Nobelpreis für Medizin 2002

Sydney Brenner, H. Robert Horvitz und John E. Sulston erhielten gemeinsam für ihre Entdeckungen zur "genetischen Regulierung der Organentwicklung und programmiertes Zellsterben" den Nobelpreis für Medizin verliehen. Durch die Entwicklung und Verwendung des Nematoden Caenorhabditis elegans (C. elegans) als Modellsystem gelang es, die Zellteilung und Spezialisierung von der befruchteten Eizelle bis zum erwachsenen Individuum genau zu verfolgen.

Sydney Brenner, Berkeley, Kalifornien, USA,
etablierte C. elegans als einen neuen Modellorganismus und ermöglichte damit genetische Analyse mit Zellteilung, Zellreise und Organentwicklung zu verbinden - und gleichzeitig diese Prozesse unterm Mikroskop zu beobachten.

John Sulston, Cambridge, England,
stellte den "Zellstammbaum" dar, bei dem man jede Zellteilung und Zellreife während der Entwicklung eines Gewebes des C. elegans verfolgen konnte. U.a. identifizierte er die erste Mutation in einem Gen, das an dem Zellsterbeprozeß beteiligt ist.

Robert Horvitz, Cambridge, Massachusetts, USA,
entdeckte und charakterisierte Gene, die das programmierte Zellsterben des C. elegans steuern und dass es entsprechende Gene beim Menschen gibt.

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Nobelpreis für Physik 2002

Raymond Davis Jr,
Department of Physics and Astronomy, University of Pennsylvania, Philadelphia, USA, und

Masatoshi Koshiba,
Institute for Cosmic Ray Research, University of Tokyo, Chiba, Japan

"für bahnbrechende Arbeiten in der Astrophysik, insbesondere für den Nachweis kosmischer Neutrinos".

Die andere Hälfte des Preises geht an

Riccardo Gaicconi,
Associated Universities, inc. Washington, DC, USA.

"für bahnbrechende Arbeiten in der Astrophysik, die zur Entdeckung von kosmischen Röntgenquellen geführt haben".

Zum Nachweis von den Neutrinos, die zu tausend Milliarden pro Sekunde durch jeden von uns ohne Wahrnehmung durchfliegen, konstruierte Raymond Davis Jr einen völlig neuen Detektor, einen riesigen Tank mit 600 Tonnen Flüssigkeit, der in einer tief unter der Erdoberfläche liegenden Grube aufgebaut wurde. In 30 Jahren wies er insgesamt 2000 Neutrinos von der Sonne nach und bestätigte damit, dass die Sonnenenergie durch Fusion entsteht.

Masatoshi Koshiba wies am 23.2.1987 einen Neutrinoschauer von einer Supernovaexplosion nach. Im Kamiokande-Detektor fingen sie einige zehn der der 10 hoch 16 passierenden Neutrinos (10.000.000.000.000.000) ein.

Raymond Davis Jr und Masatoshi Koshiba entdeckten dadurch ein neues Fenster zum Universum: Neutrinoastronomie. Beide Forscher erhalten je ein Viertel der Nobelpreissumme.

Riccardo Giacconi entwickelte und baute Röntgenstrahlenteleskope zum Nachweis kosmischer Röntgenstrahlung. Diese wird von der Erdatmosphäre absorbiert, so dass die Instrumente in den Weltraum gebracht werden müssen. Er entdeckte die erste Röntgenquelle ausserhalb unseres Sonnensystems und konnte als erster feststellen, dass das Universum eine Hintergrundstrahlung aus Röntgenlicht hat.

Riccardo Giacconi entdeckte ein neues Fenster zum Universum: Röntgenastronomie. Er erhält die Hälfte der Nobelpreissumme.

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Nobelpreis für Chemie 2002

zu dem Thema „die Entwicklung von Methoden zur Identifikation und Strukturanalyse von biologischen Makromolekülen“ zur einen Hälfte an

John B. Fenn, Virginia Commonwealth University, Richmond, USA, und

Koichi Tanaka, Shimadzu Corp., Kyoto, Japan

„für ihre Entwicklung von weichen Desorption/Ionisation-Methoden zur massenspektrometrischen Analyse von biologischen Makromolekülen“

und zur anderen Hälfte des Preises an

Kurt Wüthrich, Eidgenössische Technische Hochschule (ETH), Zürich, Schweiz und The Scripps Research Institute, La Jolla, USA

„für seine Entwicklung der kernmagnetischen Resonanzspektroskopie zur Bestimmung der dreidimensionalen Struktur von biologischen Makromolekülen in Lösung“.

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Nobelpreis für Literatur 2002

Imre Kertész ist der Literatur-Nobelpreisträger 2002: "für ein schriftstellerisches Werk, das die zerbrechliche Erfahrung des Einzelnen gegenüber der barbarischen Willkür der Geschichte behauptet."

Sein literarisches Werk erforscht die Möglichkeit, noch als Einzelner in einem Zeitalter zu leben und zu denken, in dem die Menschen sich immer vollständiger staatlicher Macht untergeordnet haben. Sein Werk kehrt unablässig zu dem entscheidenden Ereignis in seinem Leben zurück: dem Aufenthalt in Auschwitz, wohin er, als junger Mann, während der Verfolgung der ungarischen Juden durch die Nazis verschleppt wurde. Auschwitz ist für ihn keine Ausnahmeerscheinung, die sich gleich einem fremden Körper ausserhalb der normalen Geschichtes des Abendlandes befinden sollte. Es ist die letzte Wahrheit über die Degradierung des Menschen im modernen Dasein.

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Nobelpreis für Frieden 2002

Jimmy Carter erhielt den Friedensnobelpreis zugesprochen für sein jahrzehntelanges Wirken für den Frieden. Zunächst als Präsident der USA (1977-1981) suchte er friedliche Lösungen wie in dem Israel-Palästina-Konflikt, was zum Camp David Abkommen führte; später gründete er das Carter Center und wirkte intensiv an politischen Lösungen weltweiter Konflikte mit.

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Nobelpreis für Wirtschaft 2002

Daniel Kahneman, Princeton University, USA
führte Einsichten der psychologischen Forschung in die Wirtschaftswissenschaft, besonders bezüglich Beurteilungen und Entscheidungen bei Unsicherheit ein.

Vernon L. Smith, George Mason University, USA
setzte Laborexperimente als Werkzeug in der empirischen ökonomischen Analyse, insbesondere in Studien unterschiedlicher Marktmechanismen ein.

Volkswirtschaftliche Theorie hat traditionell auf der Annahme eines „homo œconomicus“ aufgebaut, dessen Entscheidung von Eigeninteresse und Rationalität gesteuert wird. Ökonomie ist traditionell als eine nicht experimentelle Wissenschaft angesehen worden, die eher auf Beobachtungen wirklicher Wirtschaftsvorgänge als auf kontrollierten Laborexperimenten fusst. Dies änderte sich in den letzten Jahren grundlegend. Die Wirtschaftsforschung verwendet bevorzugt immer mehr Daten aus dem Labor als aus dem Feld. Diese neue Forschung hat ihre Wurzeln in zwei – ursprünglich unterschiedlichen, aber nun konvergierenden – Forschungsbereichen: Analysen von menschlichen Beurteilungen und Entscheidungen durch kognitive Psychologen und Überprüfungen von wirtschaftwissenschaftlichen Theorien im Labor durch experimentelle Wirtschaftwissenschaftler. Beide diesjährige Preisträger sind die Pioniere auf diesen Gebieten.

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