Leben und Werk von Johann Carl Friedrich Gauß in der Übersicht (Chronologie)

Nachwort zur Rezeptionsgeschichte

Gaußturm Hoher Hagen

Der Hohe Hagen bei Dransfeld liegt etwa auf der Mitte der Luftlinie Göttingen/Münden; seine Entfernung von diesen Städten beträgt 12 bzw.10 km. Er gehört einem kleinen bewaldeten Gebirge an, dessen Wald sich größtenteils im Besitz der Stadt Dransfeld befindet und das daher Dransfelder Wald genannt wird.

Der Berg ist, abgesehen von den nicht besonders hervortretenden höchsten Erhebungen des Sollings, der höchste Punkt Südhannovers zwischen Oberharz und Oberweser bzw. Unterwerra. Seine Höhe über dem Meeresspiegel beträgt 508 Meter. Die Höhe verdankt der Berg seinem geologischen Bau. Er ist nämlich ein Basaltberg, und der Basalt ist ein hartes Gestein, das der Verwitterung und Abtragung großen Widerstand entgegensetzt. Der Basalt hat eine Unterlage von Tertiär-Gesteinen (Braunkohlen-formation, und diese wiederum liegen auf Muschelkalkschichten). Letztere bilden eine vom Göttinger Leinetal her ganz allmählich ansteigende Hochebene, welche hier südwestlich von Hoya und Hägerhof ihre höchste Erhebung, nämlich etwa 475 m, erreicht.

Der Hohe Hagen ist im Besitz der Stadt Dransfeld. Nicht immer war das der Fall. Bis 1529 gehörte er dem Nonnenkloster Hilwartshausen bei Hannover/Münden.

Goethe

Auch Goethe muß gelegentlich seines Aufenthalts in unserer Heimat im Jahre 1801 - er weilte auf einer Reise zur Kur nach Pyrmont vom 6. - 12. Juni und bei der Rückreise von da wiederum vom 19. Juli bis 14. August in Göttingen - auf den Hohen Hagen aufmerksam gemacht worden sein, denn er hat auf seiner Rückreise von Göttingen nach Weimar in Dransfeld Aufenthalt genommen, um ihn zu besuchen. Er hat darüber folgenden Eintrag in sein Tagebuch gemacht:

"Freitag, am 14. August nachmittags in Dransfeld. Da selbst die Basaltbrüche besucht und den Hohen Hahn bestiegen, auf welchem man die schönste Aussicht genießt. So sieht man zum Beispiel den Brocken, den alten Hahnstein, das Schloß Berlepsch, zwei Glei-chen in ihren Ruinen, Göttingen mit den umliegenden Dörfern, den Hainberg, hinter dem-selben die waldigen Harzge-birge, sodann Northeim und die Pleßburg, ferner die Gegend von Hameln und Holzminden".

Vermessungen

Das Streben der Menschen, die Erde, ihren Wohnplatz im weiten Weltenraum nach allen Richtungen hin kennenzulernen, die Verteilung von Land und Wasser, die Formen der Erdteile und ihre Größe und Gestaltung, ebenso wie die Gebiete der einzelnen Staaten und die Bedingungen, unter denen die Menschen auf der Erde leben, zu erforschen, hat von jeher den Anlaß zu ausgedehnten Untersuchungen und Arbeiten gegeben. Dazu gehört vor allem eine genaue Kenntnis der Gestalt und Größe der Erdkugel selbst. Schon aus den ältesten Zeiten sind uns Versuche, die Größe der Erde zu messen, bekannt. Zum Teil sind dieselben schon von bemerkenswerter Genauigkeit gewesen. So fand zum Beispiel der griechische Gelehrte Posidonius, der etwa um das Jahr 100 vor Christus lebte, daß der Umfang der Erde 39.000 km sei; ein Wert, der von dem wahren (40.000 km) nur um 1.000 km abweicht. Später, im 16. Jahrhundert, hat man von neuem solche Arbeiten unternommen, aber von Bedeutung wurden sie erst, als der holländische Mathematiker Willibrod Ghellius an die Stelle der direkten Entfernungsmessung die indirekte mittels einer Anzahl zwischengeschalteter Dreiecke setzte. Seit jener Zeit sind vielerlei solcher Arbeiten ausgeführt worden und eine darunter ist die Messung der Entfernung der Altonaer von der Göttinger Sternwarte im ersten Drittel des vorigen Jahrhunderts.

