ihm gegründete Grameen Bank erhalten zu gleichen Teilen den Friedensnobelpreis. Der Friedensnobelpreis ist mit umgerechnet 1,1 Millionen € dotiert.

Das Norwegische Nobelkomitee würdigte Junus' Bemühungen um „die wirtschaftliche und soziale Entwicklung von unten“. „Dauerhafter Frieden kann nur erreicht erreicht werden, wenn große Bevölkerungsgruppen Wege finden, um aus der Armut auszubrechen. Mikrokredite sind ein Mittel dazu“, begründete das Friedensnobelpreiskomitee in Oslo seine Entscheidung.

Der Bangalese Mohammed Junus (66) war Ökonomieprofessor an der Universität von Chittagong. 1976 gründete er die Grameen Bank mit dem Ziel, armen Menschen Kleinstkredite, sogenannte Mikrokredite, ohne finanzielle Sicherheit zu geben. Das war früher eine unvorstellbare Idee gewesen. Der Erfolg seiner Bank gab ihm Recht. Es zeigte sich, dass selbst die ärmsten der Armen etwas tun können, um sozial voranzukommen.

Die Grameen-Bank hat eigenen Angaben zufolge bislang 6,6 Millionen Menschen Kredite gegeben und damit einen Weg aus Armut ermöglicht. Davon seien 97 Prozent Frauen gewesen, heißt es auf ihrer Internetseite. Junus' Modell wurde inzwischen in mehr als 100 Staaten der Erde kopiert.

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Nobelpreis für Wirtschaft 2006

Edmund Phelps erhält den Wirtschafts-Nobelpreis.

Der Ökonom von der Columbia University in New York, an der er seit 1971 tätig ist, wird für seine Arbeit über „die Zusammenhänge zwischen kurzfristigen und langfristigen Auswirkungen“ in der Wirtschaftspolitik geehrt, lobte das Nobel-Komitee in Stockholm und ehrte damit den 73-Jährigen für seine Arbeiten zur Makroökonomie. Er habe nicht nur wichtige Erkenntnisse für andere Forscher, sondern für die Wirtschaftspolitik generell geliefert. So habe Phelps gezeigt, dass Vollbeschäftigung, die Stabilität der Preise und Wirtschaftswachstum wichtige Ziele der Wirtschaftspolitik seien. Doch es müsse auch zwischen gegenwärtigen Vorteilen und Vorteilen für künftige Generationen abgewogen werden. Es gibt nur in der kurzen Frist eine Wechselbeziehung zwischen Inflation und Beschäftigung und nicht in der langen Frist. Damit laute eine wichtige Empfehlung der Ökonomen, dass durch mehr Geld in einer Ökonomie nicht mehr Beschäftigung erzielt werden könne.

Edmund Phelps freut sich über den hoch dotierten Preis von zehn Millionen schwedischer Kronen (1,07 Millionen Euro). „Ich wusste, dass es möglich war“, sagte Phelps in einem Interview, nachdem er von der Ehrung erfahren hatte. „Aber ich hatte keine Ahnung, wann oder ob es überhaupt klappen würde.“ Seine Freunde meinen, er hätte den Preis auf jeden Fall verdient. Seine Theorien seien noch nach 40 Jahren aktuell. Ende der sechziger Jahre hatte Phelps zum Thema Phillips-Kurve geforscht, neue Berechnungen geliefert und Theorien des Wissenschaftlers John Maynard Keynes (1883-1946) weiterentwickelt. Diese in den fünfziger Jahren entwickelte Kurve beschreibt einen Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Inflationsrate. Die Theorien von Phelps seien auch nach 40 Jahren aktuell, das schwedische Komitee.

Der sogenannte Nobelpreis für Wirtschaft ist lediglich „Ehrenpreis der schwedischen Reichsbank zum Andenken an Alfred Nobel“. Die Stiftung nennt den Preis auch nicht Nobelpreis, sondern nur Wirtschaftspreis. Kritiker stört, dass der Wirtschaftspreis fast ausschließlich an männliche US-Forscher gegangen ist. Ein Preisträger, der aus Lateinamerika, Afrika oder Asien kommt? Fehlanzeige. Es hat auch noch keine Forscherin geschafft. Seit es den Wirtschaftspreis gibt, wurde er an 57 männliche Ökonomen vergeben. 43 davon waren US-Bürger. Bisher gingen nur acht Nobelpreise für Wirtschaftswissenschaften nach Europa. 1994 erhielt ihn der Deutsche Reinhard Selten. Wie viele andere Forscher musste er auch den Preis mit zwei amerikanischen Kollegen teilen.

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