Nobelpreis für Medizin 2005

Zwei australische Forscher, Barry Marshall und Robin Warren, werden für ihre Forschungen zum Helicobacter-Bakterium ausgezeichnet, das eine wichtige Rolle bei Gastritis und Magengeschwüren spielt. Dies gab das Nobelpreis-Komitee in Stockholm bekannt. Der Preis ist 2005 mit zehn Millionen Kronen (1,07 Millionen Euro) dotiert.

Warren habe die entscheidende Entdeckung gemacht, dass bei einer Entzündung der Magenschleimhaut immer auch eine Infektion mit dem Helicobacter-Bakterium zu beobachten sei, erklärte das Komitee. 1979 entdeckte er die Erreger auf den Schleimhautproben von Patienten, aber erst Jahre später gelang der Nachweis, dass die Bakterien in der Magensäure überleben können, da sie diese in ihrer Umgebung neutralisieren. Marshall hatte aus Gewebeproben von Patienten eine Kultur des bislang unbekannten Bakteriums gezüchtet und sie damit der unmittelbaren Erforschung zugeführt. Die beiden Mediziner behandelten erfolgreich direkt mit Antibiotika. Zuvor war die Gastritis ein chronisches, unheilbares Leiden. Heutzutage kann sie mit einer Kombinationstherapie dauerhaft kuriert werden.

Wodurch die Krankheit ausbricht, ist noch ungeklärt. Wie bei allen Infektionskrankheiten hängt dies davon ab, wie aggressiv der Erreger und wie anfällig der Mensch ist.

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Nobelpreis für Physik 2005

Den Nobelpreis 2005 für Physik erhalten der Deutsche Theodor Hänsch gemeinsam mit seinen US-Kollegen John Hall und Roy Glauber für grundlegende Beiträge zum Verständnis der Natur des Lichtes. Glauber hatte die Fundamente der Quantenoptik gelegt, Hänsch und Hall entwickelten eine neuartige Präzisionsmesstechnik, die unter anderem genauere Atomuhren möglich machen soll.

Hänsch erhalte den Nobelpreis für die auf Laser gegründete Präzisionspektroskopie, das heißt die Farbbestimmung des Lichts von Atomen und Molekülen mit äußerster Genauigkeit. Frequenzen können jetzt mit einer Unsicherheit von nur einigen Millionstel eines Milliardstel gemessen werden, so die Begründung der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften. Dadurch ist genaueste Datenübertragung rund um den Globus, bis ins Weltall oder fürs neuartige Heimkino mit dreidimensionalen Holografien möglich.

Der Lebensweg des 1941 in Heidelberg geborenen Hänsch ist ein Muster moderner internationaler Forscher: Nach Studium und Doktorarbeit an der Universität Heidelberg ging er 1972 an die amerikanische Elite-Universität Stanford, wo er nur ein Jahr später zum "Kalifornischen Wissenschaftler des Jahres" gewählt wurde. 1975 bis 1986 hielt er in Stanford eine Professur. Dann kam er nach Deutschland zurück und leitete das Max-Planck-Institut für Quantenoptik in Garching bei München. Er lehrt an der Münchner Ludwig-Maximilian-Universität über Experimentalphysik und Laserspektroskopie.

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Nobelpreis für Chemie 2005

Die Verleihung des Nobelpreises für Chemie erfolgte an Chauvin, Schrock und Grubbs. Verdient gemacht haben die drei sich um die Weiterentwicklung von Katalysatoren, ohne die in der Chemieindustrie heute gar nichts mehr läuft. Mit Katalysatoren stellt die Chemieindustrie heute mehr als vier Fünftel ihrer Produkte her. Es sind selbst chemische Verbindungen. Sie beschleunigen Synthese-Prozesse und machen sie so überhaupt erst möglich. Dass die drei Chemiker jetzt ausgezeichnet werden, ist nur allzu konsequent.

Ich kann gar nicht sagen, dass ich etwas besonderes empfinde. Der Nobelpreis ist für mich nicht so wichtig. Ich werde jetzt 75 und bin im Ruhestand. Ich kümmere mich nicht mehr um die Chemie. Ich arbeite lieber im Garten, genieße die Natur oder höre Musik. So reagierte der Franzose Yves Chauvin (Ehrendirektor am französischen Institut für Erdölforschung in Rueil-Malmaison) auf die Mitteilung aus Schweden, er sei jetzt Chemie-Nobelpreisträger. Seine Entdeckungen lägen inzwischen über 30 Jahre zurück, kommentierte der Chemiker kühl. Und kündigte an, er werde im Dezember nicht zur Nobel-Zeremonie nach Stockholm fahren. Die beiden anderen Preisträger aus den USA sehen sich ganz anders und freuten sich über die Preisverleihung: Richard Schrock vom berühmten Forschungszentrum MIT in Cambridge und Robert Grubbs vom California Institute of Technology in Pasadena.