1820 Anordnung der hannoverschen Gradmessung durch König Georg IV.
1821 Erfindung des Heliotropen und Beginn der örtlichen Vermessungsarbeiten durch Gauß
1825 Beendigung der örtlichen Vermessungsarbeiten durch Gauß
1845 Ende der Rechenarbeiten an der Gradmessung

Bei dieser bedeutungsvollen Messung spielt nun unser Hoher Hagen eine bemerkenswerte Rolle. Die Bedeutung, die er durch die Arbeiten von Gauß erhalten hat, hat mit Veranlassung gegeben, an der Stelle, die dieser große Mathematiker und Geodät für die Aufstellung seiner Instrumente wählte, einen weit in die Lande hineinschauenden Gaußturm zum Andenken an ihn zu erbauen. Bekannt ist vor allem eine Messung, wie sie Gauß zwischen Göttingen und Altona (Lüneburger Heide) ausführte. Es hat Gauß sehr viele Mühe gekostet, mit den Dreiecken, die Göttingen mit Altona verbinden sollten, über das sehr ungünstige Gelände der Lüneburger Heide hinwegzukommen. Die Eckpunkte der Dreiecke werden immer Örtlichkeiten sein müssen, die eine gute Fernsicht nach den zu dem betreffenden Dreieck gehörigen anderen Ecken abgeben. Außerdem sollen die Seiten nicht zu kurz und wenn möglich, ziemlich gleich lang sein. Punkte, die sich zu diesen Zwecken eignen, besitzt aber das Heide gelände sehr wenige.


Der Gauß-Turm

Der am 13. August 1904 gegründete Verschönerungsverein von Dransfeld beschloß am 29. April 1906, einen massiven Aussichtsturm zu errichten. Ein Turmbaufonds wurde gegründet. Der Verein beschloß, ihm jährlich 20,00 DM zuzuschießen und die Stadt zu bitten, einen jährlichen Zuschuß von 30,00 DM, den sie früher auch dem alten, aber lange eingegangenen Verschönerungsverein gewährt hatte, dem Turmbaufonds zuzuwenden. Er beschloß auch, den alten Gaußstein, den Gauß einst zum Wahrzeichen seiner Vermessungen an dem höchsten Punkt des Berges errichtet hatte, der aber seit Jahren unbeachtet zur Seite geworfen worden war, an seinem ursprünglichen Standort wieder aufzurichten.

Am 9. Juli 1908 standen für den Bau des Turmes 3.277,78 DM zur Verfügung. Daher beschloß der Turmbauausschuß, umgehend den Turm zu errichten. Der Vorschlag, ihn Gaußturm zu nennen, in Erinnerung an das für die Wissenschaft und die ganze Welt bedeutungsvolle Wirken eines Gauß auf dem Hohen Hagen, fand ungeteilten Beifall. Der Beginn des Baues, der aus dem Basaltstein des Hohen Hagen aufgerichtet werden sollte, wurde auf den Frühling 1909 gesetzt. Die Grundsteinlegung wurde vom Turmbauausschuß für den 29. Juli 1909 beschlossen. Dieser Tag war als Gedenktag für einen Gaußturm der gegebene, denn an diesem Tage beendigte Gauß vor 88 Jahren seine wissenschaftlichen Beobachtungen auf dem Hohen Hagen. Die Einweihung des Gaußturmes konnte am 31. Juli 1911 vorgenommen werden. Als Vertreter der Familie Gauß nahm dessen Enkel Karl August Gauß an der Einweihungsfeier teil. Er dankte für das seinem großen Ahnen gesetzte schöne und würdige Denkmal und flocht einige Jugenderinnerungen an ihn ein.

