LOFAR

LOFAR-Effelsberg
LOFAR-Dipol-Antennenfeld und Dr. Rainer Beck,
Max-Planck-Institut für Radioastronomie
Leiter des LOFAR-Projektes zum Kosmischen Magnetismus,
im Hintergrund das 100-m-Radioteleskop Effelsberg



Astronomische Bildung erfährt man heute nicht mehr durch einfaches Hochschauen an den Himmel, es sind hochmoderne Verfahren, welche die neuesten Erkenntnisse der Physik nutzen, ein Beispiel dafür ist LOFAR. Vergessen Sie die typischen Einzelkomponenten von Riesenantennen mit bis zu über 100 m Durchmesser wie beim Radioteleskop in der Eifel. Nicht die Antennen bewegen sich, sondern die Antennenkeule wird computergesteuert auf die ausgewählte Himmelsregion gerichtet. Wir haben es mit einem digitalen Radioteleskop zu tun.

Der zweite Reiseschwerpunkt liegt beim Besuch der ESA, European Space Agency, die europäische internationale Weltraumorganisation. Wir fahren nach Noordwijk zu ESTEC, European Space Research and Technology Centre, der größten technischen Niederlassung der ESA. Es dient als Management und Testzentrum für die meisten der bekannten europäischen Raumfahrtprojekte.

Besuche bei astronomisch-geschichtlichen Einrichtungen der Niederlande stellen die Verbindungen zwischen moderner Wissenschaft und gesellschaftlicher Entwicklung her. Unsere Vorstellung ist von Bildern beherrscht wie die von Rembrandt, Vermeer. Am Anfang des Goldenen Jahrhunderts der Niederlande standen technische und erkenntnistheoretische Neugier gepaart mit mathematischen Kenntnissen. Die Erfindung des Teleskops 1608 und bald danach des Mikroskops begeisterten die Landsleute.

In Einzelpersönlichkeiten wie die von Christian Huygens, zu Den Haag 1629 geboren, spiegelt sich der praktische Geist in der niederländischen Wissenschaft wider. Er erfand für einen seekranken Freund eine Hängematte, die auch bei Sturm still hängt, er verbesserte die Federung von Kutschen, experimentierte mit Luftpumpen und erfand die Pendeluhr. Er erklärte die Lichtbrechung, brillierte als Mathematiker mit komplizierten Bewegungsberechnungen.

Die astronomisch orientierte Rundreise berücksichtigt soweit wie möglich städtebauliche und architekturhistorisch Aspekte und macht bekannt mit Kunst und Kultur in den niederländischen Provinzen. Malerische historische Stadtbilder kontrastieren mit oftmals spektakulären Neubauten. Vergangenheit und Gegenwart in den südholländischen Städten rund um Den Haag verbinden sich zu unnachahmlichen Ansichten.

Programm der Rundreise
Anreise nach Essen. Treffpunkt Essen, Hauptbahnhof (Südseite), 12 Uhr.

Gemeinsame Fahrt in die Niederlande nach Emmen. Aufenthalt und Einführung in das Reiseprogramm. Übernachtung in Emmen.
Fahrt und Besichtigung der LOw Frequency ARray (LOFAR) Teleskope. 2010 eröffnete die niederländische Königin offiziell LOFAR. Trotz der eher unauffälligen Bauweise kann man es als das weltweit größte Radioteleskop bezeichnen: es handelt sich um eine Ansammlung von über Europa verteilten Empfangsstationen mit unbeweglichen Dipolantennen, die zusammengeschaltet werden. Allein 36 Stationen entstanden in den Niederlanden. Die Messdaten aller Stationen laufen im radioastronomischen Institut ASTRON bei Dwingeloo zusammen.

Rundgang bei den klassischen Radioteleskopen in Dwingeloo: In der Nähe von Westerbork befindet sich das Westerbork Synthese-Radioteleskop (WSRT), ein aus vierzehn 25  Meter großen verschiebbaren Parabolantennen bestehendes Radiointerferometer für astronomische Beobachtungen im Wellenlängenbereich von 3,6 bis 110 cm.

Besichtigung des KZ-Sammellagers Westerbork. Hier war Anne Frank 1944 interniert.

Fahrt nach Groningen und Übernachtung.
Besichtigung der Universität Groningen, sie ist eine der ältesten Universitäten Europas. Das Astronomische Institut der Universität ist nach Jacobus C. Kapteyn benannt, der als Entdecker der Milchstraßenrotation gilt.

Weiterfahrt nach Franeker und Besichtigung des historischen Planetariums von Eise Eisinga. Der Wollkämmerer Eisinga baute zwischen 1774 und 1781 im Wohnzimmer seines Grachtenhauses das Sonnensystem maßstabsgetreu nach. Dank der präzisen Arbeit lassen sich die aktuellen Stände der Planeten noch heutzutage ablesen. Franeker ist auch die Geburtsstadt von Oort, der in Groningen Astronomie studierte.