Die ständige Weiterentwicklung von Katalysatoren ist nicht nur ein Milliardengeschäft, sondern auch eine Wissenschaft für sich. Auf diesem Gebiet haben die drei neuen Nobelpreisträger Großes geleistet. Nach Grubbs und Schrock wurden sogar Katalysatoren benannt. Sie arbeiten effizienter als ältere Verfahren, bringen höhere Stoffausbeuten und sind dadurch sogar umweltfreundlicher.

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Nobelpreis für Literatur 2005

Der Literatur-Nobelpreis ging 2005 an den britischen Dramatiker Harold Pinter. Das Komitee begründete die Entscheidung damit, dass Pinter in seinen Theaterstücken "unter dem täglichen Geschwätz Abgründe aufdeckt" und sich in den "geschlossenen Raum der Unterdrückung" Eintritt erzwinge. Der Verlust der Kommunikation und der Zerfall der eigenen Identität sind typische Motive der Moderne, die Pinters Dramen prägen.

Geboren wurde der Autor am 10. Oktober 1930 in London als Kind jüdischer Eltern. Die Begegnung mit dem Antisemitismus in Jugendjahren beschreibt Pinter selbst als prägend für seine Arbeit. Zunächst wollte der Brite eigentlich Schauspieler werden. 1950 erschienen dann seine ersten Gedichte. Sieben Jahre später wurde sein erstes Theaterstück "The Room" ("Das Zimmer") aufgeführt.

Zu seinen wichtigsten Werken zählt neben "The Room" auch "The birthday party" ("Die Geburtstagsfeier"), "The dumb waiter" ("Der stumme Diener"), "The caretaker" ("Der Hausmeister") und "The homecoming" ("Die Heimkehr"). Auch ein Roman findet sich in seinem Werk: "The dwarf" von 1990 ("Die Zwerge"). Seine letzte Veröffentlichung ist das Drama "Rememberance of things past" aus dem Jahr 2000. Auch die Drehbücher für die Kinofilme "The French lieutenant's woman" ("Die Frau des französischen Leutnants") von 1981 und "The handmaid's tale" (1990, "Die Geschichte der Dienerin") stammen von Pinter. Er war übrigens auch selbst schon in einem Kinofilm zu sehen: als Hauspatriarch in der Jane Austen-Verfilmung "Mansfield Park" von 2000.

Mittlerweile gelte er als "hervorragendster Vertreter des englischen Dramas in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts", so das Komitee. In den späten 50er Jahren gehörte Pinter neben Samuel Beckett, John Osborne, Arnold Wesker, Edward Bond und Tom Stoppard zu den wichtigsten Vertretern der jungen britischen Theaterszene.

Harold Pinter über seine Wirkung:

"Ob ich ... schreibe, ob sich hier und da Stimmen erheben, die Menschen auf den Straßen demonstrieren - schließlich und endlich ist all das hoffnungslos. Man erreicht nichts. Weil die Denkweisen der Herrschenden verbraucht, fadenscheinig, verkümmert sind. Ihre Gehirne sind eine Ziegelmauer."

Seit Beginn der 80er Jahre setzt sich Pinter für politisch verfolgte Autoren und die Einhaltung der Menschenrechte in allen Teilen der Welt ein. Er hat zahlreiche politische Essays veröffentlicht und engagiert sich für Amnesty International. Auch das war für das Nobel-Komitee ein wichtiges Kriterium für seine Wahl. Für diesen Kampf erhielt Pinter 2001 die Hermann-Kesten-Medaille durch das P.E.N.-Zentrum und das Land Hessen. Mit der Auszeichnung werden Personen geehrt, die sich in besonderer Weise für verfolgte und inhaftierte Schriftsteller und Journalisten einsetzen.

Als Autor von Theaterstücken hat sich der Pinter im Frühjahr 2005 verabschiedet: "Ich bin erschöpft, am Ende meiner Kräfte," so der an Kehlkopfkrebs Erkrankte gegenüber der Zeitung "The Independent". "Ich habe 29 Bühnenstücke geschrieben. Ich glaube, das ist doch eigentlich genug." Doch zum Abschied präsentierte er an seinem 75. Geburtstag im Oktober der BBC noch das musikalische Hörspiel "Voices".

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Nobelpreis für Frieden 2005

Der Friedensnobelpreis geht an Mohamed ElBaradei und die Internationale Atomenergie-Organisation (International Atomic Energy Agency (IAEA), Wien) für ihre Bemühungen um Verhinderung der militärischen Anwendung von Atomenergie und ihre friedliche Nutzung so sicher, wie möglich zu machen.

Gerade in einer Zeit, in der immer mehr Länder Atomenergie nutzen und in der Lage sind, auch Atomwaffen herzustellen, während zugleich die Bedrohung durch den internationalen Terrorismus weiter wächst, sei die Arbeit der Internationalen Atomenergiebehörde von unschätzbarem Wert, so die Begründung aus Oslo.