Höhe des Turmes 34,80 m; Gaußzimmer (Museum).

Das Berggasthaus "Zum Hohen Hagen" wurde 1912 errichtet.

Der alte Gaußturm fiel leider den wirtschaftlichen Erfordernissen des Basaltwerkes zum Opfer. Er mußte daher Anfang der 60iger Jahre gesprengt werden. Der Verschönerungsverein Dransfeld klagte gegen den Verursacher im Prozeß erwirkte man einen Neubau.

Der neue Gaußturm

Die Bauarbeiten zum neuen Gaußturm begannen 1963, die Einweihung erfolgte 1964.

Der neue Turm steht 130 m vom alten Standort entfernt und 21 m tiefer als der alte Turm.

Errichtet ist der neue Turm im Stahlbeton/Gußverfahren und hat eine Höhe von 54 m (in manchen Publikationen nur 51 m). Die Aussichtsplattform ist in 45 m Höhe.

Seit 1989 Restaurant auf der 1. Etage in 14,5 m Höhe; 90 Fensterplätze; Gauß-Stube.

Öffnungszeiten nach Bedarf und auf Anfrage.

Besuche am 9.7.1999 mit Lehrer vom Gauß-Gymnasium Berlin. Das Essen stammte aus Konserven. Das Gaußzimmer ohne Instrumente, nur noch Bilder an den Wänden.


Numismatik

Zehn-Deutsche Mark-Schein am 16.4.1991 übergeben, 360 Millionen Geldscheine davon. Format 130 x 65 mm. Dies war der dritte neue Geldschein der neuen Serie, nachdem die 100 und 200 DM-Scheine erschienen waren.

a) Vorderseite

1) Porträt des 63jährigen Gauß nach Jensen, die bekannteste Gauß-Darstellung. Dies war eine Auftragsarbeit des dänischen Malers Prof. Christian Jensen (1792-1870) auf Veranlassung von Wilhelm Struve (1793-1864) für die 1839 vollendete russische Hauptsternwarte Pulkowo bei Petersburg. Noch heute hängt das Original dort in der Rotunde.

Es existieren drei Kopien des Gemäldes, die Jensen vermutlich selbst anfertigte. Kopie 1) erhielt der Göttinger Prof. Listing, Kopie 2) erhielt der Göttinger Prof. Sartorius von Waltershausen und Kopie 3) ging an den Göttinger Prof. Wilhelm Weber.

Eine erneute Kopie des Gemäldes, vom Berliner Porträtmaler Prof. Gottlieb Biermann (1824-1908) angefertigt hängt heute im Hörsaal der Göttinger Sternwarte und diente als Vorlage für den Zehn-Mark-Schein.

Gauß Porträt ist auf dem Zehn-Mark-Schein seitenverkehrt abgebildet, da alle Personen der neuen Geldscheinausgaben nach links „in das Bild hinein“ schauen. Das Wasserzeichen auf dem linken weißen Feld zeigt das Porträt richtig.

2) Wasserzeichen → 1) Gauß Porträt

3) Historische Gebäude in Göttingen

Vorne das 1837 zum 100jährigen Bestehen der Universität erbaute Aulagebäude der Universität. Es beherbergt neben dem Festsaal auch den Amtssitz des Präsidenten und das Sitzungszimmer der Göttinger Akademie. Hier hat Gauß viele seiner Arbeiten vorgetragen.

In der zweiten Reihe rechts das städtische Museum, der ehemalige „Hardenberger Hof“.

In der zweiten Reihe links das alte Rathaus wie es seit dem 15. Jahrhundert gestaltet und bis heute aussieht.

In der dritten Reihe rechts die Universitätssternwarte, an der Gauß Direktor war und in der er von 1816 bis zu seinem Tode 1855 gelebt und gewirkt hat.