Fahrt über den Abschlussdeich der IJsselsee, Besuch des Zudierzeemuseums in Enkhuizen.

Weiterfahrt bis Noordwijk. Übernachtung bei Noordwijk.
Noordwijk ist eng mit der europäischen Raumfahrt verbunden. Die European Space Research and Technology Centre (ESTEC) ist die größte technische Niederlassung der Europäischen Raumfahrt-Organisation ESA. Es dient als Management und Testzentrum für die meisten der bekannten europäischen Raumfahrtprojekte: Man erinnere sich an Spacelab, Giotto, Nachrichtensatelliten ESC/Eutelsat, Wettersatelliten Meteosat, Columbus, Raumflugzeug Hermes und an die Ariane-Trägerrakete. Die Dauerausstellung Noordwijk Space Expo informiert darüber. Hier arbeitete auch André Kuipers, der zweite niederländische Raumfahrer, zur Zeit an Bord der ISS und dies voraussichtlich noch bis Juni 2012.

Ausflug nach Leiden, Handels- und Textilstadt, um 1200 gegründet. Sehenswerte historische Bauten prägen das Bild der Innenstadt. Das 1640 als Tuchhalle erbaute Museum "De Lakenhal" beheimatet eine Sammlung mit Werken u.a. von Lucas van Leyden und Rembrandt.

Leiden besitzt die älteste Universität der Niederlande (Gründung 1587) und hat eine Universitätssternwarte (von 1633). Anlass zur Gründung bot der sogenannte Quadrant des Snellius, für den eine Unterbringung gesucht wurde. In den ersten beiden Jahrhunderten ihres Bestehens diente sie pädagogischen Zwecken. Der Bau einer neuen Sternwarte im Jahre 1861, unter der Leitung von F. Kaiser, markiert den Beginn der modernen Ära der astronomischen Forschung in Leiden.

Das Museum Boerhaave in Leiden besitzt eine umfangreiche Sammlung astronomischer Objekte, von Astrolabien der Renaissance bis zu den Teleskopen der Universitätssternwarte Leiden vom 19. bis 20. Jahrhundert, Quadranten, Himmelsgloben (Blaauw, Falk), Teleskope von holländischen, britischen und deutschen Herstellern.

Übernachtung bei Noordwijk.
Besichtigung von Den Haag, seit über 750 Jahren Königssitz und aktuell Regierungssitz der Niederlande, Hauptstadt ist Amsterdam. Den Haag gilt als Welt-Hauptstadt der Gerichtsbarkeit. Ein Rundgang durch die historische Stadtmitte von Den Haag macht mit den wichtigsten Gebäuden der Stadt bekannt: dem Schloss der Grafen von Holland, heute Sitz von Parlament und Regierung und dem Mauritshuis, einem Schöpfungsbau des niederländischen Barock-Klassizismus. Sehenswert sind die St. Jacobs-Kerk, das historische Rathaus und die königlichen Paläste aus dem 17. bis 18. Jahrhundert.

Führung im Museum Waalsdorp, ein Spezialmuseum zum Thema Radiokommunikation. Es entstand im Anschluss an den letzten Weltkrieg, als gefragt wurde, wohin mit militärischen Radaranlagen, die nicht mehr benötigt werden. Darunter befanden sich auch Geräte der deutschen Wehrmacht wie der Würzburg-Riese, der später als 7,5-m-Radioteleskop astronomischen Zwecken diente. Inzwischen weiteten sich die Themen des Museums aus und es besitzt Objekte über die Geschichte des Computers, ballistischer Einrichtungen, Infrarotdetektoren usw.

Besuch im Omniversum, eine Filmkuppel für IMAX-Filme und dient der Popularisierung von Wissenschaft.

Das Escher Museum mit Kunstwerken und optischen Täuschungen lässt uns in die Welt des M. C. Escher eintauchen.

Übernachtung bei Noordwijk.
Rückfahrt nach Deutschland mit Besichtigungsaufenthalt in Utrecht. Rückkehr nach Essen, Ende der Reise ca. 16 Uhr.

Leistungen:


Nicht eingeschlossen ist eine Reiserücktrittsversicherung, deren Abschluss empfohlen wird.


MEHR WISSEN

Einen lesenswerten Artikel über die Geschichte der Astronomie in den Niederlanden finden Sie in
Witt, Volker: Historische Teleskope in niederländischen Museen, Sterne und Weltraum, 9/2006, S. 78-82.

Empfehlenswerte Artikel über LOFAR bzw. Square Kilometre Array (SKA):
Beck, Rainer / Reich, Wolfgang:LOFAR: Startschuss für deutsche Stationen, Sterne und Weltraum, 9/2006, S. 19-21
Beck, Rainer: Das Square Kilometre Array, Sterne und Weltraum, 9/2006, S. 22-33
Informationen LOFAR-Stationen

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weitere Informationen zu dieser Reise:
Reisebericht