Die IAEO wurde 1957 als selbstständige Organisation innerhalb der Vereinten Nationen gegründet und hat ihren Sitz in Wien. Sie hat 137 Mitgliedsstaaten und überwacht die Einhaltung des Ende der 60er-Jahre geschlossenen Atomwaffensperrvertrages. Der mit rund 1,1 Millionen Euro dotierte Friedensnobelpreis ging zur Hälfte an sie, zur anderen Hälfte an ihren Generaldirektor.

Der 1942 in Kairo geborene Jurist ElBaradei arbeitet seit 1964 als Diplomat - zunächst in der ständigen Vertretung Ägyptens, später direkt für die Vereinten Nationen. Ab 1993 stand er der IAEO stellvertretend vor, seit 1997 ist er ihr Generaldirektor.

Als Diplomat im Auftrag der Vereinten Nationen kann ElBaradei knüppelhart sein. Zum Beispiel gegenüber der US-Regierung von Präsident George W. Bush, die Beweise wollte, dass Saddam Hussein im Irak Atombomben baue: "Es ist mein Job, allen zuzuhören und Argumente aufzunehmen - aber es ist auch mein Job, am Ende meinen eigenen Bericht zu schreiben, die Fakten so darzustellen, wie ich sie sehe." ElBaradei schrieb in seinem Bericht: Keine Beweise für Atomwaffen-Programme im Irak.

1901 wurde der Friedensnobelpreis zum ersten Mal vergeben - damals an Henri Dunant, den Gründer des Roten Kreuzes, und an Frédéric Passy, den Gründer der französischen Friedensgesellschaft. In den 104 Jahren seither haben insgesamt fünf Deutsche den Friedensnobelpreis erhalten - zuletzt 1971 der ehemalige Bundeskanzler Willy Brandt für seine Ostpolitik.

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Nobelpreis für Wirtschaft 2005

2005 geht der "Wirtschafts-Nobelpreis" an den US-Amerikaner Thomas C. Schelling (84) und an den amerikanisch-israelischen Wissenschaftler Robert J. Aumann (75). Die Schwedische Akademie der Wissenschaften hat sie für ihre grundlegenden Arbeiten zum besseren Verständnis von Konflikt und Kooperation in der Spieltheorie nominiert. Ihre Forschung hat insgesamt dazu beigetragen, die Kluft zwischen Wirtschafts- und Sozialwissenschaften zu schließen. Der Preis ist mit zehn Millionen Kronen (1,1 Millionen Euro) dotiert und wurde zu gleichen Teilen an die beiden Nominierten vergeben.

Der am 14.4.1921 in Oakland, Kalifornien geborene Schelling lehrt am Department of Economics and School of Public Policy, an der Universität Maryland. Dort hat er eine Professur für auswärtige Politik, nationale Sicherheit, nukleare Strategie und Waffenkontrollen. Seit Mitte der 50er-Jahre hat Schelling Spieltheorien auf die globale Sicherheit und das Wettrüsten angewandt. Das bekannteste Buch des Ökonomen ist "The Strategy of Conflict" (1960). In seinem Buch "Micromotives and Macrobehavior" (1978) behandelt er Alltagsphänomene. Er untersucht etwa, wie sich Zuschauer ihre Sitzplätze in einem Saal auswählen, oder wie rassische oder sexuelle Diskriminierung entstehen.

Robert Aumann, der Mathematiker, wurde am 8. Juni 1930 in Frankfurt am Main geboren. 1938 floh er mit seiner Familie vor den Nationalsozialisten aus Deutschland in die USA. Seit 1956 lebt er in Israel. Heute lehrt er am Center for Rationality an der Hebrew University in Jerusalem.

Reinhard Selten, der einzige Deutsche, der je mit dem "Wirtschaftsnobelpreis" ausgezeichnet worden ist, kennt Aumann persönlich. Hatte Selten 1994 zusammen mit zwei US-amerikanischen Kollegen den Preis für seine "Spieltheorie" erhalten, freute er sich nun, dass wieder ein Forscher aus diesem Bereich ausgezeichnet wurde. Unmittelbar nach der Bekanntgabe sagte er: "Das ist relativ unerwartet. Aber ich hatte eigentlich schon damals geglaubt: Wenn ein Spieltheoretiker den Nobelpreis bekommt, dann Aumann. Ich kenne ihn noch viel besser als Schelling - er ist ein Freund." Aumann habe wichtige Beiträge zur so genannten kooperativen Spieltheorie geleistet, die sich etwa mit der Bildung von Koalitionen in Parlamenten beschäftigt. Außerdem habe er den Begriff des "Superspiels" geprägt, ein Zustand, wie er etwa bei der Preisbildung auf Finanzmärkten mit vielen Mitspielern eintritt. Begründung der Akademie.

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