In der dritten Reihe links die St.-Johannis-Kirche, über deren rechten Turm die erste Telegraphenleitung lief, die das physikalische Kabinett von Wilhelm Weber und die Sternwarte miteinander verband. Zum ersten Mal wurden 1833 Nachrichten auf elektrischem Wege übermittelt.

In der vierten Reihe schließlich der Turm der St.-Jacobi-Kirche.

4) Gaußsche Fehler- oder Normalverteilungskurve mit der zugehörigen mathematischen Formel.

b) Rückseite

1) Viceheliotrop, zu deutsch Sonnenwender, ein Gerät, das die Sonne mittels bewegter Spiegel stehts in Richtung zum Beobachter hin reflektiert, so daß dieser von einem entfernten Punkt aus den Ausgangspunkt bequem anpeilen und messen kann. Auf dem Geldschein ist ein gewöhnlicher Sextant durch Anbringen eines zweiten Spiegels z einem Heliotropen umgebaut, deutlich erkennt man rechts oben den zusätzlichen Spiegel, der das Sonnenlicht in die Blickrichtung des Sextanten leitet.

2) Kreisbögen, die an Planetenbahnen und Magnetfelder erinnern sollen

3) Abstrakte Figuren, starke Lupe verwenden, unter denen man die Symbole + und – und vor allem auch das Wurzelzeichen erkennen kann. Dies deutet darauf hin, daß Gauß mit seinen imaginären Zahlen die Lösung jeder Wurzel aus einer negativen Zahl, ermöglicht hat.

4) Westöstliche Streckenteil des Dreiecksnetzes der Gaußschen Landesvermessung in Norddeutschland. Mit der Lupe erkennt man 17 Orte, darunter Hamburg, Wilseder Berg, Bremen und die Inseln Neuwerk und Wangeroog (noch ohne e am Wortende).


Philatelie

1935 Werbestempel Stadt Helmstedt „Alte Universität – Die schöne Stadt am Lappwald“

Maschinenwerbestempel Stadt Helmstedt „Helmstedt – sehenswert“ mit Bildmotiv Alte Universität

Maschinenwerbestempel Stadt Helmstedt „Helmstedt – Alte Universität“ mit Bildmotiv Alte Universität

14.4.1977 BRD 1 Sondermarke 200. Geburtstag Gauß Veranschaulichung komplexer Zahlen anhand eines Koordinatensystems (Dissertation von 1799) Mi 928

14.4.1977 Bonn Ersttagsstempel 200. Geburtstag Gauß

14.4.1977 Braunschweig SoSt 200. Geburtstag Gauß

14.4.1977 Göttingen SoSt 200. Geburtstag Gauß

19.4.1977 DDR 1 Sondermarke 200. Geburtstag Gauß, Porträt von I. Ch. Schwartz, 1803, im Stempelbild die Gaußsche Normalverteilung (Verteilungsfunktion)
200. Geburtstag Gauss
Zur Ausgabe für C.F. Gauß gab es einen besonderen Ersttagsbriefumschlag und auch einen Extra-Sonderstempel


13.5.1977 Göttingen SoSt 200. Geburtstag Gauß mit Tagung des Deutschen Vereins für Vermessungswesen LV Niedersachsen. Sonderpostamt im Geisteswissenschaftlichen Zentrum der Universität Göttingen. Gaußdokumentation (Gedenkblatt) der Stadt Göttingen mit SoSt vom 13.5.1977 und Sondermarke vom 14.4.1977, dreisprachig, 4 Seiten DIN A 5, zeigt Gaußabbildungen und Beschreibungen.

12.10.2014 Harsefeld SoSt Das erste deutsche Polarschiff "Gauss"
Polarforschungsschiff Gauss
Polarforschungsschiff Gauss


8.3.2015 Fredenbeck SoSt 160. Todestag Gauß
Gauß 160. Todestag
Gauß 160. Todestag